#4: Die Stunde der Quartiere: Wie Genossenschaften Beteiligung schaffen

Shownotes

In dieser Folge sprechen wir mit Frank Schillig über die Kraft der Beteiligung und wie wir echte Veränderung in unserer Stadt anstoßen können. Wir tauchen ein in Franks Erfahrungen mit Genossenschaften, seine Vision für ein klimaneutrales Köln und die Bedeutung von Selbstwirksamkeit im Alltag. Gemeinsam erkunden wir, wie Aktivkreise, mutige Entscheidungen und echte Begegnungen Menschen ins Handeln bringen. Wir werfen einen Blick in die Zukunft – und holen uns Inspiration, wie wir schon heute Teil davon werden. Wenn du wissen willst, wie aus kleinen Schritten große Veränderungen entstehen, ist diese Episode genau das Richtige für dich.

heuteStadtmorgen eG

https://heutestadtmorgen.de//

Kölner Klimarat

https://www.stadt-koeln.de/artikel/69774/index.html

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

https://wupperinst.org/

Solaroffensive Köln

https://heutestadtmorgen.de/aktivkreise/

Solarparty

https://solarparty.de/

Genossenschaft (Rechtsform)

https://de.wikipedia.org/wiki/Genossenschaft

St. Pauli (FC St. Pauli eG)

https://www.fcstpauli.com

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Daniel: Hallo und herzlich willkommen bei Best-Case-Szenario, unserem Podcast,

Daniel: der sich um Zukunftlichkeit dreht und wie sie gelingen kann. Mein Name ist Daniel.

Frank: Ich bin Paul und bei uns zu Gast heute ist Frank Schillig.

Voicevover: Frank Schillig ist Diplom-Ingenieur für Energie- und Verfahrenstechnik,

Voicevover: Geschäftsführer eines Unternehmens für erneuerbare Energien und Klimaschutz

Voicevover: und Mitglied des Kölner Klimarats.

Voicevover: Aus der Erkenntnis heraus, dass staatliche Maßnahmen allein nicht ausreichen,

Voicevover: um eine Millionenstadt klimaneutral zu machen, gründete er 2023 zusammen mit

Voicevover: Jörg Vormstein und 16 weiteren Personen die Klimagenossenschaft und Plattform

Voicevover: für urbane Transformation heute statt morgen.

Voicevover: Ihr Ziel ist die ganzheitliche Unterstützung der Stadt Köln auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Voicevover: Das Besondere, in sogenannten Aktivkreisen zu Themen wie Solarenergie,

Voicevover: Gebäudebestand, Mobilität oder Begrünung

Voicevover: werden Mitglieder direkt an der Zukunftsgestaltung ihrer Stadt beteiligt.

Voicevover: Die Genossenschaft ist also nicht nur eine Rechtsform, sondern eine Aufforderung zum Handeln.

Frank: Hallo Frank.

Paul: Hallo Paul, hallo Daniel. Freut mich sehr, heute hier bei euch zu sein.

Daniel: Frank, schön, dass du da bist.

Frank: Frank, wie bringt man denn Menschen dazu, sich zu beteiligen?

Frank: Also was brauchen Menschen, um sich zu beteiligen?

Paul: Ja, meine Vorstellung der Beteiligung ist es, Menschen, egal welchen Alters, welcher Herkunft,

Paul: erstmal überhaupt, dass sie wahrgenommen werden, dass sie sich wahrgenommen

Paul: fühlen, als ersten Punkt und auch eben wertgeschätzt, darüber aber auch Teil

Paul: des demokratischen Lebens werden oder sind.

Paul: Und die Möglichkeit zu haben, Lebensräume zu gestalten, mitzugestalten und eben

Paul: irgendwie auch in die Selbstwirksamkeit zu kommen.

Paul: Am Anfang, vom genossenschaftlichen Hintergrund her kommend,

Paul: war ich ein bisschen mehr darauf aus, zu sagen, okay, man muss ein Forum schaffen,

Paul: einen Organismus schaffen, in dem Menschen einfach Möglichkeiten haben, sich zu engagieren.

Paul: Ist aber immer weiter gewachsen, denn Klimaneutralität ist letztlich der eine Begriff.

Paul: Das andere ist eine lebenswerte Zukunft für uns alle Menschen zu gestalten.

Paul: Dann wird es auf einmal viel größer, denn es gehört nicht nur vielleicht Solarene,

Paul: Hydra zu oder Mobilität oder Stadtbegrünung, Stadtbegrünung,

Paul: sondern es gehören auch Themen wie Bildung, Ernährung,

Paul: Partizipation als Gesamtthema dazu,

Paul: um überhaupt Menschen abzuholen an den Punkten, wo sie gerade stehen.

Paul: Denn häufig ist die Distanz von politischem Rahmen, von gesellschaftlichen Diskursen

Paul: doch sehr fern von dem persönlichen Handeln erleben, wo jeder gerade so steht.

Paul: Und was wir über viele Projekte erfahren haben, ist,

Paul: wenn ich was von der ersten Idee über das erste Tun zu einem fertigen Ding am

Paul: Ende mitgestalte, dann fühlt sich das einfach mega an.

Paul: Das ist eine ganz coole Sache und insbesondere, wenn man das mit anderen Menschen

Paul: zusammen macht, dann denkst du, wow, einfach wir zusammen haben das geschafft

Paul: und das ist einfach geil.

Paul: Das ist so meine Vorstellung von Partizipation oder Beteiligung und wie man

Paul: die Menschen dazu kriegt, ist nochmal ein Extrathema.

Daniel: Gut, dann das war unsere Folge. Bestgeschnitte, du hast die Frage schon super

Daniel: beantwortet. Wir haben es, sehr gut.

Daniel: Nein, du sagtest gerade, Menschen beteiligen sich sozusagen dadurch,

Daniel: dass sie selber zum Prozess werden

Daniel: oder dass sie selber zum sozusagen Mitgestalter des Prozesses werden.

Daniel: Das ist so eine Erfahrung, die du in der, wir können ja gleich noch mehr ein

Daniel: bisschen tiefer darauf eingehen, was du machst oder wo du sozusagen herkommst,

Daniel: aber das ist so eine deiner Erfahrungen,

Daniel: dass du sagst, wenn Menschen Teil des Prozesses werden und wirklich etwas gestalten können,

Daniel: dann beginnen sie sich auch sozusagen zu beteiligen.

Paul: Genau, also der Punkt ist ja auch, wo stehe ich gerade und ich habe vor zwei

Paul: Wochen war ich bei der Alanus Hochschule eingeladen für einerseits über das Thema Genossenschaft,

Paul: andererseits über das Thema Beteiligung, Partizipation mit den Studierenden

Paul: dort in Diskurs zu gehen und da war sehr viel Krisenmodus angesagt.

Paul: Ich habe versucht, sie abzuholen, wo stehen die gerade und einfach diese Multikrisen,

Paul: Kriege, Wirtschaftskrise,

Paul: Handeln von Politik, wo keiner mehr versteht, warum das alles so passiert oder

Paul: wie fern das eigentlich von mir als Person ist.

Paul: Und da einen Ansatz zu finden, wie kommt man überhaupt wieder ins Tun und nicht

Paul: in, okay, ich mache besser gar nichts, weil ich kann sowieso nichts beeinflussen oder machen.

Frank: Ja, das finde ich auch, gerade als ich dir zugehört habe, die spannende Frage,

Frank: diese Selbstwirksamkeit, weil das ist ja so ein bisschen so ein Henne-und-Ei-Prinzip.

Frank: Also ich erlebe das auch so oder nehme das so wahr, erlebe das auch an mir selber,

Frank: dass im Prinzip in dem Moment, wo man das Gefühl hat, man kann eh nichts machen,

Frank: nach mir kommt die Sintflut.

Frank: Dann kann man sich auch so verhalten, als käme sie. Und du hast jetzt gerade

Frank: gesagt, die Leute da abholen, wo sie stehen.

Frank: Wo stehen denn die Leute?

Paul: Sehr spannende Frage. Also wir haben im letzten Herbst, Winter,

Paul: haben wir zwei Bachelorandinnen gehabt und die Arbeit von denen mit begleitet.

Paul: Da ging es genau um dieses Thema, wie können wir einerseits Kommunikation von unseren Ideen,

Paul: zu den Menschen bringen und umgekehrt, wie können wir von den Menschen erfahren, wo stehen die gerade?

Paul: Und dann waren wir auf drei Marktplätzen mit einfach erst einer relativ offenen

Paul: Frage und so ein Netzwerk aufgebaut,

Paul: wo man so Zettel dran heften konnte und die zwei jungen Studierenden,

Paul: also hier mal so ein kleines Bild,

Paul: seht ihr alle nicht im Podcast, okay, aber jedenfalls haben wir uns einfach

Paul: hingestellt, den ganzen Vormittag, einmal in Nippes, einmal in Kalk und einmal

Paul: in Syrt, um so ein bisschen Querschnitt der unterschiedlichen Veedel zu bekommen.

Paul: Und da haben wir einfach gesagt, okay, was fehlt euch denn in dieser Stadt oder

Paul: hier im Veedel? Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Paul: Komplett offen, also gar nicht jetzt auf irgendwelche Klimaschutzthemen oder

Paul: sowas. Und dann kamen natürlich alle möglichen Dinge.

Paul: Ich hätte gern mehr Parkplätze oder weniger Parkplätze oder mehr Radwege oder

Paul: bloß nicht die ganzen Radfahrer oder zu viel Müll, aber auch keiner spricht mehr miteinander,

Paul: alt und jung und verschiedene Bubbles kommen einfach nicht in einen Austausch mehr.

Paul: Und das war so ein großes Thema, dass sich viele Leute so alleine fühlen.

Paul: Und das war sehr schön, einfach mal mit allen möglichen Menschen zu sprechen,

Paul: weil ich komme ja auch aus meiner Bubble und spreche meistens eben nur mit meinen.

Paul: Und das ist, glaube ich, die große Herausforderung, einfach mal die ganzen Gruppierungen

Paul: dieser Stadtgesellschaft wieder irgendwie in Austausch zu bekommen.

Paul: Und das ist natürlich eine Riesenaufgabe, weil ich meine, jeder Einzelne kann

Paul: immer nur mit ein paar Menschen sprechen und man muss sich irgendwelche Formate

Paul: überlegen, wie man das hinkriegt.

Paul: Aber das ist eben auch so eins unserer Themen.

Paul: Und wo stehen die? Je nach Bubble.

Paul: Also viele sind glaube ich sehr in ihrer nicht mehr so kommunikativen Welt,

Paul: wie wir das von vor 20 Jahren kennen, wo es einfach nicht mehr digital abging,

Paul: sondern eben mehr analog.

Paul: Und das koppelt die Leute einfach auch voneinander ab, ist von meinem Eindruck.

Paul: Diese schnelle und wenig nachhaltige vielleicht auch im Sinne von Kontinuität,

Paul: Kontinuität im Sinne von auch Liebe zu spüren, Mensch zu Mensch.

Paul: Und das war das Tolle an diesen Tagen.

Paul: Die Leute haben einfach gequatscht. Es waren vielleicht zehn Prozent,

Paul: die sagten, nee, keine Zeit.

Paul: Aber die meisten hatten Zeit und haben sich die genommen. Und es war gut.

Daniel: Bestimmt eine schöne Erfahrung, eine sehr menschliche Erfahrung am Ende des Tages.

Daniel: Frank, wenn ich dir so zuhöre, du bist, haben wir jetzt in der Vorstellungstext

Daniel: auch gehört, auf wahnsinnig vielen Hochzeiten unterwegs.

Daniel: Du machst wahnsinnig viele Dinge. Und,

Daniel: Warum?

Paul: Tja, also auf der einen Seite, dieses Thema erneuerbare Energien treibt mich schon immer an.

Paul: Also ich habe schon seit meinem Studium, da bin ich dann da reingerutscht, da ging das gerade los.

Paul: Und dann gab es einfach sehr viele Menschen, die in dem Bereich arbeiten,

Paul: die idealistisch waren und einfach was verändern wollten.

Paul: Und das ist so ein Spirit, der mir mit auf den Weg gegeben wurde.

Paul: Und darüber trifft man eben auch immer wieder so Menschen, die was bewegen wollen.

Paul: Und das habe ich einfach mitgenommen.

Paul: Und bin vor zehn Jahren in diese Genossenschaftswelt gekommen.

Paul: Vorher waren es immer normale Unternehmen,

Paul: GmbHs und in dieser Genossenschaftswelt trifft man nochmal auf eine andere Blase

Paul: von in Deutschland inzwischen tausend,

Paul: mehr als tausend Energiegenossenschaften und die haben einfach so eine Normalität in dem Miteinander.

Paul: Da gibt es wenig Konkurrenz, sondern es geht eher darum, wir wollen einander

Paul: helfen, weil du hast das schon gemacht, ich habe das schon gemacht und man tauscht

Paul: sich aus, man ist meistens regional begrenzt.

Paul: Es gibt eigentlich auch keinen Konkurrenz so in dem Sinne und wenn man das einmal

Paul: auch so aufgesogen hat, dann merkst du, da geht viel mehr, wenn man wirklich vernetzt auch.

Paul: Und dieses Vernetzen, das treibt mich an und ich habe einfach auch sehr viel

Paul: Spaß an Kommunikation mit Menschen.

Paul: Und das ist glaube ich das, was mich antreibt. Und ich sage ganz.

Paul: Immer, das ist nicht Arbeit, sondern das ist eben mein Leben und ich mache was mit guten Menschen.

Paul: Ich treffe viele Menschen, die sehr positiv sind.

Paul: Ich mag das Thema und es ist quasi mehr als ein Hobby, aber es ist eben ein

Paul: Zeitvertreib und deshalb gibt es auch keine Rente oder sowas in Aussicht,

Paul: sondern weil das ist einfach ein Teil des Lebens.

Paul: Und es gibt auch viel zurück. Und das ist das Schöne daran.

Paul: Und ich glaube, wenn man das einmal gespürt hat, dann kann wirklich Veränderung auch passieren.

Paul: Weil was wirklich fehlt, glaube ich, ist einfach dieses Zwischenmenschliche,

Paul: die Liebe zu spüren, wenn das vielleicht ein bisschen platt klingt,

Paul: aber das braucht es mehr in dieser Gesellschaft.

Frank: Wie hast du das denn in deiner Laufbahn erlebt?

Frank: Welche Sachen haben für dich gut funktioniert, jetzt mal auch so organisatorisch?

Frank: Weil ich finde schon spannend, was wir auch gerade gehört haben,

Frank: dass du im Prinzip sagst, als Mitglied in dem Klimabeirat,

Frank: da gab es 2019 in der Stadt Köln den Klimanotstand oder der wurde ausgerufen

Frank: von der Oberbürgermeisterin bis 2035 soll, will,

Frank: muss die Stadt klimaneutral werden.

Frank: Funktioniert das?

Paul: Also erstmal eine super Initiative von Frau Reker damals,

Paul: dass sie den erstens Klimanotstand ausgerufen hat, weil das ist auch schon mutig,

Paul: denn dann muss Verwaltung und Politik in allen Entscheidungen eigentlich immer

Paul: klimaschutzrelevante Punkte mit berücksichtigen und dann diesen Klimarat zu gründen.

Paul: Und der Klimarat war eben mehr als nur vielleicht PolitikerInnen oder nur Verwaltungsmenschen,

Paul: sondern es war wirklich aus der gesamten Stadtgesellschaft, Fachmenschen zusammenzubringen

Paul: in verschiedenen Gruppen.

Paul: Also wirklich die gesamte Bandbreite, wo man irgendwie einen Einfluss hat auf

Paul: Klimaschutz. Und so waren auch immer verschiedene Sichtweisen da. Und das war wichtig.

Paul: Wir haben wirklich gemeinschaftlich dann einen Klimaneutralitätsplan ausgearbeitet

Paul: für 2035 mit Unterstützung vom Wuppertal-Institut, Gertek-Ingenieure,

Paul: die das Ganze fachlich noch mit Zahlen untermauert haben.

Paul: So jetzt ist der verabschiedet worden 2022 oder 2023, dann im Rat,

Paul: damit die Aufgabe, Verwaltung, ihr müsst das jetzt umsetzen.

Paul: Die Umsetzung kann natürlich nur passieren, wenn auch all die Akteure,

Paul: die darin angesprochen sind, irgendwie ins Handeln kommen.

Paul: Und die Verwaltung hat eben nur einen begrenzten Spielraum und die städtischen

Paul: Gesellschaften, KVB, Rhein Energie, haben auch nur einen begrenzten Spielraum.

Paul: Es gibt die ganzen BürgerInnen, es gibt die Unternehmen, es gibt die Kirchen, die Vereine etc.

Paul: Die werden erstmal davon gar nicht angesprochen.

Paul: Aber die Frage war ja, kommen wir dahin? Ja, nein, 2035.

Paul: Das Allerwichtigste, denke ich, ist erstmal, man muss ein Ziel haben,

Paul: was natürlich irgendwie erreichbar ist.

Paul: Und das war in diesem Klimaschutzplan wirklich dezidiert über 200 Maßnahmen,

Paul: Einzelmaßnahmen, weil jede mit einem, hier werden so viel CO2 Tonnen reduziert,

Paul: wenn du das machst, werden so viel CO2.

Paul: Also es war ganz klar, wenn ich dem folge, dann komme ich da hin.

Paul: So und diese Bausteine, bis man in jedem Jahr das dann umgesetzt hat,

Paul: das zu wissen, wie es geht, ist schon mal wichtig und dann aber auch jeden kleinen Baustein zu feiern.

Paul: Dann zu sagen, okay, komm, hier, guck mal, da haben wir schon mal was erreicht.

Paul: Das ist, glaube ich, dieses Zielbild und den Weg zu kennen. Das ist einfach zentral.

Paul: Aber mit der neuen Stadtregierung, Thorsten Bohrmeister jetzt,

Paul: der Oberbürgermeister hat, wie würde man sagen, schnell zurückgerudert und gesagt,

Paul: das schaffen wir alles nicht.

Paul: Aber trotzdem, der Beschluss ist nach wie vor da.

Paul: Das heißt, wir müssen oder alle müssen daran arbeiten, die zumindest Verwaltung

Paul: auf alle Fälle und die Politik genauso.

Frank: Das klingt ja so ein bisschen resignierend, finde ich, wenn so eine Haltung

Frank: daran gegangen wird, das schaffen wir eh nicht.

Frank: Oder jetzt da drauf geguckt wird, es sind noch zehn Jahre, neun Jahre bis 2035.

Frank: Und man hat ja tatsächlich das Gefühl, es passiert nicht schnell genug,

Frank: wenn das das gesetzte Ziel ist.

Frank: Es sind unglaublich komplexe Dinge, die da bewältigt werden müssen.

Frank: Das merkt man auch, wenn man dir zu hat. Und wie geht es dir denn damit?

Frank: Du hast gerade gesagt, die kleinen Bausteine feiern.

Frank: Wie schaffst du es da nicht zu resignieren, wenn du merkst, vielleicht sind

Frank: es auch im Moment leider nur die kleinen Bausteine, die man feiern kann und

Frank: gar nicht so dieses große?

Frank: Oder hast du auch das Gefühl, die Politik resigniert eher oder ist da dann trotzdem

Frank: mit einem realistischen Blick, das schaffen wir zwar nicht, aber wir bleiben trotzdem am Ball?

Paul: Eigentlich ist es ja zum Beispiel die Aufgabe der Verwaltung, das jetzt umzusetzen.

Paul: Ganz konkret mal als Beispiel, Gebäudewirtschaft, ein Dezernat hat 1600 Gebäude in der Verwaltung.

Paul: Das sind Schulen, das sind die Rathäuser etc.

Paul: Die müssten jetzt auf jeden gucken, geht da eine PV-Anlage drauf,

Paul: was müssen wir Wärmesites machen, wie hängen die am Fernwärmenetz,

Paul: wird das sowieso klimaneutral, weil Rheinenergie das macht oder müssen wir eine

Paul: gesonderte Lösung haben.

Paul: Das heißt, da sind lauter Fachmenschen auch in dem Dezernat,

Paul: die müssten sich jetzt einfach darum kümmern.

Paul: So, das geht aber alles nur sehr, sehr langsam und die Fische stinken ja immer vom Kopf.

Paul: Und in manchen Dezernaten gibt es eben auch Dezernenten, die sagen,

Paul: hey cool, da müssen wir jetzt irgendwie ran und machen.

Paul: Und in anderen ist das ein bisschen langsamer.

Paul: Mit Mobilität zum Beispiel, da passiert so einiges. Ich glaube,

Paul: ihr habt ja auch wahrgenommen, dass Fahrradwege immer mehr kommen.

Daniel: Ich finde, da ist in der Stadt wahnsinnig viel passiert in den letzten zwei

Daniel: Jahren und zum Positiven wirklich.

Daniel: Das ist heute eine Folge mit sehr viel Köln-Bezug. Das ist natürlich auch in

Daniel: Berlin so und in München ist auch viel passiert, aber es ist ja so,

Daniel: es hat sich wirklich hier in Köln für alle, die nicht in Köln sind,

Daniel: was Mobilität angeht, wirklich viel verändert.

Paul: Ja, und zum Beispiel, was man gar nicht so wahrnimmt, aber der Umbau der ganzen

Paul: Busflotte passiert auch sehr intensiv.

Paul: Das heißt, da fahren jetzt schon ganz schön viele Elektrobusse um und die sind

Paul: zumindest schon mal von den Emissionen her wesentlich besser, die sind leiser.

Paul: Aber so, das passiert. In manchen Bereichen passiert ein bisschen mehr.

Paul: Es gibt zum Beispiel auch die Stadtentwässerungsbetriebe, die die Kläranlagen betreiben.

Paul: Die haben sich das Ziel, jetzt 2030 schon klimaneutral zu werden.

Paul: Und die sind da wirklich ganz intensiv dran.

Paul: Das Erzbistum als katholische Kirchenvertreter hier hat eine Abteilung gegründet,

Paul: wo 20 Menschen, 20 Fachleute sind,

Paul: die sich darum kümmern, in allen verschiedenen Segmenten zu gucken,

Paul: wie kriegen sie die ganzen kirchlichen Gebäude eben Richtung Klimaneutralität.

Paul: Also in Einzelbereichen sieht man Dinge passieren und ich stelle mir mal so diese Kipppunkte vor.

Paul: Je mehr das im öffentlichen Raum sichtbar wird, so wie du das mit der Mobilität

Paul: oder Fachradwegen beschrieben hast, umso eher nehmen die Menschen das mal und

Paul: denken, ja cool, cool und was kann ich bei mir selbst so machen auch.

Frank: Das finde ich ist ja eine ganz wichtige Erkenntnis, dass wir so geneigt sind

Frank: immer aufs große Ganze zu schauen, weil das ja auch dann solche Ziele sind.

Frank: Die ganze Stadt ist klimaneutral bis 2035.

Frank: Wie soll das gehen? Oh Gott, das schaffen wir nicht. Und dass dann aber solche

Frank: Teilbereiche beispielhaft dafür sein können und eben die nötige Sichtbarkeit,

Frank: die nötige Attraktivität auch erzeugen, zu sagen, oh wow, guck mal, so geht das.

Frank: Das finde ich sehr schön und da habe ich das Gefühl, dieses Leute ins Handeln zu bringen.

Frank: Da haben wahrscheinlich solche Leuchttürme auch eine totale Relevanz für,

Frank: dass Leute merken, aha, guck mal, das bringt ja was.

Frank: Und wenn es nur hier im Veedel ist oder in der Straße.

Paul: Also einer unserer Aktivkreise zum Beispiel ist die Solaroffensive Köln und

Paul: die machen ganz unterschiedliche Formate, zum Beispiel das eine ist eine Solarparty.

Paul: Wenn es irgendwo einen Nachbarn gibt, der hat eine Solaranlage,

Paul: dann sprechen die ihn an und sagen, hey, willst du nicht mal deinen ganzen anderen Nachbarn einladen?

Paul: Dann bringen wir noch einen Experten mit und dann machen wir eine sehr low profile

Paul: informative Geschichte.

Frank: Tupperparty für Solar.

Paul: Genau, Tupperparty für Solar.

Daniel: Geil.

Paul: Und das gleiche gibt es jetzt auch als neues Format, die Wärmepumpenparty.

Paul: Da kriegt man erstens auch die Menschen wieder zusammen und Nachbarn kennen

Paul: sich ja auch und darüber entsteht eine ganz andere Dynamik.

Paul: Als wenn man das in der Zeitung liest oder einen Flyer in den Briefkasten kriegt.

Paul: Das andere ist, sie machen so

Paul: ein Solarkamp-Format. Das wurde in Freiburg erfunden für junge Menschen.

Paul: Und da wird dann ein gemeinsamer Dachstuhl aufgebaut.

Paul: Dann wird da eine Solaranlage drauf gebaut und dann wird einfach gemacht.

Paul: Das Gleiche machen sie auch in Schulen.

Paul: Dann kommen die Leute einfach ins Miteinanderlernen sozusagen.

Paul: Ich glaube, das ist dieses große Thema, das Lernen, das müssen wir Menschen

Paul: und müssen alle Menschen wieder lernen.

Paul: Auch diese Selbstwirksamkeit zu erfahren, wie geht das denn und Demokratie,

Paul: Teilnahme auch zu lernen wieder. Weil wir wissen das vielleicht gar nicht so

Paul: richtig, wo können wir dann uns beteiligen.

Paul: Und das überhaupt wahrzunehmen, dass es das alles schon gibt und da irgendwie mitzumachen.

Paul: Und das ist, glaube ich, dieses Lernen, was wir auch am Ende in die Welt rausrufen müssen,

Paul: was da alles geht und Informationen transportieren.

Paul: Also das fehlt uns, glaube ich, viel.

Daniel: Du hast jetzt schon wirklich viele interessante Punkte gesagt,

Daniel: unter anderem jetzt auch, ich wusste gar nicht, dass es diese Partys gibt,

Daniel: also ich wäre gerne bei beiden irgendwann mal eingeladen.

Frank: Du hast ja auch so ein Wärmepumpenprojekt, ne?

Daniel: Nein, nur ein kleines, es ist aber zu klein für jetzt den Podcast hier.

Daniel: Aber du sprachst ja gerade, du sprachst auch von dem Aktivkreis Solar.

Daniel: Das ist ja kein Arbeitskreis oder irgendwie sowas.

Daniel: Wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man einen Arbeitskreis,

Daniel: sondern vielleicht können wir ja jetzt mal so ein bisschen Richtung Genossenschaft abbiegen.

Daniel: Richtung diesem Format, was du für heute statt morgen ja auch sozusagen,

Daniel: du hast gerade gesagt, du hast vor zehn Jahren hattest du deine erste Erfahrung

Daniel: mit einem genossenschaftlichen Projekt und hast dann innerhalb dieses Projekts

Daniel: diese Selbstwirksamkeit eigentlich selber erfahren und es am eigenen Leibe gespürt,

Daniel: ach, so kann das tatsächlich auch gehen.

Daniel: Vielleicht kannst du darüber nochmal ein bisschen was erzählen,

Daniel: was das war vor zehn Jahren und wie du das dann sozusagen heute oder vor drei

Daniel: Jahren, 2023 habt ihr glaube ich heute statt morgen gegründet,

Daniel: wie das dann dazu eigentlich gekommen ist.

Paul: Mein Klimaratskollege Jörg vom Stein und ich, wir saßen halt da und dann war

Paul: das alles fertig, der Plan.

Paul: Da haben wir gedacht, okay, wer macht es denn jetzt? Und es gibt eben diese

Paul: Gruppierungen, die können was machen, aber es fehlt noch viel.

Paul: Und dann haben wir gedacht, okay, wir brauchen ein Instrument,

Paul: wo sich Menschen beteiligen können,

Paul: wo wir eben diesen ganzen Mittelraum übernehmen können und da machen.

Paul: Eine sind natürlich immer erlösbringende wirtschaftliche Projekte.

Paul: Wenn ich eine Solaranlage baue oder investiere, dann verkaufe ich den Strom

Paul: und kriege daraus Erlöse, die dann auch den Mitgliedern der Genossenschaft letztlich

Paul: zugutekommen, weil eine Genossenschaft ist erstmal ein Wirtschaftsunternehmen.

Paul: Das andere sind aber eben Projekte, die gemacht werden müssen und Geld kosten.

Paul: Wenn ich Bäume pflanzen will, dann kostet das Geld.

Paul: Da kriege ich keinen Erlös von in dem Sinne. Oder wenn ich Stadtbegrünung,

Paul: Schwammstadtprojekte machen will, das kostet erstmal einfach alles Geld.

Paul: Wenn ich ein Bildungsprojekt machen will, kostet das auch Geld.

Paul: Das heißt, ich muss irgendwo dann vielleicht Spenden, Fördergelder etc.

Paul: Einwerben. Oder ich kann es auch querfinanzieren

Paul: über die erlösbringenden Projekte, die es eben bei uns gibt.

Paul: Und das ist so die Grundidee, dass wir eben auch sämtliche Themen des Klimaschutzes

Paul: bearbeiten wollen und inzwischen sind wir an die 650 Mitglieder und kontinuierlich

Paul: werden es mehr, das ist schön.

Paul: Wir würden gerne schon Zehntausende sein, also alle sind herzlich eingeladen damit zu machen.

Paul: Ja, je mehr wir werden, umso mehr können wir auch machen und die Aktivkreis-Idee

Paul: kam uns dann, weil wir gesagt haben, okay,

Paul: es reicht nicht aus, nur passive Mitglieder zu haben, die sagen,

Paul: okay, finde ich gut die Idee, ich kaufe einen Anteil und fertig ist die Laube,

Paul: dann kriege ich vielleicht irgendwann eine Dividende,

Paul: sondern diese ganzen Menschen auch ins Machen zu bringen.

Paul: Und diese Aktivkreise haben sich dann eben aus den Mitgliedern.

Frank: Das finde ich auch nochmal total interessant, da einmal kurz einzuhaken,

Frank: aber du hast auch gerade schon gezuckt.

Daniel: Ja, weil ich gerade nochmal sagen wollte, also wenn man sich das jetzt so vorstellt,

Daniel: ihr habt die Genossenschaft als Dach und darunter sind dann Aktivkreise,

Daniel: die sich thematisch aus der Mitgliedschaft der Genossenschaft sozusagen zusammenschließen

Daniel: und ich sagte es gerade, es gibt den Aktivkreis Solar,

Daniel: es gibt den Aktivkreis Wärmepumpe,

Daniel: habe ich euch auf der Website gesehen, das wären dann zwei, fehlen noch neun,

Daniel: müssen wir jetzt nicht alle aufzählen, aber das ist sozusagen die Systematik

Daniel: Menschen, die in der Genossenschaft, an der Genossenschaft beteiligt sind.

Daniel: Sind, schließen sich zusammen, bilden Aktivkreis und treiben da dann sozusagen

Daniel: ihr Thema, was sie bewegt, selbst voran.

Paul: Genau.

Paul: Und häufig sind es dann auch Menschen mit einer gewissen Fachkenntnis,

Paul: die sagen, okay, da möchte ich mich einbringen.

Paul: Oder Menschen, die Zeit haben und sagen, das ist ein Thema, das interessiert

Paul: mich, ich will mitmachen.

Paul: Und manche, diese Aktivkreise laufen super, manche sind eher ein bisschen schleppender

Paul: Aber das hängt immer an den Menschen selbst und vielleicht am Thema auch.

Frank: Das finde ich auch total die spannende Frage. Es klingt ja fast so nach so einer

Frank: doppelten Selbstwirksamkeitserfahrung.

Frank: Einmal ihr, die die Genossenschaft gegründet habt, als Antwort auf die Frage, wer macht es denn jetzt?

Frank: Und dann innerhalb der Genossenschaft im Prinzip Formate, Aktivkreise zu bilden,

Frank: wo dann wiederum die Mitglieder aus dieser Passivität, die du gerade geschildert

Frank: hast, rauskommen in eine Selbstwirksamkeit.

Frank: Jetzt hast du gerade selber gesagt, es funktioniert mal besser, mal schlechter,

Frank: Das würde mich aber tatsächlich noch mal interessieren, wie funktioniert es

Frank: denn? Ihr habt die Genossenschaft, ihr habt unterschiedliche Themengebiete, die ihr abdeckt.

Frank: Jetzt müssen die Mitglieder halt nur noch von diesem, ich habe mich sozusagen

Frank: als Mitglied da eingekauft hinzu,

Frank: ich komme abends in die Gruppe, in den Kreis, ich mache da was,

Frank: ich mache meine Hausaufgaben, ich komme nächste Woche, nächsten Monat,

Frank: wie auch immer wieder. Wie gelingt das?

Paul: Auf der einen Seite in den Aktivkreisen, die gut funktionieren,

Paul: gibt es häufig zwei, drei Menschen,

Paul: die einfach so richtig das Thema sehr gut beherrschen beziehungsweise da viel

Paul: Input geben können und dann eben auch Gruppen mobilisieren können,

Paul: Menschen mobilisieren können.

Paul: Dann aber auch, und das versuchen wir von Vorstandsseite eben auch zu motivieren,

Paul: dass wir immer Veranstaltungen machen, wie wir dann Leute zusammenbringen.

Paul: Zum Beispiel demnächst wird es.

Paul: Projektmanagementkurs für interessierte Mitglieder geben, um einfach so ein

Paul: bisschen Tools auch an die Hand zu geben.

Paul: Und so versuchen wir immer wieder Menschen zusammenzubringen,

Paul: auch wenn bestimmte Menge an Neumitgliedern da sind, dass wir einladen,

Paul: hier Neumitglieder und Altmitglieder kommen zusammen.

Paul: Es gibt neben einer Mitgliedergeneralversammlung die Genossenschaft immer einmal

Paul: im Jahr abhalten muss, aber auch Formate, wo wir eben Menschen anders zusammenbringen.

Paul: Im Sommerkino waren wir schon am Rheinauhafen und haben Leute eingeladen,

Paul: dass man sich einfach kennenlernt, dieses Zwischenmenschliche eben auch immer einen Faktor spielt.

Paul: Und wenn wir Projekte sehen, die dann auch in diesen Gruppierungen entstehen, dann,

Paul: Gucken wir vom Vorstandsseite her natürlich auch immer, wie kriegt man das möglicherweise

Paul: wirtschaftlich so hin, dass man die dann auch realisieren kann.

Paul: Das gehört natürlich auch mit dazu, dass entweder sind sie aus sich heraus erlösbringend

Paul: oder man muss halt gucken, wo kriegt man Fördermittel daher,

Paul: wo kriegt man Spenden eingeworben.

Frank: Kannst du mal ein Beispiel machen, was sind das für Projekte zum Beispiel jetzt,

Frank: die da, also bei Solaranlagen auf dem Dach kann ich mir was vorstellen,

Frank: was gibt es noch so, was da entwickelt wird und dann umgesetzt wird von euch?

Paul: Also zum Beispiel Ladeinfrastrukturprojekte für Elektrofahrzeuge sind genauso

Paul: erlösbringende Projekte.

Paul: Da sind wir gerade an verschiedenen Standorten dran, beispielsweise die Kölnbäder,

Paul: mit denen sprechen wir gerade oder auch größere Mehrfamilienhäuser oder ganze Karres,

Paul: also Blöcke,

Paul: wo neue Wärmelösungen platziert werden.

Paul: Das wären auch solche erlösbringenden Projekte.

Paul: Also im Wesentlichen da, wo man Dienstleistung, Energie verkaufen kann,

Paul: dann kriegen wir das auch finanziell ganz gut hin.

Paul: Und damit wollen wir dann eben andere Dinge querfinanzieren, die Geld kosten.

Frank: Was wäre denn das für Sachen? Weil genau, das sind jetzt ja sehr technische,

Frank: sehr produktige Lösungen.

Frank: Du hast gerade davon gesprochen, Bäume zu pflanzen, was erstmal keinen Erlös

Frank: bringt, weil ihr die nicht direkt feilt und wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückspielt.

Frank: Was gibt es da noch für Projekte, die jetzt, sage ich mal, querfinanziert werden

Frank: müssen, die nicht direkt wirtschaftlich arbeiten?

Paul: Wir haben Bildungsprojekte ganz weit vorne.

Paul: Das ist so mein Herzensthema auch, weil ich immer denke,

Paul: wir müssen ganz früh an den Kindern, an den Jugendlichen, da müssen wir eigentlich dieses Lernen von,

Paul: wie nehme ich an der Demokratie teil, wie kann ich hier die Gesellschaft mitgestalten

Paul: oder meine Umgebung mitgestalten.

Paul: Und da haben wir ja jetzt gerade so Projekte, die wir in Vorbereitung haben,

Paul: wo es dann auch darum geht,

Paul: Eben aus dem LehrerInnenbereich Menschen fortzubilden, SchülerInnen-Angebote zu schaffen,

Paul: dass sie gerade auch jetzt in der heutigen Zeit, wo Demokratie auch so ein großes

Paul: Thema ist, auch das mit da reinkommt.

Frank: Das heißt, also wenn ich das richtig verstehe oder dem auch so folge jetzt,

Frank: ich höre immer wieder ganz viel, dass ihr so eine Art Basisarbeit macht.

Frank: Also du erzählst ganz viel, ihr steht irgendwo, kommt in so einen ganz ursprünglichen

Frank: Kontakt mit Leuten auf den Marktplatz, im Kino, irgendwo wird was gebaut.

Frank: Auch jetzt diese Formate direkt sozusagen fast in so einem sozialarbeiterischen Duktus,

Frank: und finde das gerade total schön zu hören, dass eigentlich eine wirtschaftlich

Frank: operierende Organisation,

Frank: eine Genossenschaft, aber eigentlich sich so weit öffnen kann in so einen zivilgesellschaftlichen

Frank: Bereich rein, der eben nicht abhängt von Rendite oder Gewinnerwirtschaftung.

Paul: Das ist glaube ich auch ein zentral wichtiges Thema. Es muss natürlich wirtschaftlich

Paul: funktionieren am Ende, das ist klar.

Paul: Es gibt aber auch viele Menschen, die haben einfach Zeit über und können und

Paul: haben Know-how und können sich einbringen und wollen sich einbringen.

Paul: Das ist das, was so ein bisschen die Genossenschaft auch ausmacht und Menschen,

Paul: die wahrnehmen, okay, wir müssen einfach was machen.

Paul: Wenn man die Zeitung aufschlägt, heute leider nicht mehr so groß das Thema Klimaschutz.

Paul: Aber am Ende, wir sind schon bei so viel...

Paul: Temperatur, Erderwärmung, dass wir eben in Richtung Kipppunkte kommen und das Problem ist ja,

Paul: wir können das dann irgendwann nicht mehr zurückdrehen und wenn man das einmal

Paul: wahrgenommen hat, dann kann man einfach gar nicht mehr anders handeln,

Paul: als irgendwie weitermachen, weitermachen, weitermachen und da möglichst viele

Paul: Menschen mitzunehmen, um das auch zu spüren, dass das eben auch gut ist.

Paul: Dieses positive Geschichten erzählen dazu,

Paul: das ist so wichtig, weil wir hören ganz viele negative Geschichten und ganz

Paul: wenig das hat funktioniert und hat das gebracht,

Paul: super diese super Geschichten die brauchen wir einfach ganz viel im Bereich

Paul: Energie, im Bereich Bildung im Bereich Wirtschaften und so diese ganzen Dinge

Paul: gibt es alles schon und ganz viele,

Paul: Projekte, Perlen liegen da rum und es müsste eigentlich verbunden werden, um zu zeigen, dass,

Paul: Lösungen sind alle da, wir müssen es nur noch machen.

Daniel: Naja, müsst ihr ja nicht, sondern du bist ja jemand, der das wirklich macht.

Daniel: Du gehst ja mit so einem unternehmerischen, das meine ich jetzt ganz positiv,

Daniel: mit einem unternehmerischen Pragmatismus davor und sagst, lieber heute statt morgen.

Daniel: Das finde ich übrigens einen wirklich super Namen, by the way.

Daniel: Wie seid ihr denn da drauf gekommen?

Daniel: Also was war da der, weil da steckt ja schon auch wirklich so ein Pragmatismus drin.

Daniel: Und wenn man dir so zuhört, jeder von uns bräuchte davon so ein bisschen was oder ein bisschen mehr.

Paul: Ja, der Name, die 18 GründerInnen am Anfang mal zusammengesessen und gebrainstormt im Wesentlichen.

Paul: Einfach so komplett random Namen ausgedacht und irgendwann kam dieser Name und

Paul: der hat es dann schnell unter die ersten zwei geschafft und dann war klar, okay, der ist es.

Paul: Einfach ein cooler Name und das kriegen wir auch immer wieder zurück.

Paul: Das stimmt einfach genauso.

Paul: Und diese Bachelorarbeit, von der ich erzählte am Anfang, die haben wir das

Paul: auch als Titel mehr oder weniger genommen.

Paul: Unser Morgen beginnt heute.

Frank: Die beiden Studierenden, mit denen ihr da unterwegs wart.

Paul: Genau.

Paul: Das ist eben genau dieser Punkt. Wir können eben heute, wir müssen heute und

Paul: wir können aber auch heute.

Paul: Und jeder kleine Baustein ist eben wichtig.

Frank: Ich finde auch, du hast einen unglaublichen Optimismus, der mir total gefällt

Frank: und du formulierst auch Sachen, die wir uns so sozusagen auf die Fahne geschrieben haben.

Frank: Nämlich zum Beispiel, dass das eben alles schon da ist und man es jetzt in Anführungszeichen

Frank: nur noch machen müsste, muss.

Daniel: Da geht es schon los.

Frank: Da geht es schon los.

Frank: Und die Frage, die mich total umtreibt, also weil sie mich wirklich auch auf

Frank: eine Art wahnsinnig macht, ist, warum das nicht passiert oder warum es nicht

Frank: mehr passiert, weil ich es einerseits

Frank: im eigenen Erleben, aber auch wenn ich dir zuhöre, diese Geschichten,

Frank: diese kleinen Momente des Gelingens, der Begegnung,

Frank: die sind ja so schön und ich glaube, jeder, der daran beteiligt ist,

Frank: fühlt das auch und trotzdem fühlt,

Frank: Jetzt eine kritische Masse in dem Fall vielleicht noch nicht erreicht.

Frank: Wo siehst du so Hindernisse?

Frank: Also das würde mich mal nochmal interessieren, sowohl jetzt im größeren Bereich,

Frank: vielleicht auf die Stadt bezogen oder insgesamt, aber auch, wo ihr vielleicht

Frank: in der Genossenschaft nochmal sozusagen immer wieder an ähnliche Hindernisse stoßt.

Frank: Du hast gerade gesagt, die 18 Gründerinnen haben zusammengesessen und ich frage

Frank: mich natürlich sofort, wow, 18 Leute, habe ich mir so vorgestellt,

Frank: schon eine große Gruppe, die jetzt brainstormen zusammen. Ich kann es mir auch

Frank: ganz schrecklich vorstellen.

Frank: Was habt ihr da so für Methoden, dass es gelingt oder wo merkt ihr immer wieder,

Frank: hier gibt es einen enormen Reibungsverlust?

Paul: Also am Anfang wollten wir nur mit elf gründen, weil in Köln wird ja alles mit elf gemacht.

Daniel: Richtig.

Paul: Aber dann merkt man schnell, okay und da ist noch ein Mensch,

Paul: der möchte auch mitmachen und da ist noch einer und den können wir nicht mitnehmen.

Paul: Und naja, dann waren wir 18. Aber das war ein sehr.

Paul: Respektvoll miteinander umgehende Menschen, die gute Energie haben und dann

Paul: hat das im größeren Gespräch, ich meine, wir haben auch Online-Formate gehabt,

Paul: wo wir dann okay, dann tragt einfach mal in die Tabelle eure Ideen ein und dann

Paul: Voting und Kreuzchen machen und so.

Paul: Also wir versuchen da eben von analogen Formaten bis zu digitalen Formaten alles

Paul: zu nutzen, was wir zur Verfügung haben.

Paul: Aber dieses auch sich ständig,

Paul: verändern und erneuern, ist natürlich auch immer ein Teil des Prozesses,

Paul: den zum Beispiel Menschen, die in der Klimaschutz, erneuerbaren Energiewelt schon länger arbeiten.

Paul: Jedes Jahr kommt ein neues Gesetz raus, jedes Jahr ist irgendeine neue Technologie

Paul: am Start, jedes Jahr verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Paul: Man muss sich jedes Jahr neu erfinden.

Paul: Das ist schon quasi in der DNA eines Menschen, der in diesem Bereich arbeitet,

Paul: der weiß, es gibt nichts, was kontinuierlich gleich bleibt.

Paul: Und diese Veränderung ist ja eine Sache, die Menschen nicht so leicht fällt einfach.

Paul: Und da aber dann auch zu lernen, zu sagen, ja, das macht mir ein bisschen Angst,

Paul: da muss ich über meine Grenzen hinausgehen.

Paul: Aber wenn man das dann ein, zwei, dreimal geschafft hat und merkt,

Paul: hey, haben wir hingekriegt, geht und fühlt sich gut an, was wir jetzt danach haben,

Paul: Das auch zu transportieren, das ist, glaube ich, auch ein wichtiges Element.

Daniel: Und warum ist sozusagen deiner Meinung nach dann so ein ja schon älteres Konzept

Daniel: wie die Genossenschaft genau dafür das Richtige, für sozusagen diese Herausforderung unserer Zeit?

Paul: Also die drei Grunddinge von einer Genossenschaft sind erstmal,

Paul: es gibt ein inhaltliches Ziel.

Paul: Es gibt ja Genossenschaften in tausend Bereichen.

Paul: Winzergenossenschaft, Landwirtschaftsgenossenschaft, Molgereigenossenschaft,

Paul: Energiegenossenschaft. Kann man ganz, ganz, ganz viele.

Paul: Und alle haben eben ein inhaltliches Ziel, warum sich da Menschen zusammentun.

Paul: Denn alleine kriegen sie eine Sache nicht hin.

Paul: Zusammen ist man einfach stärker. Das ist das zweite Grundprinzip.

Paul: Und das dritte ist, es ist basisdemokratisch.

Paul: Wenn ich eine AG oder eine GmbH habe, dann habe ich einen Anteil an diesem Unternehmen

Paul: und habe dann auch Stimmrechte entsprechend dieses Anteiles.

Paul: Wenn ich also viele habe, habe ich viele Rechte.

Paul: Bei der Genossenschaft ist es, ob ich einen oder tausend Anteil habe,

Paul: ich habe trotzdem nur eine Stimme.

Paul: Und das ist, glaube ich, von daher eine sehr gute Form, wo die Leute das Gefühl

Paul: haben, okay, ich werde hier als Einzelperson wahrgenommen und wertgeschätzt in meinem Tun.

Paul: Gerade dieses, ein im Wesentlichen überschaubarer Kreis an Mitgliedern,

Paul: wo man sich auch durchaus kennt,

Paul: das ist glaube ich ein ganz wichtiges Element, dass es eher von Mensch zu Mensch

Paul: ist und nicht so ein unnahbares Ding.

Frank: Das heißt, diese Kreise sind im Prinzip eure Methode,

Frank: dieses Nahfeld beizubehalten, zu sagen, das ist irgendwie eine überschaubare

Frank: Gruppe von Leuten, mit denen ich wirklich von Angesicht zu Angesicht arbeiten

Frank: kann, direkt auch eine Resonanz bekomme, diese zwischenmenschliche Erfahrung,

Frank: die du vorhin auch geschildert hast, mache und gleichzeitig,

Frank: weil du dir auch gewünscht hast, schon 10.000 Mitglieder zu haben,

Frank: da wird es ja eben dann irgendwann so unüberschaubar.

Frank: Und jetzt hast du gerade die politische Situation angesprochen,

Frank: in der es eher gerade, wie wir alle wissen, irgendwie darauf hinausläuft,

Frank: dass eine gesellschaftliche Spaltung entsteht.

Frank: Da ist, dass auch sich irgendwie scheinbar wieder gewünscht wird,

Frank: mit der starken Hand regiert zu werden oder das mit der starken Hand regiert

Frank: wird, weil möglicherweise als Empfindung auf Multikrise das Gefühl da ist,

Frank: nee, wenn einer das entscheidet,

Frank: dann geht es aber irgendwie schneller, dann geht es voran.

Frank: Wir brauchen jetzt hier den Entscheider, den Macher, den starken Mann.

Frank: Das sind natürlich auch immer Männer.

Frank: Und du sagst jetzt aber, nee, zusammen ist man stärker und Basisdemokratie.

Frank: Das ist ja sozusagen die Antithese zu dem, was man in der Zeitung gerade liest.

Frank: Und das finde ich sehr überraschend und erfrischend, dass ihr da sagt,

Frank: nee, wir müssen hier was machen. Da kommt ihr her.

Frank: Wer macht's denn? Ja, wir. Und das ist die Methode.

Frank: Zusammen und basisdemokratisch. Warum funktioniert das? Warum ist das schneller?

Frank: Warum funktioniert das nachhaltiger?

Paul: Erstens ist mein Eindruck, dass je höher man in der politischen Ebene geht,

Paul: umso weiter entfernt sind die von den Menschen und von deren Bedürfnissen,

Paul: von deren Gefühlen und von der Kommunikation mit den Menschen.

Paul: Und man wünscht sich natürlich immer auf oberster Ebene irgendwie Einfluss zu

Paul: haben um möglichst viel zu steuern aber je höher da Menschen hinrutschen umso

Paul: weiter sind sie immer entfernt ist so mein Eindruck.

Paul: Deshalb in vielen Diskussionen mit Menschen,

Paul: Freunden, mit Bekannten aus dem Umfeld sind wir immer mehr dazu gekommen,

Paul: dass die einzige Chance wirklich wirksam zu werden ist auf lokaler, regionaler Ebene.

Paul: Weil man da eben von Mensch zu Mensch noch Dinge zeigen kann und erfahrbar machen kann.

Paul: Und dieses erfahrbar machen und spüren, da funktioniert was,

Paul: das ist glaube ich ein wesentliches Element von diesem Modell,

Paul: was wir versuchen zu implementieren.

Paul: Wir haben hier eine Millionenstadt Köln ist natürlich eine andere Herausforderung,

Paul: als wenn ich jetzt aufs Dorf gehe, wo es viele Genossenschaften gibt,

Paul: wo der Sportvereinsvorstand und die Schulleiterin und so sich alle kennen.

Paul: Und dann wird das mal eben besprochen sozusagen. Hier haben wir eben ein ganz anderes System.

Paul: Aber trotzdem, und da muss ich natürlich nochmal Köln hervorheben,

Paul: wenn nicht hier, wo dann.

Paul: Weil hier einfach diese emotionale Bindung und das Gefühl an diese Stadt einfach besonders ist.

Paul: Und da dieses...

Paul: Sprech mit jedem Menschen im Supermarkt und irgendwie man kommuniziert in anderer

Paul: Form. Das ist einfach der Hammer.

Paul: Das habe ich noch nicht woanders so erlebt und deshalb ist mein Traum,

Paul: wir schaffen das hier in Köln in den Fädeln, in den Stadtvierteln und übertragen

Paul: das dann langsam in die gesamte Stadt und dann ins Land und dann die Welt.

Daniel: Das Kölner Modell.

Frank: Bist du Kölner?

Paul: Nee.

Daniel: Keiner von uns hier am Tisch ist Kölner.

Paul: Ich komme aus Hannover und habe in Berlin studiert und bin dann irgendwann ins Rheinland gekommen.

Daniel: Ich komme aus Süddeutschland und habe das genau auch festgestellt,

Daniel: dass man irgendwie hier im Supermarkt ganz schnell mit Menschen ins Gespräch kommt.

Daniel: Und am Anfang ist man erstmal so ein bisschen, was willst du denn?

Daniel: Und nach einer Woche ist es vorbei. Denn ich liebe diese Stadt auch.

Daniel: Du willst das Kölner Modell sozusagen skalieren.

Frank: Ja, das ist ja sehr schön, also wir hatten ja gerade den Karneval,

Frank: also wir nehmen es jetzt ja am,

Frank: Donnerstag nach Aschermittwoch auf also gestern war der Karneval zu Ende und

Frank: das ist ja, also ich finde das auch, ich komme auch aus Norddeutschland,

Frank: ich war auch lange in Berlin und,

Frank: dieses Erleben, was du auch vorhin schon geschildert hast, dass die Leute eben

Frank: dann sich doch auch die Zeit nehmen, stehen bleiben, miteinander ein Schwätzchen

Frank: halten, Das ist ja eine super Basis.

Frank: Und ich finde die, zu dem, was du gerade noch gesagt hast, einfach nur noch

Frank: so einen Gedanken reinzugeben,

Frank: diese Beteiligung auf den lokalen Strukturen, weil ich ja auch häufig das Gefühl

Frank: habe, die Menschen vor Ort sind ja auch auf eine Art irgendwie die Experten für ihren Ort.

Frank: Also das ist, glaube ich, nicht zu unterschätzen, was da in den lokalen Strukturen

Frank: für ein Wissen, genau um den Bedarf, um die Bedürfnisse, aber auch um die Expertise,

Frank: die Fähigkeiten und die Besonderheiten von solchen Ordnern ist.

Paul: Total. Also deshalb, selbst in so einer Stadt, Politik sieht man ja auch, du hast den Stadtrat,

Paul: dann hast du aber auch in den ganzen Bezirken auch Bezirksräte und da passiert

Paul: letztlich diesen ganz nah dran an den BürgerInnen und der Stadtrat ist schon

Paul: wieder ein bisschen weiter oben und da ist natürlich Chef von der Verwaltung

Paul: der Oberbürgermeister.

Paul: Aber das ist eben genau das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen.

Paul: Und so ein bisschen die Stunde der Quartiere ist es eigentlich gerade oder die Stunde der Veedel.

Paul: Dieses Mitmenschliche, das Menschenpotenzial zu heben und alle das spüren zu lassen.

Paul: Das ist glaube ich die große Challenge, die große Herausforderung.

Daniel: Die große Herausforderung, ja. gab es für dich ähm,

Daniel: Also du hast da 13 Jahre, 14, 15, wie lange hast du Erfahrung als sozusagen

Daniel: Unternehmer in Bezug auf erneuerbare Energien? Das ist ja schon eine ganze Zeit, ne?

Paul: 2009 das erste Unternehmen gegründet.

Daniel: 2009? Also schon. Sogar 17 Jahre. Das war aber noch keine Genossenschaft.

Paul: Das war noch eine normale GmbH.

Daniel: Das war noch eine normale GmbH. Ich will da nochmal sozusagen drauf zurückkommen.

Daniel: Gab es für dich so einen Moment, so einen Kipppunkt, wo du gesagt hast,

Daniel: du musst jetzt was anderes ausprobieren?

Daniel: Hatte das was mit Selbstwirksamkeit zu tun?

Paul: Also ich habe immer das Gefühl gehabt, ich tue was ich will,

Paul: ich sage in Anführungsstrichen, also ich kann zumindest in den Bereichen wirksam

Paul: werden, wo ich gerne Dinge tun möchte.

Paul: Das schon, aber es war dann irgendwann, da hat mir ein Hauptgesellschafter in

Paul: der ersten Firma, das klappte nicht mehr so gut und dann gesagt,

Paul: okay, nee, da werde ich zu stark gesteuert, ich will lieber selbst machen.

Paul: Und dann eben diese Genossenschaft kennengelernt und da eine Tochterfirma gegründet,

Paul: die dann, wo wir dann am Anfang,

Paul: waren wir weniger als 300 Mitglieder und am Ende waren es dann 3000 und dann

Paul: waren wir am Ende 70 Menschen, die einfach da gearbeitet haben, viele junge Leute,

Paul: für die das einfach so Familie war und dieser Geist, dass wir machen hier was,

Paul: wir können ja was zusammen machen.

Paul: Das war ein großartiges Erlebnis und.

Paul: Da war ich aber eben nicht Teil der Genossenschaft in dem Sinne,

Paul: im Vorstand oder sowas, sondern eben von einer Tochterfirma und irgendwann dann gemerkt,

Paul: okay, wir brauchen eine Genossenschaft, die mehr ist als jetzt eine,

Paul: die vielleicht nur Solaranlagen baut und die 3000 Mitglieder gar nicht so richtig

Paul: involviert, weil das ist ja mega Potenzial. Vielen Dank.

Paul: Und für die war das eher, lieber nicht zu viel mit den Mitgliedern zu tun haben,

Paul: Das wollten wir eben anders machen, weil das für mich eben der Schlüssel ist zu der Lösung.

Daniel: Es hat für dich immer eine ganz starke emotionale Komponente auch.

Daniel: Du redest immer davon Menschen, gerade auch wieder, es war so ein familiäres Gefühl.

Daniel: Wir hatten bei uns in Diskussionen, es gibt ja diesen Satz, flood the zone with shit.

Daniel: Wir haben immer gesagt, wir müssen eigentlich genau das Gegenteil tun,

Daniel: flood the zone with love.

Paul: Yeah. Ja.

Daniel: Als Top-Boss taucht das bei dir ja immer wieder auf.

Paul: Total. Weil aus der Ratio allein geschehen keine Entscheidungen oder passieren

Paul: wenig Dinge, ist mein Eindruck.

Paul: Wenn man jetzt sieht, die Ministerin Reiche, Ministerin für Wirtschaft und Energie,

Paul: die macht da Dinge, wo ich nur denke,

Paul: Die ganzen Wissenschaftler haben doch alles schon zehnmal in tausend Studien

Paul: dir erzählt und aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten dürftest du jetzt gar keine

Paul: Gaskraftwerke bauen wollen, weil das ist viel teurer als das,

Paul: was wir mit umweltfreundlichen Energieformen jetzt schon machen können.

Paul: Da ist erstens eine Emotionalität in solchen Entscheidungen.

Paul: Das sieht man ja auch bei Trump.

Paul: Wenn er irgendwie aufwacht mit dem linken Fuß, dann sagt er,

Paul: das machen wir heute mal das und so.

Paul: Und das ist schon so ein reales Ding und das ist alles super.

Paul: Deshalb müssen wir einfach die Emotionen irgendwie ein bisschen mehr einbinden

Paul: und verständlich machen, warum vielleicht Entscheidungen, also am Ende muss

Paul: der Kopf doch wieder auch mit dahin, aber das passiert immer übers Herz.

Paul: Wenn dem Menschen nicht klargemacht wird, warum das gut für dich ist,

Paul: dann funktioniert es am Ende auch nicht.

Paul: Und ich glaube, das ist einfach wichtig.

Frank: Total.

Paul: Und deshalb vielleicht nochmal den Bogen zurück zu...

Paul: Zu diesen Bildern oder dem Klimaschutzplan 2035, das ist am Ende ja ein großes

Paul: Bild, was da steht, aber wie, was für Bilder brauchen wir, damit,

Paul: wir erfolgreich werden am Ende, damit wir eine lebenswerte Zukunft für uns alle haben.

Paul: Ich meine, wir haben ja die tausend Katastrophen, Ahrtalüberschwemmung,

Paul: Waldbrände überall etc.

Paul: Also das ist ja alles da.

Daniel: Dystopie, Dystopie, Dystopie, Dystopie.

Paul: Und wenn ihr zum Beispiel einfach mal die Augen zumacht und euch überlegt,

Paul: okay, stellt euch mal innere Kanalstraße, also zweimal dreispurig befahrene,

Paul: große Straße, Neusser Straße vor Megakreuzung.

Paul: Wenn ihr da steht als Fußgänger, macht mal die Augen zu und stellt euch vor,

Paul: wie müsste es sich anfühlen, dass ich hier gerne stehe?

Paul: Und solche Bilder zu erzeugen und dann aber auch zu überlegen,

Paul: okay, wie komme ich denn da jetzt hin?

Frank: Genau, das finde ich einen totalen Schlüssel, weil, also lustig,

Frank: dass du die Neusterstraße ansprichst.

Frank: Ich bin da auch sehr oft und das ist wirklich der Horror für die, die das nicht kennen.

Frank: Das ist eine große Ausfallstraße aus Köln raus, die aber mitten durch sehr belebte

Frank: Stadtteile geht, so eine zentrale Einkaufsstraße ist.

Frank: Und da wird eben, also es ist viel Verkehr und eben wird auch viel geparkt und

Frank: die Gehwege sind sehr schmal, wie überall in Köln. und die Leute drängeln sich,

Frank: man kriegt so einen physischen Stress, wenn man da dann zum Einkaufen noch schnell hingeht.

Frank: Und ich denke mal, wie schön wäre das, wenn hier einfach der doppelte Platz

Frank: wäre, weil diese Autos da nicht parken würden.

Frank: Und jetzt hast du gerade über die Emotionen gesprochen.

Frank: Die Menschen kriegen ja wirklich sofort Stress, wenn man sowas mal adressiert.

Frank: Also dieses Dahinkommen, wie schön dieses Bild sein könnte oder wie es sich

Frank: anfühlen könnte, müsste, damit man sich dort wohlfühlt. Und da kommen die Leute

Frank: schon gar nicht mehr hin, weil sofort gesagt wird, naja, wenn jetzt hier ich

Frank: nicht mehr hin kann, wo soll ich denn parken?

Frank: Jeder, der hier schon mal einen Parkplatz gesucht hat, weiß,

Frank: das ist der totale Horror.

Frank: Also das ist wirklich stressend. Und die Menschen haben Angst,

Frank: dass dann keine Kunden mehr in ihre Geschirke, also es ist alles zwar absurd,

Frank: aber es ist eine große Emotion, die da so als Verhinderungs- und sehr,

Frank: also für viel Empörung sorgt.

Frank: Und genauso wichtig, glaube ich, wie es dann ist, eben solche positiven Emotionen

Frank: zu wecken, habe ich aber auch nochmal die Frage, weil die Genossenschaft als

Frank: Unternehmensform ist ja sehr wenig bekannt.

Frank: Ich habe im Vorfeld gelesen, nur 9% der Deutschen fühlen sich irgendwie halbwegs informiert darüber.

Frank: Welche negativen Emotionen kommen euch denn da so vielleicht in die Quere auch?

Frank: Also Genossenschaft, da schwingt irgendwas mit. Und habt ihr damit irgendwie zu kämpfen?

Frank: Müsst ihr da erst viel Arbeit reinstecken, um das abzuräumen,

Frank: bevor man überhaupt dahin kommt, was da eigentlich alles schön und gut und funktionierend dran ist?

Paul: Also das Erste, was häufig so rüberkommt, ist irgendwie Oldschool, eher so Altbacken.

Daniel: DDR.

Paul: Ja, nicht Osten, weil da gibt es die Genossenschaften, glaube ich,

Paul: gar nicht so in dem Maße oder in dem System Sozialismus.

Frank: Doch, doch, die ganze Landwirtschaft war ja genossenschaftlich organisiert.

Paul: War das alles?

Frank: Ja, diese LPGs und ich glaube, das ist eben… Stimmt.

Paul: Waren alles Genossenschaften.

Frank: Genau, also auch der Genosse an sich ist ja ein sozusagen zumindest sozialistisch

Frank: aufgeladener Kampfbegriff irgendwie.

Frank: Steht euch das im Wehen? Also habt ihr da irgendwie das Gefühl,

Frank: dass man euch da so als dann in eine Schublade tut oder die Linken oder irgendwie sowas?

Paul: Das eigentlich gar nicht. Also dieses Thema, dass wir Sozialisten sind, das gar nicht.

Paul: Was die Leute für Genossenschaften kennen, sind vielleicht Volksbanken,

Paul: Raiffeisenbanken und das wirkt eher so, alles war schon immer da, ist alt.

Paul: Aber diese Vielfalt an Genossenschaften, die es eben gibt, die kennen die meisten Leute nicht.

Paul: Also zum Beispiel das schönste oder präsent oder sehr, sehr,

Paul: sehr präsentables Beispiel ist zum Beispiel St. Pauli.

Paul: Der Fußballverein ist eine Genossenschaft.

Paul: Die haben das bewusst so gewählt, die haben ihr Stadion auch gekauft und das

Paul: ist genossenschaftlich alles.

Paul: Das heißt, du bist nicht nur der mit der Dauerkarte und Mitglied in dem Sinne,

Paul: sondern du bist wirklich auch Mitglied als Mitbestimmer von dem Fußballverein.

Paul: Wohnungsgenossenschaften gibt es natürlich auch schon lange,

Paul: haben aber auch den Vorteil, dass da einfach von den Mieten her das meistens

Paul: wesentlich gemäßigter ist, als das im normalen kommerziellen Immobilienwirtschaft passiert.

Paul: Und es gibt eben auch ganz moderne Genossenschaften, also diese ganze Energiegenossenschaften

Paul: gibt es eigentlich erst seit 2010. Da gab es eine große Welle von Gründungen

Paul: und von daher relativ modern.

Paul: Auch mit der Motivation zusammen können wir irgendwie mehr hinkriegen.

Paul: Und vielleicht auch die Renditeanforderungen sind am Ende nicht so hoch wie

Paul: bei einer Aktiengesellschaft oder sowas, weil sie nicht wirtschaftlich getrieben

Paul: sind, sondern zielorientiert.

Paul: Und das,

Paul: Von daher, dass wir dann vielleicht in die linksgrün versiffte Ecke gesteckt

Paul: werden, liegt vielleicht dann daran, weil es einfach Themen sind,

Paul: die mehr die Grünen natürlich schon immer bespielt haben.

Paul: Aber wir haben CDU-Mitglieder als Mitglied bei uns, wir haben also eine bunte Couleur.

Frank: Ja, es ist ja auch interessant, weil wir festgestellt haben,

Frank: letztes Jahr, 2025, hat die UN das Jahr der Genossenschaften ausgerufen.

Frank: Das ist komplett an mir vorbeigegangen und ich finde es aber bemerkenswert, weil es steht ja für was.

Frank: Es zeigt ja irgendwie, dass da eine Wichtigkeit erkannt wird für so ein Prinzip.

Frank: Und wenn man dann die Zahlen sich anguckt, also es scheint eben gerade einen

Frank: strahlen Boom zu geben auch, was Genossenschaften angeht.

Frank: Was ist denn so das Zukünftige an Genossenschaften, wo du einfach sagst,

Frank: das ist ein Modell, was weiterträgt als vielleicht bisherige Formate?

Paul: Ich denke, das Teilen ist ganz wichtig und das Mitgestaltungsmöglichkeit, die ich da habe.

Paul: Es gibt zum Beispiel ein Format Geno Digital,

Paul: das Berliner Organisationen, die laden immer Genossenschaften ein,

Paul: einmal oder ein, zwei, dreimal zu Barcamps irgendwo hinzukommen an den Ort.

Paul: Und das sind eben ganz unterschiedliche Genossenschaften, die da hinkommen und

Paul: kommt man zusammen und merkt so, okay man hat gemeinsame Themen und es ist ein super Austausch, weil,

Paul: kein Wettbewerb so richtig da herrscht. Und das ist das Schöne,

Paul: dass nicht immer diese ganze Euro-Fokussiertheit als erstes ganz oben steht,

Paul: sondern einfach immer das jeweilige Ziel der Genossenschaft.

Paul: Ich meine, im Neudeutschen wird ja gerne auch der Begriff Purpose,

Paul: dafür genutzt, dass man eben irgendwo auch eine, und das sehe ich bei vielen

Paul: jungen Menschen, die wollen eine Sache, die wollen keinen Job,

Paul: um einfach reich zu werden, um Geld zu verdienen und ein Haus zu bauen,

Paul: sondern die wollen auch irgendwo eine Sinnhaftigkeit in ihrem Tun haben.

Paul: Und das bedienen Genossenschaften in der Regel einfach besser als andere.

Frank: Was würdest du sagen, also hast du es jetzt zweimal gesagt, dass es im Prinzip

Frank: so eine Abwesenheit von Wettbewerb gibt.

Frank: Was macht das möglich, dass es den nicht gibt oder zumindest sehr reduziert?

Paul: Es macht möglich, dass ich erstmal die klassischen Konkurrenzthemen einfach

Paul: gar nicht habe, das liegt natürlich auch häufig daran, dass ich eine regionale Begrenzung habe.

Paul: Das heißt, es ist bewusst auch so organisiert, dass es diesen Wettbewerb gar nicht so gibt.

Paul: Also hier in Köln zum Beispiel gibt es dann eben die Bürgerenergie Rhein-Sieg,

Paul: es gibt die Bergisch-Gladbacher Bürgerenergie, es gibt die,

Paul: in Kerpen und in Aachen und so und wir treffen uns alle drei Monate,

Paul: vier Monate und tauschen uns aus und lernen voneinander.

Paul: Und dieses Lernen ist natürlich auch ein Beschleuniger.

Frank: Jetzt würde man aber ja sagen, oder,

Frank: Könnte man ja entgegnen, Wettbewerb stärkt die Innovationskraft,

Frank: genau dadurch entsteht Leistung, dadurch kommt man voran.

Paul: Die unterschiedlichen Genossenschaften haben eben aufgrund vielleicht der Menschen,

Paul: die da drin arbeiten oder aufgrund der regionalen Gegebenheiten,

Paul: haben sie bestimmte Sorten von Projekten da schon gemacht,

Paul: die vielleicht hier in Köln noch nicht gemacht wurden.

Paul: Und der Austausch, also die Innovation entsteht letztlich darüber,

Paul: dass man sich einfach ganz offen darüber austauscht und dann sagt,

Paul: ja gut, wenn das da funktioniert, dann könnte es ja auch hier funktionieren.

Paul: Und wie habt ihr das gemacht?

Paul: Und dann ist das letztlich auch ein Innovator.

Daniel: Innovation durch Partizipation und Austausch, sozusagen nicht durch den Wettbewerb.

Daniel: Auf jeden Fall ein spannendes Prinzip.

Paul: Es geht natürlich auch darum, dass Innovation im Sinne von ganz neue Dinge machen oder erfinden,

Paul: das passiert in der Regel nicht unbedingt in Genossenschaften,

Paul: weil die müssen natürlich erstmal auch wirtschaftlich so arbeiten,

Paul: dass da was überbleibt und deshalb basierend mehr auf Systemen, die funktionieren.

Paul: Aber dadurch, dass die Renditeerwartungen nicht ganz so hoch sind,

Paul: vielleicht auch mal Sachen machen, die andere nicht machen.

Paul: Und insofern dann wieder innovieren auch.

Daniel: Was brauche ich denn, um eine zu gründen?

Daniel: Wie mache ich das? Also ganz praktisch. Wenn es zu Hause am Radiogerät jemand sitzt.

Frank: Wo wir halt so gehört haben.

Daniel: Er sitzt am Radiogerät und überlegt sich, weil er am Radiogerät sitzt und so

Daniel: alt ist, wie gründe ich da denn jetzt so eine Genossenschaft?

Paul: Also man braucht eine Minimumanzahl an Vorständen und Aufsichtsräten,

Paul: Also zwei Vorstände, drei Aufsichtsräte.

Paul: Aufsichtsräte ist das Kontrollorgan, Vorstände quasi Geschäftsführung und dann

Paul: noch ein paar Mitglieder.

Paul: So, das ist Mitgliederversammlung, das sind die drei Organe letztlich der Genossenschaft

Paul: und man braucht einen Genossenschaftsverband,

Paul: wo man Mitglied wird als Genossenschaft, der kontrolliert dann noch zusätzlich.

Paul: Dann braucht man eine Satzung, wie jedes Unternehmen und fertig.

Paul: Dieser Gründungsprozess geht dadurch, dass der Verband das auch nochmal checken

Paul: muss. Alles dauert in der Regel länger.

Paul: Also ich sage mal ein halbes Jahr braucht man für so einen Gründungsprozess

Paul: im Gegensatz zu einer GmbH, wo man einmal zum Notar geht.

Paul: In zwei Wochen ist man in Gründung und dann kann man schon handeln.

Paul: Nach vier Wochen ist es dann eine echte GmbH.

Paul: Aber so wäre der Aufwand. Man muss ja auch immer die ganzen Mitglieder verwalten.

Paul: Das heißt, je mehr Mitglieder, umso mehr IT-Systematik braucht man, um eben auch alles...

Paul: Regelkonform abzudecken.

Daniel: Ja, natürlich. Regelkonform muss es natürlich am Ende auf jeden Fall sein.

Frank: Das wird ja jetzt einfacher für euch wahrscheinlich. Also dieser Verwaltungsaufwand

Frank: ist ja was, was gerade abgeräumt wird.

Paul: Also seit letztem Januar, also 1.1.

Paul: 2025 gibt es auch die Möglichkeit, digital Mitglied zu werden.

Paul: Vorher musste man wirklich immer ein echt unterschriebenes Papier per Brief

Paul: im Briefkasten und dann zack. Ja,

Paul: wir haben gerade über die Hindernisse und Hürden gesprochen.

Paul: Genau, aber das ist jetzt alles digital möglich, also das ist alles easy,

Paul: könnt ihr einfach QR-Code abscannen, zack und Mitglied werden.

Daniel: Jetzt sitzen wir heute ja eigentlich nicht zusammen, um über die Gründungsmodalitäten

Daniel: von Genossenschaften zu sprechen, sondern ich weiß nicht, ob es zu früh ist oder zu spät.

Daniel: Ich finde es gut. Genau im richtigen Moment.

Frank: Das ist ja vor allem auch eine Zeitmaschine, die es kann ja gar nicht zu früh oder zu spät sein.

Daniel: Wir sind ja hier beim Best-Case-Szenario. Das heißt, uns zeichnet ja aus, dass wir,

Daniel: sehr viel Innovation im Podcast haben, weil wir eine Zeitmaschine haben.

Daniel: Und die ist einfach auf den Knopfdruck aktivierbar und die katapultiert uns

Daniel: dann 25 Jahre in die Zukunft und dann steigen wir gleich, wenn wir in der Zukunft

Daniel: sind, gemeinsam aus, gucken mal da raus, wie es da aussieht und dann treffen wir uns da wieder.

Frank: Ich würde allerdings kurz nochmal den Frank fragen wollen, weil wir ja tatsächlich,

Frank: 25 Jahre ist ein gutes Zeitfenster, aber jetzt gibt es ja diese 2035. Wo willst du denn hin?

Frank: 25 Jahre in die Zukunft oder lieber tatsächlich an den Punkt,

Frank: wo die Klimaneutralität in Köln dann ja scheinbar erreicht ist?

Paul: Ich möchte gerne an beide Orte, sag ich mal so.

Daniel: Wir sprechen zweimal.

Paul: Ich meine, das Schöne ist ja,

Paul: wenn wir uns einmal umschauen und haben natürlich gerade ein sehr prominentes

Paul: Beispiel mit Paris und der Bürgermeisterin, die jetzt das zweite Mal gewählt

Paul: worden ist und Wenn man Paris ein bisschen kennt und sieht, auf einmal wird der Rathausplatz da,

Paul: die Platten weggemacht und da einen Wald gepflanzt und denkst du,

Paul: wie crazy ist das denn und wie geil ist das.

Paul: Aber das gibt es ja schon in vielen, vielen Städten in Europa,

Paul: auf der Welt schon auch in solcher Art und Form.

Paul: Und das zeigt einfach nur, du brauchst eben manchmal diese Menschen,

Paul: die da oben irgendwo sind,

Paul: die sagen, ja das ist der richtige Weg und wir können das doch alles,

Paul: es ist alles super und die Menschen dann auf einmal entdecken wie cool ist das

Paul: denn, ich kann jetzt hier mit dem Fahrrad an der Szene langfahren und es ist

Paul: einfach geil oder in Kopenhagen,

Paul: in Holland sowieso sind mehr Fahrräder als Autos und es ist viel besser mit

Paul: dem Fahrrad zu fahren und das ÖPNV-System funktioniert und so,

Paul: Also von daher, das 2035 sind nur noch neun Jahre, aber die ganzen Lösungen sind alle machbar.

Daniel: Wollen wir mal hin?

Frank: Wohin zuerst?

Paul: 35? 35.

Daniel: Drückt mal hier drauf.

Paul: Den roten Knopf.

Daniel: Den roten Knopf.

Paul: Krass.

Daniel: Da sind wir in der Zukunft. Und wir haben ja gesagt, wir fliegen,

Daniel: fahren, gehen, beamen uns erstmal neun Jahre in die Zukunft.

Daniel: Also wir sind jetzt 2035.

Frank: Was siehst du, wenn du aus dem Fenster schaust?

Paul: Ich habe dazu meinen Sohn gestern befragt.

Daniel: Oh, das ist schön.

Paul: Der ist 26.

Daniel: Oh, der ist alt.

Paul: Ja.

Frank: Ja, jetzt ist er aber auch nicht 26, weil jetzt ist er ja 35.

Paul: Jetzt ist er 35.

Paul: Und habe ich gefragt, was siehst du denn heute so? Heute 20,

Paul: 35, wie sieht die Welt für dich aus?

Paul: Was ist für dich wichtig? Wie fühlt sich das an, in dieser Welt zu leben?

Paul: Und das eine, was er gesagt hat, war zum Beispiel viel weniger Autos,

Paul: viel mehr Platz für Gehwege, Fahrräder, bessere ÖPNV, wenig Individualverkehr,

Paul: Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum, mehr Bänke, mehr Pflanzen, weniger Stein,

Paul: bessere Aufenthaltsqualität einfach.

Paul: Mehr Menschen auch auf den Straßen gefühlt oder in den öffentlichen Orten als ein Thema.

Paul: Das andere war, was er gesagt hat, es gibt mehr Austausch untereinander.

Paul: Die Menschen sprechen irgendwie mehr miteinander, es gibt mehr Interaktion,

Paul: es gibt mehr Unterstützung von Mensch zu Mensch und es gibt mehr selbstbestimmtes Handeln.

Paul: Das waren so für ihn die großen Themen.

Paul: Als kleinen Ausflug, was eine andere Generation als ich vielleicht denke.

Paul: Ich selbst jetzt gerade sehe, ist dieses Wunderbare, ich halte mich gern in

Paul: öffentlichen Räumen auf.

Paul: Ich habe einfach so ein Wohlfühlgefühl, draußen zu sein und zu wandeln, Menschen zu treffen.

Paul: Es treffen sich viele Menschen, genau dieser Austausch ist viel stärker da.

Paul: Im Sommer hat man das vielleicht heute noch stärker, als das auch ganz früher

Paul: war, sag ich mal, vor neun Jahren, aber...

Paul: Jetzt ist es so normal, dass die Leute mehr im öffentlichen Raum sind. Das ist das eine.

Frank: Wie kommt es zustande, dass du dich jetzt gerade hier im Jahr 2035 so gerne draußen aufhältst?

Paul: Die Offenhaltsqualität hat sich verändert. Ich erinnere mich zum Beispiel vor 12,

Paul: 13 Jahren oder sowas, da wurde ja in Köln am Rheinufer auf der Schälsig die

Paul: große Rheintreppe gebaut.

Paul: Vorher war das so ein Promenade, aber man konnte sich da nicht irgendwie aufhalten.

Paul: Und dann war diese Rheintreppe da und auf einmal saßen die Menschen einfach

Paul: da und guckten und waren da. Es war ein Aufenthaltsort geschaffen,

Paul: auch wenn der nicht sehr grün war, sondern einfach Beton.

Paul: Aber es war ein Ort geschaffen worden, wo Menschen sagen, oh, ist cool hier zu sitzen.

Paul: Ich kann mir den Sonnenuntergang angucken, ich kann mir ein Picknick mitbringen

Paul: und es ist einfach ein schöner Ort.

Paul: Und dieses schöne Orte schaffen, das ist uns einfach gelungen jetzt in 2035 eben auch zu schaffen.

Paul: Und diese Aufenthaltsqualität hat viel mit der veränderten Mobilität zu tun.

Paul: Es ist viel ruhiger die Stadt geworden.

Paul: Es fühlt sich insgesamt ab.

Paul: Frischer und trotzdem auch irgendwie wärmer an, weil mehr Pflanzen da sind,

Paul: weil mehr schöne Orte einfach da sind.

Paul: Ich glaube, Schönheit trägt bei dazu, dass Menschen sich einfach wohlfühlen.

Daniel: Wie hat sich denn eines deiner Hauptthemen Energiewende, wie sieht es denn da

Daniel: aus 20, 35, wenn man irgendwie da drauf guckt, also jetzt mal unabhängig von Aufenthaltsqualität,

Daniel: was sehen wir da?

Paul: Also im Bereich Strom ist das Ganze sehr schnell so weit gegangen,

Paul: dass wir inzwischen heute 100% Strom aus erneuerbaren Energiequellen haben.

Paul: Viel günstiger als das vor 10, 15, 20 Jahren das Energiesystem überhaupt bereitstellen

Paul: konnten. Wir haben einfach eine Kontinuität in der Zukunft, die Ressourcen nicht bezahlen zu müssen.

Paul: Abhängigkeiten sind viel geringer geworden, wo wir früher Öl und Kohle importiert

Paul: haben von irgendwelchen Staaten, die wir vielleicht gar nicht so toll fanden,

Paul: ist das heute gar nicht mehr notwendig.

Paul: Das ist ein super Luxus, aber das hat einfach auch die Wirtschaftlichkeit der

Paul: Systeme mit sich gebracht.

Paul: Irgendwann haben alle erkannt, es ist besser, es ist billiger, es ist gut, fertig.

Paul: Das war relativ einfach im Stromsystem, auch wenn die Herausforderung von vielleicht

Paul: 60% Strom aus erneuerbaren Energien zu 80,

Paul: 90, 100% zu kommen schon auch eine technische war, aber das wurde eben durch

Paul: die Digitalisierung auch erleichtert und inzwischen läuft das einfach so im Bereich Wärme.

Paul: Sind wir noch nicht ganz da, wo wir vielleicht sein wollten,

Paul: aber sind schon große Schritte auch weitergekommen.

Paul: Wärmelösungen sind eben immer lokal zu sehen. Jedes Haus hat ja seine eigene

Paul: Wärmequelle, sei es eine früheren Erdgasheizung oder sowas.

Paul: Heute hat man eben viel, viel mehr strombasierte Systeme, Wärmepumpen zum Beispiel

Paul: oder eben Nahwärme, Fernwärmenetze, die mit erneuerbaren Energiequellen dann

Paul: auch bedient werden können.

Paul: Im Bereich Mobilität gab es so ein bisschen,

Paul: Hat es ein bisschen gedauert, weil die emotionale Bindung an die Individualität da noch sehr stark war.

Paul: Sprich, bis die Menschen mal gesagt haben, okay, wir lassen doch unser Auto

Paul: stehen oder brauchen es eigentlich gar nicht mehr.

Paul: Letztlich so ein bisschen mit dem Generationswechsel hat das dann den Erfolgssprung

Paul: geschafft, weil viele gemerkt haben, ich muss gar keinen Führerschein mehr machen.

Paul: Und ich habe hier die ganze Sharing Mobility,

Paul: ich habe Leihräder, ich habe einen tollen ÖPNV, das war ein großer Game Changer,

Paul: also auf einmal überall kleine autonome Elektrobusse umfuhren.

Paul: Und man konnte sich einfach in der App buchen, wie das heute eben so ist.

Paul: Ich will von da nach da. Und der beste Weg und schnellste Weg oder umweltfreundlichste

Paul: oder günstigste wurde mir angezeigt.

Paul: Und ich habe gesagt, okay, ich nehme den und kriege auch von A nach B.

Paul: Ob es von Veedel zu Veedel oder von Köln nach Berlin ist.

Paul: Es gibt immer den sehr schnellen und guten Weg, dort hinzukommen.

Paul: Und das war einfach der riesen Game Changer.

Paul: Dass irgendwann Menschen gemerkt haben, boah, ich muss nicht dieses blöde Ding

Paul: da immer stehen haben, was sowieso nur rumsteht und in die Werkstatt bringen

Paul: und so, sondern es ist einfach einfacher.

Paul: Und dieses ist es einfacher, das haben wir ja in der Technologie-Geschichte.

Paul: Immer wieder so Dinge gehabt, sei es der Kühlschrank, krass cool,

Paul: oder die Waschmaschine oder solche Dinge oder das Smartphone.

Paul: Am Anfang, boah, voll teuer und so, geht gar nicht. Aber irgendwann kam dieser

Paul: Kipppunkt und diese Kipppunkte, die haben wir eben in vielen Bereichen erreicht

Paul: und dann haben die Menschen gemerkt, ja viel besser, warum machen wir das nicht?

Paul: Und das ist das, warum es sich heute auch so gut anfühlt, weil ich merke, wow.

Paul: Einfacher, ist besser, ist günstiger, ist umweltfreundlicher.

Frank: Und zum Thema Energie, es gab ja vor zehn Jahren in Berlin diesen Stromausfall

Frank: und viele Leute haben sich damals ja Sorgen gemacht, dass das jetzt auch so

Frank: ein wiederkehrendes Ding hier wird irgendwie.

Frank: Du hast jetzt gerade gesagt, das ist alles total regional. Braucht man wahrscheinlich

Frank: auch jetzt gerade gar keine Angst mehr vorzuhaben, oder?

Paul: Genau, das ist auch so ein Game Changer gewesen. Vom zentral gesteuerten System

Paul: zu dem dezentralen System.

Paul: Am Ende hat auch da die Mobilität einen Beitrag geleistet, weil diese ganze

Paul: inzwischen autonom fahrenden Elektrofahrzeuge, die eben auch Batterien rumtragen,

Paul: die groß sind und beladen und entladen werden können an jeder Stelle,

Paul: bieten eben auch immer diese Sicherheit in den Stromnetzen, die es braucht.

Paul: In jedem Falle da ein Backup oder 17 Backups zu haben, die das Ganze eben auffangen können.

Frank: Also das im Prinzip so fahrende Stromspeicher sind.

Paul: Im Prinzip ja genauso.

Daniel: Ja, damals konnte man sich ja nicht vorstellen, dass das tatsächlich wirklich

Daniel: so wird jetzt. Das ist ja wirklich Wahnsinn.

Frank: Hätte man nicht wissen können.

Daniel: Hätte man nicht wissen können. Warum hast du den Namen deiner Genossenschaft

Daniel: heute statt morgen verändert?

Paul: Ja, wir sind jetzt in dem Morgen und wir sind jetzt eigentlich da,

Paul: wo wir sein wollten und das ist das Krasse.

Paul: Und jetzt heißt es eben…,

Paul: Ich weiß es nicht.

Frank: Morgen statt übermorgen.

Daniel: Oder gestern war man weniger allein. So heißt es jetzt.

Frank: Aber die, jetzt hast du gerade gesagt, wir sind jetzt da, wo man sein will und

Frank: ich muss auch sagen, also ich gucke jetzt hier aus dem Fenster,

Frank: ich höre dir zu, was du da beschreibst, ich finde es total super.

Frank: Aber du hast auch gesagt, oder du willst noch weiter in die Zukunft reisen.

Paul: Ich möchte noch weiter in die Zukunft reisen, denn das, was ich eben mit dem

Paul: Generationenwechsel beschrieben habe,

Paul: wir sind ja nun alle in dieser Gesellschaft aufgewachsen und es sind eben immer

Paul: noch die Menschen, die eben auch vor 50 Jahren oder 70 Jahren schon lebten,

Paul: die sind ja auch noch alle da.

Paul: Und teilweise ist es eben auch schwierig oder die Herausforderungen sind da

Paul: ein bisschen größer, auch alle mitzunehmen.

Paul: Und wenn wir jetzt noch ein Stückchen weiter reisen, dann ist das vielleicht

Paul: ein bisschen weiter verschoben mit den Generationen.

Paul: Und was zum Beispiel ein ganz wichtiges Thema ist, Lernorte zu schaffen und

Paul: die freundliche Lernorte zu schaffen.

Paul: Und von, sagen wir mal, angefangen Kindergärten, Schulen bis zu weiteren Bildungseinrichtungen,

Paul: da einfach so einen Wechsel hinzukriegen, wo man weiß,

Paul: alle Menschen, alle jungen Menschen, alle älteren Menschen lernen einfach gerne

Paul: weiter miteinander und das ist auch ein Teil von Informationen.

Paul: Wenn ich so überlege, dann früher war es so, da ging der eine in die Rente und

Paul: da war das Know-how weg, sozusagen.

Paul: Eigentlich ja total doof für die Volkswirtschaft, sage ich mal so im weiteren Sinne.

Paul: Und das sehe ich, wenn wir jetzt den Schritt weiter in die Zukunft gehen.

Frank: Sollen wir das mal machen?

Paul: Sollen wir das mal machen?

Daniel: Weiter in die Zukunft?

Frank: Ja, für 16 Jahre nochmal weiter.

Daniel: Okay, ich probiere es.

Frank: Hat jemand mitgezählt, wo wir überhaupt sind?

Daniel: Ja, aber zweimal reisen heißt Kopfschmerz.

Frank: Wir müssen auch noch zurück.

Daniel: Und zurück müssen wir auch noch mal.

Frank: Also jetzt sind wir im Jahr 2050.

Daniel: 51, Paul.

Frank: Entschuldige.

Paul: 51.

Frank: Wie sieht es hier aus?

Paul: Also ich finde es mega, dieses Reisen, weil ich spüre auf einmal diese Energie,

Paul: die in dieser Welt da ist.

Paul: Und da lade ich meine ganzen Batterien auf und nehme das wieder mit in die Vergangenheit

Paul: und arbeite dann weiter dran.

Paul: Und ein Herzensthema von mir ist eben Bildung, weil das das zentrale Element

Paul: ist für all das, wo wir uns hin entwickeln und wie es weitergeht.

Paul: Und wenn wir es schaffen, Bildungsorte zu gestalten, die freundlich sind, die inspirierend sind.

Frank: Gibt sie denn jetzt hier schon?

Paul: Sie gibt es schon. Und das Tolle ist, sie gab es auch schon vor 25 Jahren, aber nur ganz wenige.

Paul: Und also es gab zum Beispiel damals in der Stadt Emden, gab es eine,

Paul: Schule die so, da kriege ich jetzt noch Gänsehaut, weil ich einfach diese Bilder

Paul: vor Augen habe und das waren damals schon Orte, die es gab und warum haben nämlich

Paul: alle das sofort so gemacht, weil das einfach,

Paul: die Leute wollen einfach dahin um zu lernen, um sich auszutauschen und da ging

Paul: alt und jung hin und das war der Hammer.

Paul: Und damals gab es so ein Buch, Zukunftsbilder 2045.

Paul: Jetzt sind wir schon ein bisschen weiter, aber da ist eben diese Schule abgebildet

Paul: und dann denkst du so, krass, wie schön das vom Bildhaften ist.

Paul: Man muss sich vorstellen, ein wunderschönes architektonisches Gebäude und da sind Menschen,

Paul: die lernen und die lernen wollen

Paul: und voneinander lernen wollen und ein selbstständiges Lernen passiert.

Paul: Und das haben wir heute eben auch überall als quasi Herz von den Quartieren,

Paul: von den Wohnquartieren und automatische Begegnungsorte.

Paul: Wo wir ja vor, wo waren wir gerade, in welchem Jahr, wir waren 2035,

Paul: jetzt sind wir ja 2051 und damals gab es auch schon viele Orte des Aufenthaltses,

Paul: die gut waren und schön waren.

Paul: Aber jetzt gibt es eben in jedem Quartier diese Lernorte, wo auch eben diese

Paul: Begegnung stattfindet und der Austausch unter den Generationen,

Paul: unter den verschiedenen Gruppierungen, die sind auch wieder viel weiter zusammengewachsen.

Paul: Und das ist das Coole, diese Bubbles, die man früher hatte, diesen heute,

Paul: sind die einfach viel weniger da.

Paul: Es gibt die Schere zwischen Arm und Reich, ist nicht mehr so groß.

Paul: Der Austausch zwischen Kulturen in Anführungsstrichen ist viel größer und natürlicher

Paul: geworden und das Verständnis füreinander, weil eben Kommunikation mehr da ist.

Paul: Und das finde ich den Knaller heute in dieser Zeit, 2051, das ist,

Paul: dass die Keimzellen für eine gute Gesellschaft sind. Und das ist, ja.

Daniel: Nein, es ist auf jeden Fall schön, definitiv. Und es ist ja auch beeindruckend

Daniel: zu hören oder zu sehen, dass sozusagen das Wiedererstarken oder das Wiederentdecken

Daniel: des genossenschaftlichen Prinzips Ende der 20er Jahre,

Daniel: mit doch auch sozusagen dazu geholfen haben, dass sich das in diese Richtung

Daniel: entwickelt hat, in die sich es jetzt entwickelt hat, aus meiner Perspektive.

Daniel: Wenn man hier so steht, 2050, ist das, glaube ich, einer der Faktoren.

Frank: Total. Und ich finde es eben auch so schön, weil es ja uns betrifft,

Frank: dieses Mehrgenerationen nicht nur lernen, sondern ja auch Orte,

Frank: an denen man eben sozial noch eingebunden ist.

Frank: Und wir sind jetzt zwar mit der Zeitmaschine hier hingereist,

Frank: aber im Jahr 2051 werden wir ja zu dieser alten Generation dann gehören.

Frank: Und ich freue mich total darauf, dann damit dazuzubehören und diese Eingebundenheit noch zu haben.

Daniel: Ja, freue ich mich auch drauf. Aber es ist auch cool, jung zu sein. Also jünger zumindest.

Daniel: Du willst wieder zurück. Wir steigen jetzt einfach wieder in die Maschine.

Daniel: Frank, du willst noch was sagen?

Paul: Genau, weil ich glaube, das hält auch jung. Und das ist nicht mehr dieses, da sind die Alten.

Frank: Da sind die Mittelalten.

Paul: Da sind die Jungen und da sind die Babys und so, sondern das ist viel weiter zusammengewachsen.

Paul: Und das zu spüren, ist einfach Gänsehaut und Tränchen, alles in einem.

Paul: Und das ist einfach schön.

Frank: Ja, echt. Dann fliegen wir zurück in die Gegenwart schweren Herzens.

Daniel: Vielen Dank.

Daniel: Aber auch irgendwie nicht schweren Herzens, weil hier können wir jetzt zumindest

Daniel: noch was verändern und gestalten.

Paul: Auf alle Fälle. Und wir müssen es auch.

Frank: Was müssen wir denn jetzt sofort angehen? Also wir haben über ganz viele Dinge

Frank: schon auch gesprochen, die sich verändern müssen.

Frank: Wir haben auch schon über viele Sachen gesprochen, wie sie vielleicht gehen.

Paul: Es gibt so Leuchttürme, wo man sieht, dass mutige Menschen,

Paul: die oben in Stadtregierungen sitzen oder in Unternehmen sitzen,

Paul: die einfach wirklich Grundsätzliches verändern und auch diesen Mut haben, das umzusetzen.

Paul: Und da braucht es in der Regel dann einen halbwegs überschaubaren Zeitraum,

Paul: wo dann auch Ergebnisse sichtbar werden und spürbar werden.

Paul: Und dann die Menschen auf einmal entdecken, wow, am Anfang habe ich gesagt,

Paul: das ist voll scheiße, das geht doch gar nicht, das ist einfach, das will ich nicht.

Paul: Und dann aber merken über das, das fühlt sich richtig gut an,

Paul: zu sagen, okay, das ist eine tolle Entscheidung gewesen, war echt mutig,

Paul: aber jetzt finden wir es gut.

Paul: So wie auch in Gent der Bürgermeister hat irgendwann die Innenstadt autofrei

Paul: gemacht, hat die ganze Stadt in Tortenstücke eingeteilt und gesagt,

Paul: ihr dürft da nicht mehr von einer Torte in die nächste fahren,

Paul: sondern müsst immer außen rum und voll unpraktisch alles.

Paul: Aber die Aufenthaltsqualität, die Lebensqualität ist eine ganz andere geworden.

Paul: Und da diesen Mut zu haben als Politiker, Politikerin, das zu tun, ist das eine.

Paul: Das andere ist eben aus der Gesellschaft heraus, Dinge in den Quartieren,

Paul: in den Stadtvierteln rauszuentwickeln,

Paul: und auch diese Power zu spüren und das nach oben zu transportieren.

Paul: Also ich glaube, es ist so ein...

Paul: Es gibt Optimalkonstellationen, wo einfach auch auf politischer Ebene Menschen

Paul: dafür offen sind und aus der Stadtgesellschaft oder Ortsgesellschaft heraus sowas entsteht.

Paul: Dann kann das passieren oder es braucht einfach ein ganz starkes zivilgesellschaftliches

Paul: Engagement, wo sowas heraus entstehen kann und dann irgendwann die nicht mehr

Paul: die Augen zumachen können.

Paul: Also so wie in Köln jetzt, die Rheinenergie ist nun mal ja der Energiekompetenz,

Paul: das Unternehmen hier der Staat,

Paul: aber die sehen auch diese ganzen kleinteiligen, mittelgroßen Dinge,

Paul: die kriegen die gar nicht abgebildet, weil sie einfach groß organisiert sind

Paul: und mit denen ist es ein sehr produktiver und guter Austausch für Projekte eben

Paul: in diesem kleinen und mittelgroßen Bereich.

Paul: Also da passiert dann auch eine Zusammenarbeit und das wahrzunehmen,

Paul: dass man miteinander mehr schaffen kann und auch das System darüber dann eben verändern.

Paul: Das ist die Kraft, die da entstehen kann.

Frank: Es ist ja auch nicht nur so, dass von unten Druck, also so wird es ja häufig

Frank: gespielt, dass man quasi irgendwie von unten Druck ausübt.

Frank: Ich finde, es ist auch wichtig, sich klarzumachen, dass wenn genug Leute einen

Frank: Anspruch formulieren an was, dass es Politikern, Politikerinnen eher möglich

Frank: wird, das auch zu machen.

Frank: Also, dass es eher was Enableness hat, als auch nochmal so ein Gegeneinander.

Frank: Also, auch da kommt man irgendwie ins Miteinander. Ich finde das auch immer

Frank: bemerkenswert, dass so viel Angst da herrscht,

Frank: Leute, Wählerinnen vor den Kopf zu stoßen, weil wir ja doch ein paar Beispiele

Frank: auch jetzt in der etwas jüngeren Vergangenheit haben, wo wir merken,

Frank: Es hat irgendwie funktioniert gegen einen großen Widerstand,

Frank: also ich denke nur an sowas wie das Rauchverbot zum Beispiel.

Frank: Das war wirklich ein unglaubliches Politikum, aber ich kann es mir nicht mehr

Frank: vorstellen, in einem Zug oder in einem Flugzeug zu sitzen, in dem geraucht wird, 17 Stunden lang.

Frank: Und ich finde es auch angenehm und klar, ich bin jetzt Nichtraucher,

Frank: aber in einer Kneipe oder in einem Restaurant zu sein und es wird am Nebentisch halt nicht geraucht.

Frank: Und die Leute haben es irgendwie auch geschluckt und selbst die Menschen,

Frank: die jetzt gerne rauchen und sagen, sie vermissen das in der Kneipe oder im Zug

Frank: oder so und die dann immer in Hamm an der Tür stehen und rauchen,

Frank: es funktioniert doch trotzdem.

Paul: Nein, es funktioniert und da ist ganz spannend auch mal zu schauen,

Paul: in welchen Bereichen funktioniert oder hat es funktioniert und in welchen ist

Paul: es zum Beispiel schwierig.

Paul: Wenn wir das Thema Automobilität hier in Deutschland sehen, wir haben nun mal

Paul: eine starke Autoindustrie.

Paul: Wenn man nach Holland guckt oder nach Norwegen, die haben gar keine Autoindustrie.

Paul: Deshalb hatten die natürlich es viel leichter, in Anführungsstrichen,

Paul: zu sagen, wir machen jetzt nur noch Elektromobilität hier, weil meine Wirtschaft

Paul: ist davon gar nicht so sehr beeinflusst oder umgekehrt.

Paul: Ich kann auch den Strom, den ich hier selber erzeuge mit meinen Windrädern,

Paul: kann ich direkt selber verkaufen an meine Fahrzeuge. Alles super.

Paul: In Deutschland ist das manchmal so ein Hick und Hack und Hick und Hack,

Paul: weil natürlich auch große wirtschaftliche Interessenlagen dastehen.

Paul: Und leider eben auch dieser Innovationsgrad, den vielleicht andere Nationen

Paul: mitbringen, wo man immer denkt, Deutschland ist der große Innovator,

Paul: aber wenn man dann sieht, dass inzwischen die chinesischen Autos funktionieren,

Paul: genauso super sind wie, sagen wir mal, deutsche Elektroautos.

Paul: Da denkt man mal, verpassen wir da vielleicht einen Zug, weil wir einfach solche

Paul: Kürtenhagen hin und her.

Paul: Aber ich würde mal sagen, wir sind jetzt auch nicht gerade hier,

Paul: um das große Wirtschaftssystem zu besprechen.

Paul: Aber der kleine Bogen vielleicht nochmal zurück.

Paul: Genossenschaft auf Englisch heißt ja zum Beispiel Cooperative oder auf Niederländsche Kooperatie.

Paul: Das heißt, das Kooperieren ist eben ein essentieller Teil der Genossenschaftsidee

Paul: und Kooperieren bringt einfach auch immer die Notwendigkeit im Austausch miteinander

Paul: zu sein und sich beschäftigen.

Paul: Sich zu unterstützen. Und das ist für mich der Schlüssel zu ganz vielen.

Daniel: Absolut. Und vor allen Dingen, auch wie du es gerade gesagt hast oder vorher

Daniel: schon angesprochen hast, dass man sich eigentlich die Politik von,

Daniel: ich will nicht von oben sagen, weil ich finde das immer so bescheuert,

Daniel: weil wir sind ja in so einem demokratischen System und die da oben,

Daniel: das gibt es ja eigentlich gar nicht.

Daniel: Trotzdem haben wir vorher auch darüber gesprochen, dass die politische Klasse

Daniel: ja auch teilweise entfernt ist von dem, was im kommunalen Kleinen irgendwie passiert.

Daniel: Das muss sich auch aufeinander zubewegen. Dann wird wahrscheinlich die stärkste,

Daniel: dann entwickelt man die stärkste Schwungkraft, die man sozusagen so entwickeln kann.

Daniel: Aber das entbindet uns ja eigentlich nicht davon, das zu tun,

Daniel: was du tust, nämlich in kleinen Versuchen Dinge zu verändern mit diesem unternehmerischen

Daniel: Pragmatismus, den wir vorher auch schon mal angesprochen haben.

Paul: Genau und zusätzlich dazu, die Menschen auch erfahren zu lassen,

Paul: dass ich eben nicht alle vier,

Paul: fünf Jahre mein Kreuzchen mache und damit habe ich dann eben das Zepter abgegeben

Paul: und kann selber nichts mehr machen,

Paul: sondern ich kann in der ganzen Zeit dazwischen eben trotzdem auch mitgestalten.

Daniel: Aber ist natürlich auch anstrengend.

Paul: Das ist anstrengend es dauert immer alles länger als man eigentlich so denkt,

Paul: das ist auch meine Erfahrung aber es ist eben auch, kann auch ein ganz geiles Gefühl sein.

Daniel: Selbstwirksamkeit.

Paul: Und das mit anderen Menschen, die auch das machen. Und dann denke ich so,

Paul: wow, das einfach fühlt sich gut an.

Frank: Jetzt wollen wir ja mit unserem Podcast immer auch eine Handlungsmöglichkeit

Frank: aufzeigen, die man direkt jetzt umsetzen kann, wo man, wenn man das jetzt hört,

Frank: jeder und jede auf dem Heimweg gleich oder am Wochenende mit anfangen kann.

Frank: Was sind so ganz kleine Prinzipien, wo du sagst, damit beginnt das Gelingen?

Paul: Das oberste Ding ist eigentlich Fragen stellen und versuchen zu verstehen,

Paul: drumherum, was beschäftigt die anderen.

Paul: Und dann zu überlegen, okay, beschäftigt mich das auch, kriege ich das irgendwie

Paul: übereinander, können wir gemeinsam da was machen.

Paul: Weil die ganzen Multikrisen sind erstmal dazu da, dass alle Ängste haben und

Paul: keiner mehr so richtig ins Handeln kommt.

Paul: Und das aufzubrechen und deshalb muss man miteinander sprechen und das ist der erste Schlüssel.

Paul: So ein bisschen einfach Augen, Ohren, Sinne öffnen und miteinander in Kommunikation kommen.

Paul: Und vielleicht nicht immer sich von allem so treiben lassen,

Paul: die 17 Stunden am Handy zu hängen und so, sondern mehr wieder ins Menschliche zu kommen.

Frank: Und auch aushalten, wenn man nicht zusammenkommt.

Paul: Auch aushalten, wenn man nicht zusammenkommt, genau. und eine Diskussionskultur

Paul: wieder zu entwickeln und nicht ein Bashen und einfach nur verurteilen,

Paul: sondern wirklich mal verstehen wollen, was dahinter so ist.

Paul: Weil jeder hat ja auch eine Motivation dafür, bestimmte Dinge zu tun und nicht zu tun.

Paul: Das ist für mich einer der ersten Schlüsse.

Paul: Wenn man dann pragmatisch sein will, dann kann man natürlich sagen,

Paul: okay, habe ich eine Gruppierung in meiner Umgebung, die sich vielleicht um Themen

Paul: kümmert, die gut sind für uns als Menschen oder uns im Veedel oder sowas.

Paul: Und das muss ja nicht unsere Genossenschaft sein, sondern können ganz andere Gruppierungen sein.

Paul: Aber wir als Genossenschaft bieten natürlich einen Rahmen, der viel abdeckt

Paul: das heißt jeder kann Mitglied werden jede kann Mitglied werden,

Paul: Und ist damit auch TeilhaberIn und MitgestalterIn und dass diese Möglichkeiten bestehen zumindest.

Daniel: Total, ich fand gerade oder finde dieses, ich hätte jetzt mit vielem gerechnet,

Daniel: aber was du sagst, aber nicht als erstes Fragen stellen.

Daniel: Das finde ich wirklich einen sehr, sehr guten Angang, weil das kann wirklich jeder machen.

Daniel: Dass man einfach Fragen stellt, dass man sich beginnt wieder für sein Gegenüber

Daniel: vielleicht auch zu interessieren, wo immer man sich gerade befindet.

Frank: Das finde ich da nämlich ganz wichtig, aber daran Fragen stellen und du hast

Frank: aber den Zusatz gemacht und dann sinngemäß eben auch zuhören.

Frank: Nicht nur Fragen stellen und zu hinterfragen, um dagegen zu sein,

Frank: sondern eben um, wie du sagst, Daniel, interessiert zu sein, offen zu sein.

Paul: Ja, man ist ja auch so schnell in dem Einsortieren und da müssen wir einfach

Paul: wieder weg von kommen, weil es ist immer so vielschichtig und am Ende ist es

Paul: auch so ein bisschen so ein Detektivspiel,

Paul: wenn ich jetzt beispielsweise als Verkäufer von bestimmten Produkten zu irgendeinem

Paul: Kunden oder potenziellen Kunden gehe, dann will ich ja auch rausfinden,

Paul: was braucht der Kunde und dann kann ich dem das geeignete Produkt,

Paul: dann findet man auch zueinander.

Paul: Aber das ist eben auch ein erstmal abtasten und das ist letztlich in jeder Art

Paul: der Kommunikation auch so.

Paul: Und wenn man dann Gemeinsamkeiten gefunden hat, darüber kann man dann wieder

Paul: auch ein bisschen weiter miteinander wachsen und noch mehr verstehen.

Daniel: Und das ist am Ende eigentlich die perfekte Antwort auf die erste Frage, die wir gestellt haben.

Daniel: Wie bringen wir Menschen wieder dazu, sich zu beteiligen?

Daniel: Oder wie kommen wir alle wieder mehr sozusagen in die Beteiligung?

Daniel: Ich finde, dass sich da ein Kreis total schön schließt.

Daniel: Und ich glaube, dass wir das Gespräch zu diesem Zeitpunkt damit beschließen können.

Daniel: Frank, wir bedanken uns herzlich, dass du bei uns warst.

Frank: Vielen, vielen Dank. Ich bin sehr beglückt durch deinen Optimismus,

Frank: den du hier mitgebracht hast.

Paul: Hat mich auch sehr gefreut, euch Rede und Antwort zu stehen,

Paul: beziehungsweise im Austausch zu sein.

Daniel: Wir waren im Dialog.

Paul: So ist es.

Daniel: Definitiv. Und du bringst so eine total gute Energie in den Raum.

Daniel: Wirklich. Die nehme ich mit heute Abend in meine abendliche Tätigkeit.

Paul: Das freut mich. Danke.

Frank: Vielen Dank.

Paul: Best case scenario ist ein podcast von tomorrowness und

Paul: wird produziert von uns daniel scheuch und paul bachmann bei tba the beauty

Paul: aside sound design und titelmusik kommen von robert kalber best case scenario

Paul: erscheint einmal im monat auf den gängigen plattformen wir bedanken uns fürs

Paul: zuhören und freuen uns wenn ihr uns abonniert und teilt und eine gute bewertung

Paul: hinterlassen bis zum nächsten mal.