#5 Empört euch nicht! – Respekt als Werkzeug
Shownotes
Respektraum e.V. www.respektraum.org
Polarisierungsbarometer der MIDEM-Studiengruppe (TU Dresden) https://forum-midem.de/polarisierungsbarometer-2025/
ESMT Berlin https://esmt.berlin/
Empört Euch! von Stéphane Hessel https://de.wikipedia.org/wiki/Emp%C3%B6rt_Euch!
Goethes Faust https://de.wikipedia.org/wiki/Faust.EineTrag%C3%B6die
Soziometrische Aufstellung https://de.wikipedia.org/wiki/Soziometrie
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Daniel: Hallo, hier ist Daniel und Paul und wir begrüßen euch zu unserer neuen Ausgabe
Daniel: von Best-Case-Szenario, dem Podcast, in dem es um Zukunftlichkeit geht und wie sie gelingen kann.
Paul: Und zu Gast heute bei uns sind Laura Kiene und Nujan Doman von Respektraum.
Voicevover: Respektraum e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der temporäre Räume für respektvolle
Voicevover: Grundsatzdebatten schafft.
Voicevover: Ein beliebiger Raum, zum Beispiel ein Museum, Theater, Jugendzentrum,
Voicevover: Café oder sogar ein Wohnzimmer, wird temporär in einen geschützten Debattenraum verwandelt.
Voicevover: Dort werden Thesen präsentiert, die zu grundsätzlichem Nachdenken jenseits der
Voicevover: Tagespolitik einladen.
Voicevover: Die Initiative positioniert sich bewusst als Gegenentwurf zu digitaler Kommunikation
Voicevover: und sozialen Medien und reagiert damit auf die zunehmende Spaltung zwischen
Voicevover: sozialen Blasen. Das Kernanliegen von Respektraum e.V.
Voicevover: Ist die Überwindung gesellschaftlicher Sprachlosigkeit durch argumentativen, respektvollen Dialog.
Voicevover: Respekt wird dabei nicht als moralische Forderung verstanden,
Voicevover: sondern als funktionale Voraussetzung für Grundsatzdebatten.
Paul: Herzlich willkommen.
Laura: Hallo.
Noyan: Hallo. Schön, hier zu sein.
Paul: Ja, ich freue mich schon besonders auf dieses Gespräch. Vor allem,
Paul: weil es, glaube ich, eine ganz tolle
Paul: Ergänzung sein kann zu den vorherigen Gesprächen, die wir geführt haben.
Paul: Gerne da auch mal reinhören in die anderen Folgen.
Paul: Denn unsere Gäste haben sich immer wieder gewünscht, dass mehr miteinander gesprochen
Paul: wird und auch respektvoller miteinander umgegangen wird.
Paul: Der Respekt insgesamt ist etwas sehr Wichtiges in den Folgen.
Paul: Nur ich merke, dass dieser Respekt ja so ein Begriff ist, der zwar einerseits
Paul: omnipräsent ist, wird oft gefordert Respektlosigkeit wird oft vorgeworfen Aber
Paul: so richtig habe ich das Gefühl,
Paul: ist der doch auch auf eine gewisse Art und Weise unklar Also was ist denn eigentlich
Paul: wirklich damit gemeint?
Paul: Deswegen vielleicht direkt mal die Frage an euch Was ist Respekt?
Noyan: Also wir haben die Frage für uns als Respektraum natürlich schon beantwortet.
Noyan: Aber ich finde es mal ganz spannend, so einen Begriff erstmal aus der Alltagssprache zu analysieren.
Noyan: Es gibt ja ganz verschiedene Arten des Respekts, von denen man spricht.
Noyan: Also ich kann Respekt vor mir selber haben. Ich kann aber auch Respekt im Sinne
Noyan: von einer gewissen Angst oder so haben für etwas. Also ich habe Respekt vor einer Prüfung.
Noyan: Oder wir sprechen auch davon, dass man sagt, ich respektiere das Gesetz.
Noyan: Und wir bezeichnen das alles mit Respekt.
Noyan: Aber das scheinen ja ganz verschiedene Phänomene zu sein. Und was für uns als
Noyan: Respektraum natürlich relevant ist, ist der Respekt zwischen Menschen.
Noyan: Und da wird in der Philosophie grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Arten
Noyan: des Respekts unterschieden. Das ist einmal der Bewertungsrespekt und der Anerkennungsrespekt.
Noyan: Und Bewertungsrespekt ist klassischerweise sowas, wo man sagt,
Noyan: jemand hat Respekt aufgrund einer bestimmten Leistung oder einer Fähigkeit.
Noyan: Also wir haben zum Beispiel Respekt vor einem Arzt, weil er irgendwie bestimmtes
Noyan: Wissen hat. oder vor einer Richterin, weil dieser Beruf mit Respekt verbunden
Noyan: ist oder Eltern, die man respektieren soll, weil sie Eltern sind.
Noyan: Und für uns als Respektraum ist aber dieser Anerkennungsrespekt besonders wichtig.
Noyan: Und das ist eine Form von Respekt, wo wir sagen, die steht jedem Menschen zu.
Noyan: Völlig egal, welche Fähigkeiten er hat oder welche Eigenschaften er hat,
Noyan: einfach weil er Mensch ist.
Noyan: Und genau, also das ist die Art von Respekt, wenn wir über Respekt reden,
Noyan: die wir meinen im Respektraum.
Noyan: Und es hat bestimmte Konsequenzen. Also wenn wir sagen, okay,
Noyan: was heißt das denn genau? Okay, wir haben Respekt vor dieser Person,
Noyan: irgendwie Anerkennungsrespekt, was bedeutet das denn?
Noyan: Und das hat bestimmte Konsequenzen für uns. Und ich glaube, das hat zwei Konsequenzen.
Noyan: Einmal eine gewisse Geisteshaltung, die damit einhergeht.
Noyan: Dass man sagt, okay, wenn ich jemanden respektiere und anerkenne als Mensch.
Noyan: Dann bedeutet das, dass ich ihn irgendwie zumindest nicht, also bestimmte Verhaltensweisen,
Noyan: die irgendwie daraus folgen müssen.
Noyan: Also ich erkenne jemanden an, ich habe eine bestimmte Geisteshaltung,
Noyan: aber was heißt das genau? das heißt, einmal in negativer Hinsicht,
Noyan: ich unterlasse bestimmte Verhaltensweisen, dass ich sage, ich unterlasse Verhaltensweisen,
Noyan: die ihn in seiner Würde irgendwie verletzen können.
Noyan: Gleichzeitig aber Dauer hinaus, und das ist für uns das Respektraum besonders
Noyan: wichtig, auch eine gewisse Zuwendung dieser Person.
Noyan: Also nicht nur ich sage, okay, ich beleide diese Person nicht oder ich sehe
Noyan: sie nicht nur als Mittel zum Zweck.
Noyan: Das wäre so eine klassische Würdeverletzung, dass man sagt, jemand ist nur Forschungsobjekt
Noyan: zum Beispiel oder nur Arbeitskraft und ich vergesse den Menschen dahinter eigentlich
Noyan: und sehe den Menschen gar nicht mehr.
Noyan: Und darüber hinaus eben gehend, dass man sagt, wir wenden uns in einer ganz
Noyan: besonderen Art diesen Menschen zu.
Noyan: Also Respekt kommt auch aus dem Lateinischen vom Begriff Respekto,
Noyan: das heißt zurückschauen oder berücksichtigen, nochmal hinsehen.
Noyan: Und deswegen würde ich sagen, dass dieser Respekt auch ein zum Menschen hingehen,
Noyan: zum anderen hingehen, beim anderen sein irgendwie bedeutet.
Noyan: Was das konkret in den Handlungen bedeutet, ist dann natürlich nochmal immer,
Noyan: ja, gar nicht so einfach irgendwie festzulegen.
Noyan: Die für uns am relevantesten ist als Respektraum und was wir sozusagen ermöglichen
Noyan: wollen in unseren Räumen.
Noyan: Wobei man natürlich sagen muss, dass Respekt auch, also wenn wir sagen,
Noyan: respektvolles Handeln bedeutet irgendwie Dinge nicht zum Mittel,
Noyan: zum Zweck zu machen, dann gehen wir in einer gewissen Form ein bisschen respektlos
Noyan: mit dem Respekt selber um, weil der Respekt selber für uns auch nur,
Noyan: also nur in Anführungszeichen, Grundlage und ein bisschen technisches Mittel ist.
Noyan: Also wir nutzen den Respekt und wir wollen diesen Respekt, aber das Respekt
Noyan: ist nicht das Hauptziel.
Noyan: Das Hauptziel ist eigentlich der Austausch, der auf dieser Respektgrundlage dann erfolgt.
Paul: Also Respekt sozusagen als Werkzeug.
Noyan: Ja, in einer gewissen Form, ja.
Laura: Und als Ergebnis, vielleicht wenn ich das dazufügen darf.
Paul: Das wäre nämlich direkt die Frage gewesen, also dass es sozusagen ja auf der
Paul: einen Seite so klingt, als wäre eben der Respekt ein Mittel,
Paul: um eine Verständigung zu ermöglichen, die positiv und konstruktiv ist und gleichzeitig
Paul: folgt ja aber möglicherweise aus dem Erleben von Respekt und aus dieser respektvollen
Paul: Erfahrung auch wieder so eine Reproduktion von Respekt.
Laura: Ganz genau so ist es. Ich kann auf dem, was Nojan gesagt hat,
Laura: total gut aufbauen, weil ich mich mit meinem Fokus, den ich so in mir trage,
Laura: immer sehr auf die kommunikationspsychologische Ebene konzentriere.
Laura: Ich bin da drin nicht ausgebildet, muss ich dazu sagen, aber es interessiert mich sehr.
Laura: Und wenn ich da an Respekt denke, dann kommen zwei Sachen.
Laura: Das erste ist, ich glaube, für die Menschen ist es im Affekt deutlich leichter,
Laura: Konkret zu beschreiben, was Respekt nicht ist.
Laura: Es ist viel schwieriger, sich
Laura: Gedanken dazu zu machen, wie wird mir denn konkret respektvoll begegnet?
Laura: Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich für mich an?
Laura: Was habe ich für Voraussetzungen, die ich mitbringe, wie ich in die respektvolle
Laura: Interaktion gehe? ist es sehr viel schneller, weil wir wahrscheinlich da auch
Laura: mehr Erinnerungsanker setzen, wie eine nicht respektvolle Interaktion ist.
Laura: Aber das, was wir versuchen mit dem Respektraum einzuüben.
Laura: Und zwar mehr oder weniger bewusst reflektiert, je nachdem, wie wir darin debriefen,
Laura: ist bewusst dafür zu machen, das ist meine kommunikationspsychologische Perspektive,
Laura: Respekt ist immer das Ergebnis einer Form von Interaktion,
Laura: in der ich im Sinne von zurückschauen einerseits immer darauf gucke,
Laura: was meine Aktion dem anderen zugewandt tut mit dem Gegenüber und was es aber auch für mich tut.
Laura: Das kann man sich, um es ganz bildlich zu machen, also es ist wie,
Laura: zwei Menschen stehen in der Kommunikation, du hast einen Pfeil mit zwei Enden
Laura: und der Respekt, der entsteht, ist der Pfeil.
Laura: Und im Idealfall ist der immer dynamisch, der bewegt sich sowieso die ganze
Laura: Zeit, weil Kommunikation auch nicht linear ist und vor allem nichts Robustes,
Laura: das bewegt sich die ganze Zeit.
Laura: Aber der Respekt, der entsteht, ist im Idealfall ein Spannungsfeld,
Laura: in dem beide bewusst sind, dass sie Einfluss nehmen auf diesen Pfeil,
Laura: der da entsteht und der sich in beide Richtungen ausdehnen kann und indem sie
Laura: gleichzeitig ertragen,
Laura: dass er mitunter Dominanzen in die eine oder andere Richtung entwickelt und das nicht bewerten,
Laura: sondern anerkennen als ein Teil dieser Dynamik.
Laura: Und dann natürlich aber gleichzeitig auch bewusst sind darüber,
Laura: was passiert denn, wenn diese Dominanz überhand nimmt und wenn es zu lange auf
Laura: einer bestimmten Position verharrt.
Laura: Und das bedeutet unterm Strich, für mich ist Respekt im ganz,
Laura: ganz, ganz, ganz kleinen Kern die Fähigkeit des Menschen, zu sich selber in der Metaebene zu gehen.
Laura: Und zwar andauernd, in jeder Situation das eigene Handeln, das eigene Fühlen
Laura: zu betrachten, ohne es zu bewerten und den Spielraum offen zu lassen,
Laura: das Handeln des anderen zu betrachten und zu reflektieren, ohne es zu bewerten.
Laura: Und darin auch eine gewisse Anerkennung
Laura: gelten zu lassen. Aber es ist wie shining a light on something.
Laura: Ich habe das nichts im Unbewussten, sondern ich gebe immer durch diese Meta-Ebene
Laura: Raum dafür auf oder herstelle den her, dass es ins Bewusstsein treten kann.
Laura: Und das ist sicherlich ein wahnsinnig hoher Anspruch auf der einen Seite,
Laura: weil wir natürlich wissen, dass wir einfach emotionsgetrieben sind und ganz
Laura: oft im Affekt handeln und eben nicht in der Reflexion.
Laura: Ich glaube aber, dass das, wenn es um die Frage geht, was können wir als Einzelpersonen
Laura: immer tun, immer, zu jeder Zeit, dann ist das etwas, was wir tun können.
Laura: Und das hat einen unglaublichen Halo-Effekt, weil wir eben immer kommunizieren.
Laura: Nicht nur auf der verbalen Ebene, sondern mit unserer Gesamtheit.
Laura: Und das hat Wechselwirkungen.
Paul: Darfst du, willst du?
Daniel: Mach, ich hab, aber mach du erst mal.
Paul: Genau, ich fand jetzt zwei Aspekte daran total interessant, weil du einerseits was ansprichst,
Paul: was ich sehr rational finde oder wo ich das Gefühl habe, das setzt einen bewussten
Paul: Prozess voraus, das ist diese Bewertungslosigkeit,
Paul: also in die Betrachtung des anderen zu gehen und in die Eigenbetrachtung und den eigenen Gefühlen.
Paul: Und denen des Gegenübers irgendwie bewertungsfrei entgegenzutreten.
Paul: Große Entscheidung, schwieriger Schritt. Und gleichzeitig hast du gerade gesagt,
Paul: dass den Respekt, dass eure Erfahrung ist, dass der häufig dann vor allem gefühlt
Paul: wird, wenn er nicht da ist.
Paul: Also in der Abwesenheit von was. Und das hat mich erinnert und da wollte ich
Paul: jetzt deswegen sozusagen einfach nochmal kurz nachfragen an Gefühle.
Paul: Da gibt es ja auch, also man sagt immer, es gibt gute Gefühle und schlechte Gefühle.
Paul: Ich spreche lieber davon, dass es angenehme und unangenehme Gefühle gibt.
Paul: Und da gibt es ja deutlich mehr, wenn man sich das mal so anguckt, die unangenehm sind.
Paul: Und das positive, gute, angenehme Gefühl ist eigentlich häufig ein Zustand,
Paul: den man gar nicht wahrnimmt.
Paul: Also wie der Körper, wenn er gesund ist, merkt man ihn gar nicht.
Paul: Und es muss ihm schon sehr gut gehen, damit man es irgendwie spürt,
Paul: dass es einem gut geht. und oft, wenn es einem schlecht geht, merkt man das.
Paul: Das ist aber eine emotionale Ebene. Also diese, oder würde sozusagen mit einer
Paul: emotionalen Ebene korrespondieren, zu sagen, es gibt also sozusagen den Respekt,
Paul: solange der da ist, nimmt man den gar nicht wahr.
Paul: Der wird leider unsichtbar und wenn er verschwindet.
Paul: Dann kickt ein Gefühl rein, was sich unangenehm anfühlt.
Laura: Könnte ich total unterstützen. Ich glaube, dass es tatsächlich ganz viel, was passiert.
Laura: Und was leider aber auch passiert ist, und das ist jetzt wieder eine Reflexionsebene voraus,
Laura: dass man das nicht koppelt mit, das ist jetzt gerade in diesem Moment und das
Laura: ist auch ganz oft anders, sondern ist gekoppelt mit einer Neigung, das zu generalisieren.
Laura: Dieser schlechte Augenblick, dieses schlechte Erlebnis,
Laura: dieses unangenehme Gefühl dehnt sich aus und hat dann Einfluss auf mein Handeln
Laura: und auf mein Interagieren und dann hat es natürlich eine Wechselwirkung mit
Laura: dem anderen Agieren und dann kriegt das so einen Ripple-Effekt,
Laura: es geht immer weiter hin und her und dann spult es sich irgendwann auf.
Laura: Am Ende ist es ja so, wir haben die ganze Zeit Emotionen, die sind auch nicht zu vermeiden.
Laura: Wir sind aber trotzdem in der Lage, Herr und Dame unserer eigenen Gefühle so
Laura: weit zu werden, dass wir eine Entscheidungsfreiheit haben darüber.
Laura: Nicht, ob wir sie haben, sondern wie wir sie gelten lassen.
Laura: Und das ist so ein essentieller Punkt,
Laura: bei dem ich mich natürlich auch viel damit beschäftige und noch nicht zu einem
Laura: Punkt gekommen bin, wie man das mit Kindern auf eine nicht so rationale,
Laura: sondern auf einer erlebnisbasierten Ebene üben kann zum Beispiel.
Laura: Meine Mutter hat das mit mir gemacht, die ist Kommunikationspsychologin,
Laura: daher kommt mein Interesse.
Laura: Und die hat halt wahnsinnig viel mit mir darüber gesprochen und mich immer wieder
Laura: in diese Metaebene geholt und immer wieder zum Beispiel auch betont,
Laura: das sind Momentaufnahmen im nächsten Moment, kann es anders sein,
Laura: versucht es zu beobachten, wie war es da, wie ist es jetzt.
Laura: Und das habe ich natürlich internalisiert, aber auch nur durch ihre Hilfe.
Laura: Ich hatte jemanden, der sehr aktiv war daran, mich darin anzuleiten,
Laura: deswegen habe ich jetzt leicht sagen.
Laura: Aber es muss ja sicherlich über Narrative zum Beispiel, aber auch über spielerische
Laura: Ansätze, über die Märchen und so weiter die Möglichkeit geben,
Laura: eben diese Metaebenen kennenzulernen.
Laura: Und das wäre sicherlich auch mein Wunsch, aber darüber reden wir vielleicht dann nach.
Daniel: Vielleicht gehen wir mal nochmal einen Schritt zurück. Wir haben jetzt sehr
Daniel: viel über Respekt gehört und sind direkt in so theoretische Themen eingestiegen.
Daniel: Vielleicht könnt ihr nochmal so ein bisschen erklären, was, also das Wort besteht
Daniel: ja aus zwei Bestandteilen, Respekt und Raum.
Daniel: Was macht ihr denn da eigentlich ganz genau? Also was ist das sozusagen für
Daniel: eine Initiative und vielleicht auch nochmal so, Also was war so der Ursprungsimpuls?
Daniel: Warum gibt es das überhaupt? Oder warum hat jemand sozusagen gesagt, das brauchen wir?
Laura: Ich fange mal beim Urschleim an. Es gibt uns jetzt seit zarten acht Jahren.
Laura: Wir sind gegründet worden, weil unser Ideengeber Gregor einen Ausstellungsraum hat.
Laura: Der ist neben vielen anderen Sachen auch künstlerischer Fotograf und der hat
Laura: irgendwann gedacht, wir erleben, ich erlebe eine Dynamik in der Gesellschaft,
Laura: die ich als potenziell problematisch empfinde.
Laura: Wir würden heute sagen Spaltung oder Polarisierung.
Laura: Wir brauchen mehr Räume, wo es wieder um den Brückenbau geht.
Laura: Und dann hat er was ganz Einfaches gemacht, einfach, aber auch gleichzeitig schwer.
Laura: Er hat ein paar Thesen entwickelt, ein paar sehr, sehr gute Thesen zu Grundfragen,
Laura: zum Beispiel rund um Glauben, Menschenrechte, Bezug zur Natur,
Laura: Wissenschaft, Respekt, Toleranz und so weiter. Und hat die ausgestellt.
Laura: Und dann sind Leute in den Ausstellungsraum gekommen, haben sich die Thesen durchgelesen.
Laura: Und weil die Thesen auf so eine elegante Art formuliert sind,
Laura: hatten sie natürlich nicht sofort eine Haltung dazu, sondern eher eine Frage
Laura: oder eine Verwirrung und haben das Bedürfnis gehabt, das mit anderen Menschen
Laura: zu klären und sind in den Dialog gegangen.
Laura: Und das war die erste Beobachtung, wo er gesagt hat, mein Gott, das ist so einfach.
Laura: Man braucht eigentlich nur einen Anlass und eine gut formulierte,
Laura: irgendwie eine Dynamik und dann fangen die Menschen an, miteinander zu sprechen.
Laura: Und das war der Punkt, wo ich dazu gekommen bin mit meiner damaligen Kollegin Lisa Jopt.
Laura: Wir waren im Prinzip so etwas wie Projektentwicklerin in der Kulturszene,
Laura: wo es auch immer um den Transfer in die Demokratie oder Zivilgesellschaft ging.
Laura: Und wir sind dann mit dazugekommen und haben uns Gedanken darüber gemacht,
Laura: was können wir denn für ein Format kreieren, das möglichst niedrigschwellig
Laura: mit einem ganz kleinen Setup überall durchgeführt werden kann,
Laura: damit es im Wohnzimmer, im Friseursalon, im Nagelstudio, in der Kneipe,
Laura: in den Hochschulen und so weiter durchgeführt werden kann.
Laura: Und das Ergebnis ist das, was wir heute noch machen. Wir haben einen Katalog von 27 Thesen.
Paul: Den man auch bei euch nachlesen kann auf der Homepage.
Laura: Genau, den findet man da. Und die sind in der Formulierung durchentwickelt und im Design auch.
Laura: Davon nehmen wir immer eine Auswahl, die werden ausgestellt und dann laden wir
Laura: im Regelfall zu diesen moderierten Veranstaltungen ein, wo dann zum Beispiel
Laura: Nojan dazukommt oder ich oder auch andere Leute, die mittlerweile mit uns assoziiert sind.
Laura: Und die machen dann da drin ein Spiel, nennen wir das. Das ist uns auch ganz
Laura: wichtig, dass das nicht eine Intervention ist oder sowas.
Laura: Es ist ein Spiel, es ist Leichtigkeit und auch Humor und Freude.
Laura: Es muss positiv konnotiert sein.
Laura: Weil der Respektraum als Titel macht erstmal sehr viele Optionen auf.
Laura: Das merkt man auch, dass die Leute da manchmal nicht genau wissen,
Laura: oh Gott, was wird jetzt von mir erwartet?
Laura: Und wir machen dann ein Spiel und das ist auch ganz einfach.
Laura: Wir begrüßen die Leute, wir erklären, woher wir kommen, was wir hier machen,
Laura: wie der Spielablauf funktioniert.
Laura: Die suchen sich dann eine These aus, die sie interessant finden.
Laura: Interessant heißt entweder, oh, das setzt Gedanken bei mir in Gang oder aber,
Laura: hä, ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich dazu denken oder fühlen soll.
Laura: Beides kann Interesse sein.
Laura: Gehen dann in 15 Minuten Dialog, zweimal.
Laura: Davor machen wir noch eine soziometrische Aufstellung. Das kennt ihr vielleicht,
Laura: da geht es um Bezugnahme im Raum, dass man so ein kleines bisschen guckt,
Laura: welche Gruppen sind denn da, welche Vorurteile schwimmen mit.
Laura: Aha, interessant, die halten ja gar nicht so lange Stand und so weiter,
Laura: das ist immer sehr schön. Da gibt es viele rote Bäckchen im Publikum.
Laura: Und auch viel Rührung, also viel, viel Rührung.
Laura: Wir haben natürlich dann einen Fragenkatalog für diese soziometrische Übung.
Laura: Die sind lustig, ulkig bis sehr, naja, sozusagen bordering to intim.
Laura: Und das ist unglaublich schön zu sehen, dass es für Menschen wohltuend ist,
Laura: sich zu etwas verhalten zu können, nicht zu müssen, aber verhalten zu dürfen,
Laura: was sie von sich zeigen möchten, um Vorurteile, mit denen sie konfrontiert werden,
Laura: abzubauen und auch für die anderen zu sehen, aha,
Laura: okay, sorry, ich habe jetzt an deiner Nase entschieden, du bist so einer und
Laura: dann merke ich, vielleicht doch nicht.
Laura: Das machen wir immer vorher. Dann gibt es diese zwei Dialogrunden und dann machen
Laura: wir mittlerweile einen Debrief, wo wir uns versuchen, eine Frage zu überlegen, sowas wie zum Beispiel,
Laura: wenn du, und das ist ganz wichtig, wenn du an das denkst, was du hier gerade
Laura: erlebt hast, nicht an das, was du diskutiert hast, nicht die Inhalte,
Laura: sondern dein Erfahren und Erleben, was ist dein Key Takeaway für morgen.
Laura: Damit man wirklich einmal konkret überlegt, was hat mir hier gerade so wohlgetan?
Laura: Die Zeit, die Ruhe, die Einladung, das Zusammensein, dass wir nicht virtuell sind.
Laura: Da kommt immer ein Schwall von wunderschönen Antworten.
Laura: Und es kommen auch manchmal zwei Sachen, die ich total interessant finde.
Laura: Das eine ist, super Format, müssen wir viel mehr machen, aber wir sind hier
Laura: doch nur in unserer Blase.
Laura: Also ich meine, es ist ja klar, dass wir uns wohlfühlen hier.
Laura: Und dann sage ich immer, ja stimmt, einerseits stimmt es, wir erweitern uns
Laura: ja auch nur durch Hörensagen, also wir sind noch nicht proaktiv eingeladen worden
Laura: vom Antagonisten oder sowas.
Laura: Wir erweitern uns durch unser Hörensagen
Laura: und damit sind wir immer in der Erweiterung unserer eigenen Blase.
Laura: Aber gleichzeitig stimmt auch, dass wir am Anfang gesehen haben,
Laura: wir sind super heterogen und was wir jetzt als Homogenität interpretieren,
Laura: ist Ergebnis der Harmonie, die wir hergestellt haben,
Laura: durch unsere Spannungsfähigkeit und durch die Widmung, die wir da gerade gemacht haben. That's it.
Laura: Und das ist alles, was wir versuchen wollen zu konsolidieren und zu verankern als Erfahrung.
Laura: Das ist alles, womit es anfängt und das ist der erste Schritt,
Laura: der zählt. Darauf baut alles andere auf.
Paul: Das heißt, sie sprechen dann über Thesen, die ihr mitgebracht habt und tun das
Paul: aber in Zweierkonstellationen?
Laura: Zweier, Dreier, Fünfer, Zehner, abhängig davon, wie groß die Gruppe im Respektraum ist.
Paul: Also es debattiert immer die gesamte Gruppe. Ist es nicht so,
Paul: dass zwei Menschen vor Publikum?
Laura: Nee, nee, gar kein Publikum. Das ist sehr wichtig. Das sind intime Gruppen und
Laura: die finden sich auch auf Basis ihres Interesses.
Laura: Also ist es so, man sucht sich die These aus, dann hat man eine kleine Karte,
Laura: da steht nochmal die These drauf. und die zeigt man zum Beispiel hoch und signalisiert,
Laura: ich interessiere mich hierfür, wer ist mein Partner?
Laura: Und dann passiert es meistens, dass zwei oder drei andere Leute auch diese These
Laura: gewählt haben und sich so Blind Date mäßig zusammenfinden und dann einfach losgehen,
Laura: sich eine Couch suchen und anfangen zu sprechen.
Paul: Verstehen.
Laura: Genau. Und es gibt keine Beobachtung, es gibt auch keine Intervention seitens
Laura: des Hosts, also von uns, wir gehen in die Inhalte nicht rein.
Laura: Es ist immer interessant, wenn man dann doch mal mit sich so annähert,
Laura: einfach nur, wenn man gucken möchte, ob alles in Ordnung ist,
Laura: ist dann passiert sofort so ein Obacht. Ja, jetzt muss ich was Intelligentes sagen.
Laura: Und darum geht es gar nicht. Die Inhalte sind im Endeffekt fast ein kleines bisschen irrelevant.
Laura: Das, was zählt, ist, dass die Leute von ihren Kontexten erzählen,
Laura: ihre Erfahrungen teilen, auch darüber begründen und argumentieren.
Laura: Warum bin ich denn zu einer bestimmten Haltung, Position, zu einem Gefühl gekommen?
Laura: Full Stop. Und dann geht es nicht genau um, ja, aber das kannst du doch auch anders machen.
Laura: Zuhören, stehen lassen.
Noyan: Ja, direkt. Also wenn du meintest, die Inhalte sind irrelevant,
Noyan: da würde ich widersprechen.
Laura: Sehr gut.
Daniel: Widerspruch.
Paul: Solange er respektvoll ist.
Noyan: Ja, auf jeden Fall.
Daniel: Auf jeden Fall.
Noyan: Hoffentlich. Und zwar sind das ja schon philosophische Thesen.
Noyan: Also die haben ja meistens ein...
Paul: Wollt ihr mal vielleicht, entschuldige, ganz kurz ein Beispiel,
Paul: könnt ihr ein Beispiel aus dem Hut zaubern?
Paul: Einfach nur, dass die Menschen, die uns zuhören, auch mal ganz kurz nur so verstehen,
Paul: worum es geht, weil die Thesen sind wirklich toll.
Paul: Ich finde, die sind auch sehr klug formuliert, weil die ja auch immer mit dieser
Paul: Frage so eine große Einladung aufmachen.
Paul: Also man kriegt ja direkt, man fühlt sich ja direkt beteiligt an der Fragestellung allein schon.
Noyan: Also ein Beispiel wäre zum Beispiel These 6. Menschenrechte sind nicht Kultur, sondern Natur. Punkt.
Noyan: Oder? Fragezeichen. Also und genau, da öffnet dann eigentlich schon der Dialog.
Laura: Es ist tatsächlich auch gar nicht so einfach, so eine These zu formulieren.
Laura: Nicht nur, weil die eine bestimmte Struktur hat, sondern weil man zum Beispiel
Laura: auch merkt, die Art, also das Wort der offenen Frage am Ende,
Laura: verändert komplett die Wirkung des Satzes davor.
Laura: Also zum Beispiel, Wettkampf ist der Treiber des Lernens, nicht sein Feind. Punkt.
Laura: Stimmt's? Dann bist du in einer Ja-Nein-Position.
Laura: Immer? Ja, nein. Oder ja?
Laura: Also die Art der Fragestellung am Ende schickt dich in eine komplett andere
Laura: Richtung, hat eine ganz andere Suggestion.
Noyan: Weil ich meinte, dass der Inhalt nicht irrelevant ist, liegt daran,
Noyan: dass es philosophische Themen sind.
Noyan: Und das hat eine Relevanz. Und zwar ist es ja so, dass unsere Gesellschaft immer komplexer wird.
Noyan: Und wir brauchen immer mehr Fachwissen, Expertenwissen, wenn ich über einen
Noyan: bestimmten Bereich, der faktenbezogen ist, reden möchte.
Noyan: Sei das jetzt aus der Politik oder Gesundheit oder keine Ahnung was.
Noyan: Und das Schöne bei philosophischen Thesen ist, ich brauche kein Faktenwissen.
Noyan: Das hilft natürlich, wenn ich schon vielleicht ein bisschen was dazu gelesen
Noyan: habe, aber manchmal hemmt es auch, weil dann ist meine Gedanken schon eingeengt
Noyan: auf diesen Deutungsrahmen.
Noyan: Auch zum Thema Respekt, wir haben gesehen, ganz viele verschiedene Bedeutungen
Noyan: und wir können uns ganz verschiedene Arten und Weisen mit diesem Begriff auseinandersetzen.
Noyan: Und das Schöne ist bei der philosophischen Fragestellung eben,
Noyan: jeder kann mitsprechen.
Noyan: Also egal, aus welchem Milieu diese Person kommt, es reicht,
Noyan: dass ich mir Gedanken zu einem Begriff machen kann.
Noyan: Und einfach nur durch Beobachtung der Umwelt und von mir selber vielleicht auch kann ich mitsprechen.
Noyan: Auf dem gleichen Niveau wie alle anderen auch.
Paul: Das ist also quasi die zweite Einladungsebene, die diese Thesen aufmachen.
Paul: Nicht nur in der Formulierung durch diese Anschlussfrage, sondern eben auch
Paul: durch das Feld, was sie bespielen.
Noyan: Auf jeden Fall.
Paul: Ja, okay, das ist schon wichtig.
Laura: Und ich unterstütze das total, was Sie sagen. Das war jetzt eine starke Provokation meinerseits.
Laura: Aber ich habe natürlich manchmal, wenn ich die Respekträume mache und jetzt
Laura: in letzter Zeit verschärft den Fokus darauf, was passiert denn eben auf dieser
Laura: Beziehungsbildungsebene.
Laura: Also da zählt der Inhalt natürlich immer rein, aber insbesondere auch die Form.
Laura: Und weil ich so viel darüber nachdenke momentan, ist mir das so ein bisschen…
Laura: Nee, nee, nee, finde ich auch einen guten Punkt. Aber ich finde den Punkt auch richtig.
Laura: Und man muss natürlich auch dazu sagen, zum Beispiel so ein Wort wie Menschenrechte.
Laura: Das ist ja ein Wort, das stößt nicht nur unglaublich viele Gedanken an,
Laura: sondern auch sehr viele Gefühle.
Laura: Und auch die Gefühlsebene, es würde im Prinzip ausreichen zu sagen,
Laura: ich weiß nicht, was es meint.
Laura: Ich weiß auch gar nicht, was ich dazu denke. Ich merke nur, es löst bei mir
Laura: aktuell das Gefühl von Beklemmung aus.
Laura: Ah, interessant, möchtest du versuchen, mit mir zusammen zu erkunden,
Laura: warum? Und dann kann man in die Exploration gehen.
Daniel: Wer entwickelt denn diese Thesen? Wer schreibt die?
Noyan: Größtenteils der Gregor. Also der hat da wirklich ein Händchen für entwickelt auch. Fantastisch.
Daniel: Und die sind im Wandel?
Laura: Die werden erweitert. Wir haben jetzt glaube ich einen Katalog von Korrigier
Laura: mich. Ich glaube es sind inoffiziell über 50.
Noyan: Über 60 mit dabei sogar.
Laura: Über 60. Wir wachsen. Wir haben zum Beispiel das Themenfeld Demokratie noch
Laura: mit dazu genommen. Das hatten wir am Anfang nicht.
Laura: Viele von diesen neueren Thesen sind tatsächlich noch gar nicht erprobt,
Laura: weil wir, ist mein Eindruck, merken aus diesem 27er-Katalog gibt es Thesen,
Laura: die sehr häufig ausgewählt werden.
Laura: Es macht im Prinzip immer unser Gastgeber, also die Institutionen,
Laura: die wir andocken in Zusammenarbeit mit uns.
Laura: Dann legen wir den Katalog hin und sagen, guck mal, was möchtest du denn besprechen?
Laura: Und wir versuchen immer darauf zu achten, dass es eine Mischung von Themenfeldern
Laura: gibt, weil auch das kann eine Form von thematischer Dominanz kreieren,
Laura: die ein Gefühl im Raum entstehen lässt.
Laura: Also zum Beispiel, keine Ahnung, wenn wir in einem interkulturellen Setting
Laura: unterwegs sind und dann nur Thesen zu Glauben hinstellen, hat es ein Geschmäckle,
Laura: das wollen wir gar nicht kreieren.
Laura: Und das schließt auch manche Menschen aus, für die das nicht anschlussfähig
Laura: ist, weil es nicht interessant ist. Das heißt, wir versuchen immer zu mischen,
Laura: viele Punkte aufzumachen und Spielräume zu öffnen.
Laura: Was wir aber auch mittlerweile machen, ist, wenn ich mit den Respekträumen in
Laura: Unternehmen unterwegs bin, das ist ganz interessant, dass wir da jetzt auch
Laura: eingeladen werden, mit denen entwickle ich unternehmensspezifische Thesen.
Laura: Und das ist super interessant, weil man da erstens merkt, dieses Thesenformulieren
Laura: braucht Übung, sonst sind es nämlich einfach nur offene Fragen oder strategisches Eigeninteresse.
Laura: Ich möchte beim anderen eigentlich bewegen, dass der dann denkt und auch verankert das.
Laura: Und das ist es nicht. Es geht nicht ums Ergebnis.
Laura: Und es aber auch immer wieder wichtig ist, die kommen oft mit einem Problem
Laura: und sich fragt, was wollt ihr denn behandeln?
Laura: Wir haben so Konfliktlinien oder es geht um Rollenbilder, Führungskräfte,
Laura: Teamdynamik und so weiter.
Laura: Und dann versuchen wir immer von dem konkreten Beispiel so weit wie möglich
Laura: raus zu zoomen und auf eine Ebene zu gehen, wo man sagt, wie Meta kann das sein,
Laura: ohne dass es Fantasie ist. Es muss weit sein.
Laura: Es darf nicht auf diese Person hingedacht sein oder auf diesen konkreten Moment,
Laura: weil dann die Leute anfangen, nur den Moment zu problematisieren,
Laura: anstatt sich eben in eine philosophische Ebene zu begeben.
Laura: Und da hast du halt, das unterstreicht deinen Punkt vollends.
Noyan: Ja, wobei, Julian, in dem Punkt, wo du meinst, mit dieser, wenn man jetzt sagt,
Noyan: über Glauben zum Beispiel, dass man nur Themen über Glauben nimmt,
Noyan: da stimmt schon, dass die Inhalte dann doch wieder irrelevant werden.
Noyan: Also die müssen philosophisch sein, die müssen eine gewisse Abstraktionsebene haben.
Noyan: Vor allem, weil wir auch nicht wollen, dass die Leute, also natürlich können
Noyan: Leute auch über tagesaktuelle politische Themen reden, aber das ist ja,
Noyan: es ist einfacher durch diese Abstraktion, dass man schon gar nicht in so eine
Noyan: Konfliktposition reinkommt.
Noyan: Weil ich habe vielleicht schon so eine Meinung zur Rente oder so.
Noyan: Aber zum Begriff der Natur oder der Begriff der Kultur habe ich vielleicht noch
Noyan: gar keine Meinung. und mir noch gar keine Gedanken gemacht. Das heißt,
Noyan: ich muss erstens das Nachdenken kommen.
Noyan: Ich habe keine vorgefertigte Meinung und muss mich irgendwie auf den anderen
Noyan: noch einlassen, der auch eine Meinung dazu hat oder Gedanken dazu hat.
Noyan: Man entwickelt Gedanken zusammen.
Paul: Also geht es eigentlich auch so ein bisschen darum, Standpunkte aus dem tagesaktuellen
Paul: Diskurs damit quasi auszukontern oder zu umgehen?
Noyan: Ja, auf jeden Fall. Beziehungsweise das sind eigentlich gesellschaftliche Grundfragen,
Noyan: über die wir uns im Alltag selten Gedanken machen. Ja.
Noyan: Die sind dabei elementar wichtig. Wir müssen uns als Gesellschaft Gedanken dabei
Noyan: machen. Es funktioniert nicht, wenn wir die einfach die ganze Zeit ignorieren
Noyan: und sagen, das ist nice to have.
Noyan: Und ja, Menschenrechte gibt es irgendwie so, aber was Menschenrechte sind,
Noyan: ist in der Philosophie zum Beispiel unglaublich umstritten. Da gibt es verschiedenste Theorien zu.
Noyan: Und was ganz, also man merkt ja, Respektraum funktioniert auf ganz vielen verschiedenen
Noyan: Ebenen. Laura hat jetzt eher die Kommunikationspsychologische gemacht.
Noyan: Das Problem, oder das ganz, ganz grundlegende Problem, meiner Meinung nach,
Noyan: ist erstmal irgendwie in den Austausch zu kommen.
Noyan: Und dann einen Austausch kommunikativ, also die Sprache und wir haben gar keine
Noyan: gemeinsame Sprache häufig.
Noyan: Also Laura sprach gerade eben davon, dass die Blasen, dass man andere nicht
Noyan: so homogen ist. Wir sind glaube ich gar nicht so homogen, was die Inhalte angeht,
Noyan: weil wir gar nicht bewusst sind, was wir überhaupt sagen.
Noyan: Also wir hatten ja zum Beispiel, also ich habe das gehört bei euch in der ersten
Noyan: Podcast-Folge, war das ja auch Thema, irgendwie was, wir reden über Gerechtigkeit.
Noyan: Was ist denn überhaupt Gerechtigkeit?
Paul: Richtig.
Noyan: Jeder hat ein Verständnis davon, dass man sagt, ja das ist ungerecht oder das ist gerecht.
Noyan: Was heißt das denn überhaupt? Was ist das für ein Begriff? was meinen wir damit?
Noyan: Und wenn ich jetzt mit dir darüber rede, dann hast du vielleicht ein ganz anderes
Noyan: Verständnis von Gerechtigkeit als ich.
Noyan: Wir benutzen den gleichen Begriff, meinen aber ganz verschiedene Sachen.
Noyan: Das heißt, wir sprechen gar nicht die gleiche Sprache.
Paul: Das ist ja, finde ich, bei all diesen großen Begriffen häufig so.
Paul: Und deswegen stellen wir diese Frage auch gerne zu Beginn von unseren Gesprächen,
Paul: weil wir eben auch erleben, dass Menschen diese Begriffe benutzen die ganze Zeit.
Paul: Und man denkt immer, das Gegenüber versteht schon.
Paul: Aber die Flächen, die diese Begriffe belegen in mir und in dem anderen,
Paul: sind vielleicht komplett unterschiedlich.
Daniel: Ich habe bei dem Respektbegriff jetzt auch wieder klar geworden,
Daniel: wie vielschichtig das ist.
Daniel: Also am Ende des Tages, man hätte ja auch das Format Gesprächsraum oder wie auch immer sozusagen.
Daniel: Aber es ist ja wahrscheinlich ganz bewusst auch Respektraum genannt worden,
Daniel: um auch diese Vielschichtigkeit sozusagen aufzumachen.
Laura: Ganz genau. Ja, und um dann noch ein konkretes Beispiel zu nennen,
Laura: es ist für eine Interaktion, finde ich, hochproblematisch, wenn jemand sagt,
Laura: entweder das ist jetzt aber respektlos oder begegne mir respektvoller.
Laura: Das ist so weit. Also da merkt man auch, dass dieses Wort, weil es so vieldeutig
Laura: ist und weil es sich halt nur spürbar und greifbar macht an einem konkreten
Laura: Erleben, es muss runtergebrochen werden an etwas, das handelbar ist für das Gegenüber,
Laura: ganz genau zu wissen, was muss ich tun, wie.
Laura: Damit dieses Empfinden auf deiner Seite entsteht.
Laura: Und ich glaube im Kontext Schule zum Beispiel, da arbeitet Nojan jetzt gerade
Laura: vor allem dran mit unserem neuen Teammitglied Nike,
Laura: das so zu framen, dass das auch für Jugendliche verständlich wird und runtergebrochen
Laura: wird auf etwas, was diese Interaktionsebene dann möglich macht.
Laura: Und das ist auch sozusagen der Goodwill und die Anerkennung und die positive
Laura: Bewertung von unserer Seite.
Laura: Wir sagen immer, jeder ist in der Lage, diese Thesen zu diskutieren,
Laura: weil es nicht darum geht, die sind auf einer bestimmten Flughöhe formuliert,
Laura: aber es geht nicht darum, dass du diese Flughöhe haben musst,
Laura: um darüber sprechen zu können.
Laura: Es geht nur darum, dass du dich frei genug fühlst, dazu erstmal in den Bezug zu treten.
Laura: Und das ist bei Jugendlichen natürlich besonders sensitiv, weil es da viel auch
Laura: um Status gehen kann, um Gesichtsverlust, Peinlichkeiten, Scham und so weiter.
Laura: Und das eben erstmal, da wird der Respektraum, das ist für uns ein total neues
Laura: und super interessantes Feld, der kriegt nochmal eine ganz andere Dimension
Laura: und auch braucht eine ganz andere Grundlage, um das herzustellen.
Daniel: Was sind denn das für Menschen, die beim Respektraum mitmachen?
Noyan: Als Mitarbeitende oder als Teilnehmer eines Respektraums?
Noyan: Jeder. Also sie sind offen, kostenlos. Das heißt, jeder ist herzlich eingeladen, daran teilzunehmen.
Noyan: Was ich in meinem Umfeld gemerkt habe, ich habe letztes Jahr im Sommer einen
Noyan: Respektraum veranstalten in Bonn im Lehrstandsbegegnungsraum. Das war ganz toll.
Noyan: Wir hatten auch eine ganz spannende Erfahrung, die uns viel gelernt hat oder
Noyan: generell auch viel gelernt.
Noyan: Das war der erste Respektraum, der in der Fußgängerzone war,
Noyan: wo auch Leute dann fußläufig uns erreichen konnten, die vielleicht gar nicht
Noyan: irgendwie speziell für uns dahin gekommen sind, sondern die wir vielleicht auch
Noyan: angesprochen haben oder die
Noyan: das irgendwie gesehen haben, wenn Banner von draußen vorne stehen hatten.
Noyan: Aber was ich eigentlich sagen wollte, ist, ich habe in meinem Umfeld die Erfahrung
Noyan: gemacht oder dann abends einen offiziellen Respektraum sozusagen,
Noyan: eine offizielle Veranstaltung auch gemacht.
Noyan: Und aus meinem Umfeld kam teilweise so das Feedback, oh, diskutieren,
Noyan: oh, das wird bestimmt voll anstrengend.
Noyan: Und ich war so, vertraut mir, es wird nicht anstrengend. Und ich glaube,
Noyan: weil halt das Vertrauen in mich dann zu Glück da war, sind die Leute dann auch
Noyan: gekommen. und das Feedback danach war, boah, das war überhaupt nicht anstrengend.
Noyan: Das war ja total angenehm.
Noyan: Das war gar nicht, wie ich mir irgendwie Diskussionen vorgestellt oder wie ich
Noyan: mein Bild von Diskussionen habe.
Noyan: Und ja, es ist, glaube ich, der Raum schafft das wirklich oder das Konzept schafft
Noyan: es wirklich, Menschen das in einer ganz angenehmen, spielerischen Art über,
Noyan: wie gesagt, Sachen zu reden, die uns als Menschen in unserem tiefsten Kern irgendwie beschäftigen.
Noyan: Ja, und das, wie gesagt, spricht eigentlich jeden an. Also jeder hat sich eingeladen
Noyan: und jeder kann kommen. Und wir haben auch ganz viele verschiedene Menschen,
Noyan: die schon an Respekträumen teilgenommen haben.
Daniel: Ihr habt jetzt schon, Entschuldigung, Laura, darf ich da noch was hinzufügen?
Laura: Weil da merkt man eben auch wieder, was Sprache macht, weil Diskurs und Debatte
Laura: und Dialog und Gespräch überhaupt nicht klar genug voneinander getrennt sind im Alltag.
Laura: Wir haben auf unserem älteren Respektraummaterial manchmal noch das Wort Debatte.
Laura: Ich persönlich, das habe ich jetzt nicht mit Gregor abgesprochen,
Laura: aber ich persönlich bin mittlerweile an dem Standpunkt zu sagen,
Laura: wir müssen dieses Wort rausnehmen.
Laura: Und das ersetzen durch, was wir auch drin haben, Dialogräume,
Laura: Gespräche und so weiter.
Laura: Und zwar, wenn man aus der Perspektive der Diskurstheorie guckt,
Laura: dann ist das, was wir da verfolgen, ein optimaler Diskursraum.
Laura: Den stellen wir vielleicht nicht immer her, aber das ist das Ziel. Was heißt das?
Laura: Das heißt, wir versuchen einen Raum zu kreieren, der hierarchiefrei ist.
Laura: Das ist auf Augenhöhe. Das heißt, wir haben eine temporäre Suspendierung von
Laura: Rollen, Positionen und so weiter. Wir versuchen das außen vor zu lassen und
Laura: die Menschen als Menschen anzusprechen und einzuladen.
Laura: Wir haben Zwangfreiheit, das heißt es gilt das Rederecht für alle und wir beobachten
Laura: auch ein kleines bisschen, dass es eine Gleichverteilung von Redebeiträgen gibt,
Laura: damit es da keinen Überhang gibt und so weiter.
Laura: Es gibt aber keine Redepflicht. Man darf auch ein Silent Listener sein.
Laura: Das ist völlig in Ordnung, weil auch das ist Kommunikation.
Laura: Deine Anwesenheit ist schon Kommunikation. Und vor allem versuchen wir das strategische
Laura: Eigeninteresse bewusst zu machen.
Laura: Das kann man nicht lenken, aber strategisches Eigeninteresse meint,
Laura: ich gehe in den Diskurs, aka ich meine damit eigentlich Debatte und Konfrontation,
Laura: weil ich dich von etwas überzeugen will.
Laura: Oder weil ich möchte, dass du deine Haltung änderst. Oder weil du dich so und
Laura: so zu mir verhalten sollst.
Laura: Und auch darum geht das nicht. Und ihr seid kein Debattierclub sozusagen.
Laura: Und das ist ganz wichtig zu framen.
Laura: Das erleben die Leute dann auch gleich. Aber es ist ganz wichtig zu framen,
Laura: weil man da eben, das ist jetzt meine Interpretation, auch merkt,
Laura: dass der Erschöpfungsgrad möglicherweise in unserer Gesellschaft und auch auf
Laura: individueller Ebene ist ziemlich hoch und man hat die Ressourcen nicht mehr dafür.
Laura: Und das bedeutet auch einen bestimmten Grad von Widmung in so eine Konfrontation
Laura: und Debatte reinzugehen.
Laura: Das dosiert man sich stark, wo man das macht und das ist auch okay.
Laura: Und gleichzeitig ist aber eben wichtig, dass wir auf der Beziehungsebene gesamtlich
Laura: Beziehungsebene gesamtgesellschaftlich diese Dialogräume, diese einfachen Begegnungsräume
Laura: haben, wo wir unsere Beziehungsebene pflegen können, auf der ganz einfachen,
Laura: ah du bist du, jetzt kenne ich dich, ich weiß ein bisschen was über dich, das reicht.
Laura: Wir haben einen Bezug zueinander kreiert.
Paul: Das fände ich nochmal total interessant, da kurz nochmal nachzuhaken,
Paul: weil mich nochmal interessiert jetzt, du hast gerade von Schulen gesprochen
Paul: und dass es da andere Reaktionen, Peinlichkeitsempfinden,
Paul: sich Schämen gibt.
Paul: Du hast gerade davon gesprochen, ihr hattet einen Respektraum im öffentlichen Raum.
Paul: Wie schützt ihr diesen Raum?
Paul: Mich interessiert einmal total, wie wichtig ist es, dass es eben eine echte
Paul: Begegnung ist, dass es also nicht online stattfindet, sondern dass sich wirklich
Paul: Menschen physisch gegenüber sitzen.
Paul: Und wie wichtig ist eben die Abwesenheit eines äußeren Blickes.
Paul: Und wie gewährleistet ihr das eben zum Beispiel, wenn Klassen oder größere Gruppen da sind,
Paul: wenn jetzt mehrere Leute untereinander im Gespräch sind, also eine Zehnergruppe
Paul: diskutiert eine These und es beteiligen sich aber nicht alle.
Paul: Du sagst, das ist auch Kommunikation, absolut, Aber es ist eben auch eine Art,
Paul: man performt vor anderen,
Paul: mit denen man in einem sozialen Verhältnis auch steht, vor denen man auch das
Paul: Gesicht nicht verlieren will, indem man vielleicht was sagt,
Paul: was dann komisch aufstößt oder sowas.
Paul: Oder wie habt ihr das im öffentlichen Raum gemacht, dass da nicht eben in der
Paul: Fußgängerzone Leute stehen geblieben sind, wie bei so einer Straßenmusik und
Paul: dann irgendwie zugeguckt haben, wie Leute sich quasi öffnen und entblößen.
Noyan: Also man muss dazu sagen, bis jetzt sind die Respekträume, also die richtig
Noyan: offiziellen Respekträume, alle völlig problemlos irgendwie vonstatten gegangen.
Noyan: Da gab es, bis jetzt zumindest wurde uns das nicht verbal mitgeteilt,
Noyan: keine Grenzüberschreitung irgendeiner Art.
Noyan: Diesen Sicherheitsaspekt haben wir uns für Schulen war uns das besonders wichtig,
Noyan: wobei witzigerweise das Feedback aus Schulen eigentlich immer war,
Noyan: war überhaupt kein Problem.
Noyan: Also teilweise war eher die, von Philosophie-Klassen haben wir häufig bekommen
Noyan: irgendwie, ja war doch alles total klar.
Noyan: Also auch die Thesen, wo ich immer dachte, interessant, okay.
Noyan: Ich fand die jetzt persönlich als Philosoph nicht so klar, aber entspannt.
Noyan: Und das war jetzt gar nicht so das Problem. Das Problem ist natürlich,
Noyan: aber in Schulen glaube ich besonders, weil man sich kennt.
Noyan: Also man hat irgendwie eine Beziehung, die über diesen Raum hinausgeht.
Noyan: Das heißt, ich habe den Respekt genommen. Ich kenne mich davor schon.
Noyan: Es gibt bestimmte Machtdynamiken vielleicht auch schon in diesem Schulraum.
Noyan: Das ist im Arbeitskontext genau der gleiche Fall.
Noyan: Und da gibt es bestimmte Dynamiken, die vielleicht unsicher werden könnten.
Noyan: Und dafür haben wir uns ein Sicherheitskonzept überlegt, das wir für Schulen anwenden.
Noyan: Also die Moderation ist da angehalten, einzugreifen, wir haben ein Fünf-Stufen-Programm,
Noyan: also wenn sozusagen Grenzüberschreitungen passieren,
Noyan: gibt es eine Respektkarte oder hier stimmt gerade was, nicht Karte,
Noyan: die man hochhalten kann auch und dann sozusagen die Moderation auch rufen kann,
Noyan: die dann hilft und auch Verantwortung übernimmt.
Noyan: Es soll auch keine Täter-Opfer-Umkehr stattfinden, dass man immer sagt,
Noyan: wir übernehmen Verantwortung als Raum, als Gemeinschaft für diese Kommunikation.
Noyan: Wobei man auch sagen muss, also Zehnergruppen in einer Diskussion ist selten.
Noyan: Also meistens sind es so Dreier- bis Vierergruppen, weil allein,
Noyan: weil die Redezeit ja 15 Minuten sind, das heißt, bei 15 Minuten Redezeit insgesamt
Noyan: für die Gesprächsrunde wird es bei zehn Leuten,
Noyan: kann ja, also es wird schon schwierig, dass da jeder zu sprechen kommt,
Noyan: deswegen versuchen wir es normalerweise auf Dreier- und Vierergruppen zu erhalten.
Noyan: Genau, das wäre für Schule. Wobei da auch die Schülerinnen natürlich auch lernen sollen, um,
Noyan: Wenn eine Grenzüberschreitung stattfindet, dann muss ich die ja erstmal wahrnehmen.
Noyan: Wie kriegen die Leute hin, dass das überhaupt wahrgenommen wird?
Noyan: Also gerade, wenn ich zurückdenke an meiner...
Paul: Weil sich selbst meinst du?
Noyan: Genau, weil sich selber. Wenn ich jetzt zurückdenke an meiner Jugend mit 13,
Noyan: 14, ich bin mir teilweise gar nicht bewusst, dass da eine Grenzüberschreitung
Noyan: stattfindet. Irgendwas fühlt sich vielleicht komisch an, oder das merke ich erst im Nachgang.
Noyan: Wie können wir das schaffen, dass es sozusagen in dem Moment passiert?
Noyan: Und da versuchen wir sowas wie so ein somatischer Check-in, dass man den Schülern
Noyan: irgendwie beibringt oder zeigt, aber generell, das machen wir auch bei Erwachsenen
Noyan: natürlich genauso, so, dass man versucht darauf zu achten, spüre ich da was in mir.
Paul: Also ich fühle es körperlich.
Noyan: Genau, weil ja und wir versuchen natürlich auch,
Noyan: das ist sozusagen das Setting in der Schule, dass wir im besten Fall erarbeiten
Noyan: sich eine Respektdefinition selber erstmal, dass man sagt, was heißt überhaupt
Noyan: Respekt, dass sich überhaupt diesen Begriff erstmal nähern müssen und bestimmte
Noyan: Respektregeln, die sich auch selber erarbeiten, also als selbstgegebenes,
Noyan: Korsett quasi irgendwie, das aber auch transparent ist, dass ich weiß,
Noyan: okay, wenn ich mich so und so verhalte, dann bin ich erstmal raus oder muss
Noyan: nur zwei Minuten Pause machen oder werde irgendwie unterbrochen.
Noyan: Und ich glaube, das wird für Schulen eigentlich ganz gut funktionieren.
Noyan: Im öffentlichen Raum funktioniert das wieder ganz anders.
Noyan: Also wir hatten eine heftige Situation, es war auch das einzige Mal,
Noyan: dass wir so eine heftige Situation hatten.
Noyan: Das lag aber auch an mir selber, muss ich da gestehen.
Noyan: Und zwar ist es ja so, dass der Respektraum eigentlich voraussetzt,
Noyan: dass jemand freiwillig in diesen Raum eintritt.
Noyan: Und mit diesem Eintreten in diesen Raum, wie sozusagen so eine sinnbildliche
Noyan: Tür irgendwie, durch das Eintreten durch diese Tür in den Respektraum akzeptiere
Noyan: ich diese Regeln, die auch vorher transparent gemacht werden.
Noyan: Ich habe mich in dieser Fußgängerzone dann mit einer unserer Thesen auf so einen
Noyan: Banner rausgestellt und habe dann Leute angesprochen, weil ich versucht habe,
Noyan: Leute in diesen Raum reinzubekommen.
Paul: Ganz kurz, sag mal vielleicht, wie das Setup war. In der Fußgängerzone heißt
Paul: nicht quasi in der öffentlichen Fläche, sondern in einem Gebäude,
Paul: aber so offen mit krank, quasi die Tür steht offen, dass Leute sagen, jetzt verstehe ich.
Paul: Ich habe gedacht, ihr hättet sozusagen, gibt es ja auch diese Formate,
Paul: die man auch viel so aus dem US-YouTuber-Bereich kennt, wo Leute sich wirklich
Paul: sozusagen mitten reinsetzen und sagen, diskutier mit mir oder prove me wrong.
Paul: Also genau das, was du gerade gesagt hast, was ihr nicht wollt.
Paul: Ja, okay, dann verstehe ich das.
Noyan: Und ich habe mich dann rausgestellt mit so einem Banner und habe versucht,
Noyan: Leute anzusprechen. Und ich habe gemerkt, dass viele Leute hatten einfach keine Lust darauf.
Noyan: Klar, wenn sie dann irgendwie beim Einkaufen oder kommen von der Arbeit oder
Noyan: so, dann hätte ich vielleicht auch nicht den Nerv dazu, völlig verständlich.
Noyan: Ein paar haben sich darauf eingelassen, auch mit mir unterhalten,
Noyan: aber meistens nur kurze Interaktionen von wegen, ah, was macht ihr denn interessant?
Noyan: Ah, und habt ihr irgendwie eine Karte oder so? Und mal was rausgegeben.
Noyan: Und ein Mann, das war die These, mit der ich dann draußen stand,
Noyan: hieß irgendwie, wir sind, die habe ich noch auswendig im Kopf,
Noyan: wir sind, das war ein heftig traumatisches Erlebnis, Wir sind emotionale Gruppentiere,
Noyan: die sich für rationale Indualisten halten. Deswegen sind wir so manipulierbar.
Noyan: Und dann kam ein Mann und dann habe ich ihn so angelächelt und dann hat er mich angeguckt und dann...
Noyan: Wirklich mich instant angeschrien quasi, wir sind doch keine Tiere,
Noyan: bist du ein Tier oder was?
Noyan: Und hat dann ein sehr emotionales Plädoyer für das rationale Menschen gehalten.
Paul: Interessant, aus so einer Position raus dann noch rational zu argumentieren.
Paul: Ja, das war ganz spannend.
Paul: Da sieht man wieder mal, dass die Begriffe eben dann auch sogar bei sowas so,
Paul: unterschiedlich empfunden werden und auch so unterschiedlich triggern.
Daniel: Hat er denn den Raum betreten?
Noyan: Nein, nein, das ist nämlich das Problem. Genau, und zwar, ich habe ihn ja damit bedrängt.
Noyan: Also ich habe ihn nicht irgendwie eingeladen, also ich habe natürlich das,
Noyan: also es war kein Respektraum in dem Moment. Ich habe das keinen Respektraum
Noyan: geschaffen irgendwie, in dem er sich begeben hat.
Noyan: Ich habe ihm so ein bisschen die Diskussion aufgedrängt und das war wohl ein
Noyan: Fehler, wo ich so dachte.
Paul: Okay. Durch das Plakat aber.
Noyan: Anscheinend, ja.
Paul: Also du hast ihn nicht angesprochen, sondern er hat quasi, dass sich das geöffnet
Paul: hat und dass er sozusagen schon damit konfrontiert worden ist,
Paul: ohne das zu wollen oder ohne sich darauf, na gut, aber das ist.
Daniel: Weil er hatte ja eine totale Haltung zu der These, ne? Also er wäre wahrscheinlich
Daniel: ein guter Teilnehmer des Respektraums gewesen.
Noyan: Absolut.
Laura: Ich muss dem noch was hinzufügen, weil mir das auch erst über die Jahre richtig bewusst geworden ist.
Laura: Im Coaching würde man dazu sagen, Contracting. Also wir gehen alle,
Laura: die in den Raum reingehen und das inkludiert den Host.
Laura: Wir haben eine Stufe des Contracting, das heißt, wir gehen eine gemeinsame Vereinbarung
Laura: ein für diesen Raum und für die Erhaltung dieses Raumes.
Laura: Durch die Abfolge dieses Spiels, Begrüßung, soziometrische Übungen und dann
Laura: kommt ein ganz wichtiger Punkt, nämlich unsere Tipps verlesen.
Laura: Die Anregung für gelingende Gespräche, die lesen wir einmal laut vor, das ist das Priming.
Laura: Das heißt, wir nennen das Tipps, aber es sind auch Regeln, je nachdem,
Laura: wie wir sie anwenden müssen.
Laura: Und gestern gab es zum Beispiel, ich habe da so ein Training zugemacht,
Laura: da gab es den Hinweis, man könnte dieses Contracting auch verstärken,
Laura: indem man sich tatsächlich ein aktives Kopfnicken von der gesamten Gruppe einholt,
Laura: weil das tatsächlich die Haltung dazu intensiviert und man sich dann im notwendigen
Laura: Fall darauf zurückbeziehen kann und sagen kann, wir sind aber eine Vereinbarung
Laura: zusammen eingegangen. Ich möchte dich daran erinnern.
Laura: Stand heute würde ich sagen, wir brauchen dieses Kopfnicken nicht.
Laura: Der Umstand, dass wir uns da in einem semi-öffentlichen Raum bewegen,
Laura: in dem wir uns tatsächlich auch gegenseitig beobachten, der tut seinen Teil dazu bei.
Laura: Und der sorgt auch dafür, dass die Eskalationsgefahr relativ gering ist.
Laura: Weil wir halt öffentlich auch ein bestimmtes Gesicht wahren wollen und wir sind
Laura: als Menschen latent harmonieorientiert.
Laura: Das heißt, wir suchen auch danach, eben eigentlich die Spannungen in der Gruppe
Laura: auszugleichen und das ist ja genau der interessante Knackpunkt,
Laura: zu sagen, okay, das ist gut, du sollst auch nicht dagegen arbeiten,
Laura: aber beobachte es. Du musst es nämlich nicht.
Laura: Die Beziehungsqualität misst sich an dem Grad der Spannungsfähigkeit.
Laura: Und das Contracting, dass man sagt, okay, wir haben jetzt hier gemerkt,
Laura: vier Leute, vier Positionen, cool, danke für das Gespräch.
Paul: Ja, das ist interessant, weil es sind zwei Elemente, die es auch in der Mediation gibt.
Paul: Also zum einen der Grundsatz der Freiwilligkeit und dann aber auch tatsächliche
Paul: Gesprächsregeln, auf die genauso auch im Zweifelsfall nochmal verwiesen wird.
Paul: Dass wenn geschrien wird oder sowas, dann liegen die da auch aus.
Paul: Und das interessiert mich jetzt schon die ganze Zeit, weil ich jetzt schon immer wieder,
Paul: so eine Art Regeln gehört habe, also Ergebnisfreiheit war gerade was,
Paul: was im Raum war. Du hast gerade noch gesagt 15 Minuten Redezeit.
Paul: Erzähl doch mal einmal ganz kurz vielleicht, was das für Regeln sind,
Paul: weil das ist ja total wichtig.
Paul: Einerseits haben wir jetzt viel über den Raum gesprochen, in dem Menschen zusammenkommen
Paul: und die Thesen, über die dann gesprochen wird.
Paul: Aber wie schafft ihr es denn anhand von Regeln oder anhand von vielleicht auch
Paul: anderen Sachen, dass es wirklich zu einem respektvollen Austausch kommt und
Paul: nicht nach zehn Minuten geschrien wird.
Laura: Ich takte da mal auf. Also dieses laute Verlesen der Tipps und das Priming,
Laura: das damit gemacht wird, das bringt
Laura: die Leute schon in eine bestimmte Verhaltensweise, die die Gefahr dafür,
Laura: dass diese Regeln nicht beachtet werden, sehr, sehr, sehr minimiert.
Laura: Wir machen uns natürlich immer wieder Gedanken dazu, wie kriegen wir es denn
Laura: hin, dass wir auch wirklich ein Auge drauf haben und es ist tatsächlich so,
Laura: dass wir als Host aktuell vor allem durch unsere Haltung im Raum und unsere
Laura: Präsenz und auch den Umstand,
Laura: dass wir dann eben wirklich da sind, kein Telefon,
Laura: sondern wir sind da und wir geben,
Laura: das klingt jetzt vielleicht so ein bisschen schischi, aber es macht einen Unterschied.
Laura: Wir sind mit unserem Körper da, mit unserer Präsenz und Aufmerksamkeit.
Laura: Wir zeigen uns als adressierbar und zeigen aber auch, dass wir ein Auge auf
Laura: alle haben, ohne in deren, in dem Moment ja relativ intime Gesprächsräume reinzugehen,
Laura: es sei denn, wir sehen, dass wir in irgendeiner Form gerufen werden,
Laura: was im Regelfall nicht passiert.
Laura: Dieses Containment in 15 Minuten sorgt halt auch dafür, dass im Regelfall jeder
Laura: mal die Chance hat, ein bisschen was zu sagen und dann ist die Zeit auch schon wieder vorbei.
Laura: Und darum geht es ja. Wir wollen ja erstmal das Fundament für den Brückenbau
Laura: legen. Es geht ja noch nicht darum, dass man dann wirklich ansagt,
Laura: wie gestalten wir jetzt unsere Beziehung.
Paul: Aber was sind denn das für konkrete Regeln? Es gibt Tipps, habe ich jetzt verstanden,
Paul: und es gibt aber auch Regeln.
Laura: Nee, die Tipps sind die Regeln. Wir nennen sie nicht Regeln,
Laura: weil auch Regeln eine potenzielle Gewaltsprache ist, die wir gar nicht machen
Laura: wollen im Raum, sondern eben Einladung und Wärme.
Laura: Deswegen ist es Tipp oder Anregung oder vielleicht auch Vereinbarung,
Laura: wenn es denn notwendig ist.
Laura: Aber kontextabhängig oder situativ können wir das natürlich auch umframen und
Laura: sagen, die Tipps sind aber auch unsere Grundlage.
Laura: Und worum es da konkret geht, sind Anleitungen für gute Kommunikation,
Laura: sowas wie zum Beispiel, berichte sehr gerne von deinen persönlichen Erfahrungen,
Laura: sei vorsichtig damit sie zu generalisieren.
Laura: A.K.A. versuche ich Botschaften zu senden, ich habe erlebt, in meinem Erfahrungshintergrund
Laura: war es so, meine Bedürfnisse sind, das ist auch schon ein sehr hoher Anspruch,
Laura: aber zumindest das erstmal zu verankern.
Laura: Oder achte darauf, dass jeder die Möglichkeit hat, zu Wort zu kommen und dass
Laura: auch Zuhören eine besondere Qualität ist, damit man einfach schauen kann,
Laura: dass bestimmte möglicherweise mitschwingende Machtverhältnisse,
Laura: Gesprächsanteile sich besser umverteilen können.
Laura: Und das ist total wichtig, insbesondere dann, wenn man eben so starke Gefälle
Laura: hat, wo einer immer denkt, ich habe sowieso nicht den Raum, mich äußern zu dürfen,
Laura: dass das sich verschieben kann.
Laura: Oder zum Beispiel auch sowas ganz Schlichtes wie geh rein mit der Absicht,
Laura: etwas zu lernen und nicht zu gewinnen.
Laura: Oder sei neugierig.
Noyan: Was das natürlich unterstützt, ist das Abstraktionsniveau der Thesen.
Noyan: Also das war jetzt wirklich eine starke Meinung dieser Mann zum Beispiel zum
Noyan: Begriff des Tieres oder der Mensch als Tier.
Noyan: Aber in der Regel haben wir nicht so starke Meinungen zu diesen philosophischen Begriffen.
Noyan: Das heißt, es ist eher auch ein von allen Teilnehmenden austarieren und ein
Noyan: verstehen wollen, was meine ich denn mit dem Begriff.
Noyan: Also wie gesagt, wenn jemand zu dieser These 6 zurückkommt, okay Menschenrechte,
Noyan: was sind denn überhaupt Menschenrechte?
Noyan: Habe ich da eine starke Meinung zu? vielleicht, vielleicht zum Begriff der Menschenrechte,
Noyan: ja, habe ich eine starke Meinung zum Begriff der Natur oder zur Kultur?
Noyan: Wahrscheinlich eher nicht. Das heißt, auch das Abstraktionsniveau unterstützt,
Noyan: dass sozusagen der Diskurs nicht eskaliert.
Paul: Und wie kann das dann, weil ja diese Thesen oder diese philosophischen Begriffe,
Paul: über die da gesprochen wird, tatsächlich so ein bisschen neutraler Boden sind, wenn man so will.
Paul: Aber vielleicht ist das auch was für später, es fällt mir nur gerade ein, ja,
Paul: Ich denke, es ist was für später. Ich stelle trotzdem einmal die Frage,
Paul: mich interessiert später dann total, wie das vielleicht gelingen kann,
Paul: diese Erfahrungen, die Regeln, die Anordnung, die Prinzipien,
Paul: die ihr da aufmacht, mitzunehmen in Bereiche, die dann eben nicht mehr ein neutraler
Paul: Boden sind, sondern wo ich schon mit einer emotionalen Aufladung reingehe.
Paul: Aber da können wir dann vielleicht später mal drauf zurückkommen.
Daniel: Das ist wirklich für später. Vielleicht gehen wir nochmal dahin.
Daniel: Sorry. Da wurde es ja gerade gesagt 15 Minuten Containment und dann kommt eine
Daniel: neue These auf den Tisch.
Laura: Dann gibt es die Einladung vom Host. Vielen Dank für die erste Gesprächsrunde.
Laura: Ihr habt jetzt neues Spiel, neues Glück.
Laura: Sucht euch die zweitinteressanteste These. Haltet die hoch und findet im Idealfall
Laura: neue Gesprächspartner. Es geht ja auch darum, dass wir uns ein bisschen kennenlernen.
Laura: So versuche ich das immer zu moderieren. Und man merkt, dass das so ein bisschen Karussell.
Laura: Achtung, Achtung. Das mache ich auch absichtsvoll. Weil ich möchte, dass die Leute lachen.
Laura: Ich möchte, dass es aufgelockert ist. Es ist nicht bierernst.
Laura: Und man kann es auch, wenn man möchte, so framen, zu sagen, das, was wir da machen,
Laura: Echt ungefährlich. Also es ist einfach, es geht nur darum, dass man Zeit in
Laura: diesem Raum miteinander verbringt, die möglichst positiv sein soll.
Laura: Und zwar nicht, weil wir versuchen damit Probleme zu übertünchen,
Laura: sondern weil es wichtig ist, dass wir diese positiven Erfahrungen,
Laura: aka gute Gefühle, schlechte Gefühle, dass wir die verankern,
Laura: dass wir die highlighten und sagen, so kann es sein.
Laura: Und so ist es im Regelfall auch, wenn wir bestimmte Sachen, und dann gehen wir
Laura: in die Reflexion, beachten.
Daniel: Das Übertünchen, wird euch das vorgeworfen?
Laura: Naja, es gibt im Unternehmenskontext, jetzt werde ich da ein bisschen sehr spezifisch,
Laura: aber da muss man ja auch immer ein bisschen pitchen, warum machen wir jetzt sowas?
Laura: Kultur, warum brauchen wir das? Das ist jetzt ein bisschen zu hart,
Laura: aber muss man dafür wirklich Geld in die Hand nehmen?
Daniel: Folge 2, ihr könnt direkt zu Folge 2 springen, weil da beantworten wird.
Paul: Als erstes, fertig.
Laura: Also muss man dafür wirklich Geld in die Hand nehmen und so weiter und so weiter.
Laura: Und hilf mir nochmal mit der Frage, ich habe heute ein Lächel.
Paul: Nee, wir haben dich jetzt aber auch rausgebrochen, das war auch ein bisschen unfair.
Laura: Aber das war interessant, Unternehmen.
Paul: Gibt es nicht eine Regel, nicht unterbrechen?
Laura: Warte.
Daniel: Die Frage war, ist das über Tünchen?
Laura: Genau, doch, über Tünchen. Und die Frage, ja, über Tünchen nicht,
Laura: aber die Frage, die dann immer gestellt wird, ist, ja, aber was ist denn jetzt der Effekt davon?
Laura: Also, ist das denn messbar? Ja, hat das eine Auswirkung auf im Unternehmenskontext
Laura: Performance, Leistungssteigerung, Kollaboration und so weiter?
Laura: Und alles, was ich bisher dazu gelesen habe, sagt ja.
Paul: Natürlich.
Laura: Es hat absolut eine messbare Auswirkung auf die Performance und zwar ganz einfach
Laura: deshalb, weil wir, und jetzt versuche ich es ganz kurz zu fassen.
Laura: Performance in Unternehmen ist gekoppelt an das Maß von zum Beispiel Voice Climate.
Laura: Voice Climate bedeutet, alle Beteiligten fühlen sich berechtigt und frei und
Laura: innerlich gestützt, Dinge äußern zu dürfen.
Laura: Fehler zu melden, nach Hilfe zu fragen, auch Fehler zu machen,
Laura: das ist auch gekoppelt an den Grad von psychologischer Sicherheit.
Laura: Und das setzt aber voraus, dass wir in einer Bezugnahme zueinander stehen, die.
Laura: Hohen Grad von Beziehungsqualität und Bezugnahme hat, Verbundenheit, ja ich habe das Gefühl,
Laura: ich bin vernetzt mit den anderen und dieses Netz ist belastbar,
Laura: das heißt Spannungsfähigkeit und das ist genau das, was wir auf einer ganz,
Laura: ganz kleinen Ebene mit diesem Respektraum einüben.
Laura: Und das kommt natürlich dann zur Geltung, wenn wir es nicht einmal machen und
Laura: sagen, geil, eine Intervention, messbare Erfolge, so läuft das mit Kultur nicht,
Laura: nirgendwo, sondern wenn wir das versuchen kontinuierlich zu machen und immer wieder zu framen,
Laura: wir gehen, verwenden diese Analogie, wir gehen in die Faszien,
Laura: wir arbeiten nicht mit den Muskeln, wir trainieren nicht den Bizeps.
Laura: Das ist das Ergebnis davon, dass wir die Faszien im Fuß behandeln,
Laura: die ein Netzwerk bilden um den ganzen Körper und wenn du da unten Verspannungen
Laura: hast, drückt sich das in der Schulter aus und du behandelst die Schulter,
Laura: aber das ist nicht das Problem.
Laura: Da unten musst du ran. Und eben diese ganzen Faszien weich zu machen,
Laura: weil die tatsächlich im Sinne des Körpers, die sind auch der Spannungs- und Kraftüberträger.
Laura: Das heißt, die sind wirklich relevant dafür, dass wir überhaupt in Leistungs-Performance-Steigerung
Laura: kommen können, dass die Muskeln irgendwas tun können.
Paul: Und das Bild mit dem Bizeps ist ja auch nicht mal falsch, um das zu vermitteln,
Paul: weil auch den trainiert man nicht in einer Session.
Paul: Also das ist auch wieder und wieder und muss man sich in das Studio quälen,
Paul: bevor man irgendwas sieht und fühlt.
Daniel: Jetzt haben wir Schule schon gehört, wir haben öffentliche Räume schon gehört,
Daniel: wir haben Unternehmen schon gehört.
Daniel: Wie wählt ihr denn aus oder wie findet ein Respektraum sozusagen statt?
Daniel: Also was sind da so die Gegebenheiten?
Noyan: Also normalerweise entweder kommen Initiativen auf uns zu, dass sie sagen,
Noyan: wir haben von euch gehört, wir finden euer Konzept toll oder ich habe teilgenommen
Noyan: an einem Konzept, ich würde das gerne selber veranstalten.
Noyan: Wie mache ich das? Und dann unterstützen wir diese Organisation dabei,
Noyan: dass sie diesen Respektraum veranstalten kann.
Noyan: Das kann sein in Form von Thesen, in Form von Material, in Form von Moderationen,
Noyan: die dann dahin geht und das mit den Gruppen macht, die vor Ort sind.
Noyan: Oder auch Schulung von Moderationen, was Laura auch schon gemacht hat.
Paul: Das kann also auch ohne euch passieren. Ja, auf jeden Fall.
Laura: Unbedingt sogar. Das war die Uridee, dass es eben so niedrigschwellig und einfach
Laura: ist, dass im Prinzip jeder das machen kann.
Laura: Und dann kann man das natürlich, wenn man sehr granular werden möchte,
Laura: ein bisschen sozusagen ausdehnen und in die Details gehen und sagen,
Laura: wir bilden aber Hosts aus, weil wir dann zum Beispiel diesen Hintergrund zur
Laura: Wirkweise nochmal versuchen zu stabilisieren und auch sehr,
Laura: sehr klar zu framen, Achtung, es geht nicht um Ergebnisse.
Laura: Es geht nicht um Ergebnisse.
Laura: Primet die Leute so, dass sie nicht nach Ergebnissen suchen auch.
Laura: Das gehört dann alles damit rein.
Laura: Aber im Regelfall ist es im Prinzip so, dass man zumindest in öffentlichen Bereichen,
Laura: Leute, die auch Freiwilligkeit, ein Interesse daran haben, die holen sich das
Laura: Material, die holen sich die Spielanleitung, die gibt es auch auf unserer Webseite
Laura: und wenn nicht da, dann zumindest in unserem Verein.
Laura: Da steht alles drin, was man braucht und wie es läuft. Off you go, have fun.
Paul: Aber erzähl nochmal weiter, Nullian.
Noyan: Achso, ja, oder es gibt Mitglieder vom Verein, die sagen, ich habe da eine,
Noyan: also wie gesagt, in Bonn zum Beispiel letztes Jahr, es gibt den Lehrstandsbegegnungsraum
Noyan: in Bonn, das ist ein Verbund von Menschen, die versuchen, Lehrstand in der Stadt
Noyan: zu nutzen, indem sie eben,
Noyan: gesellschaftlichen Raum, dritten Raum versuchen zu schaffen in der Stadt und
Noyan: ich habe das gesehen, bin da vorbeigelaufen und dachte, boah,
Noyan: das ist ja fantastisch, das ist ja, also er eignet sich ja super für einen Respektraum.
Noyan: Habt ihr ihn angeschrieben und dann haben wir einen Respektraum möglich gemacht,
Noyan: also das gibt es auch, also das sind die beiden Wege, wie eigentlich Respekträume sozusagen.
Daniel: Also ich gestehe jetzt einfach, wenn ich sage, ich möchte hier einen Respektraum
Daniel: sozusagen machen, dann könnte ich mich an euch wenden und ihr würdet mich dann
Daniel: mit dem Know-how, was ihr habt, unterstützen, vielleicht sogar einen Host zur
Daniel: Seite stellen. Verstehe.
Noyan: Genau. Materialien würden wir auch wahrscheinlich dann zur Verfügung stellen.
Daniel: Ihr seid ja wie so eine Graswurzelbewegung. Da ist ja schon für mich so die
Daniel: Frage, wie bringt man das in die Fläche? Also wie sorgt man sozusagen dafür,
Daniel: dass in einer, ja es geht ja bei euch darum, dass Menschen sich wirklich begegnen.
Daniel: Also das Digitale schließt ihr ja sozusagen aus. Da können wir vielleicht gleich
Daniel: auch nochmal was zu sagen.
Daniel: Wie bringt man das in die Fläche, dass so viele Menschen wie möglich sich sozusagen
Daniel: wirklich begegnen? Das ist wahrscheinlich ein großes Thema.
Laura: Ja, darf ich? Ja, bitte.
Daniel: Du willst.
Laura: Ich will auch. Ja, aber das ist mein Schmerzthema ein kleines bisschen. Aber nicht schlimm.
Laura: Als wir 2018, 2019 angefangen haben, das Konzept zu entwickeln,
Laura: da hatten wir eigentlich eine Strategie, auch eine Kommunikationsstrategie,
Laura: die war auf Gesamtdeutschland angelegt.
Laura: Und die war natürlich auf der Basis, dass wir Fördermittelakquise machen und
Laura: dann aber auch Fördergelder bekommen.
Laura: Und wir wissen alle, wie das ist bei Kulturprojekten. du beantragst,
Laura: 150 Prozent. Real kriegst du 30.
Laura: Die sind dann auch noch zweckgebunden. Und dann versuchst du damit irgendwas
Laura: hinzukriegen, was die Projektziele aber so erfüllt, dass du dann am Ende auch
Laura: die Förderwürdigkeit behältst.
Laura: Das geht schon meistens nicht.
Laura: Und das war eine interessante Idee, weil wir gesagt haben, wir möchten in alle
Laura: Himmelsrichtungen gehen.
Laura: Das heißt, wir suchen uns Multiplikatoren, Partner, Norden, Süden,
Laura: Osten, Westen, die mit uns so einen Respektraum machen, mit einer größtmöglichen
Laura: Gruppe und die selber ihre Kommunikation, weil wir als Verein,
Laura: wir waren ja No-Name, keiner kannte uns,
Laura: deren Kanäle nutzen, um dafür Promotion zu betreiben und vielleicht auch einen
Laura: Medienpartner zu finden.
Laura: Amelie Fried zum Beispiel hat uns mit einem Testimonial unterstützt.
Laura: Ein guter Freund von mir, Erich Thies, der Staatssekretär AD,
Laura: hat ein Testimonial hinterlassen.
Laura: Sabin Tambrea, ein Studienkollege von mir, mittlerweile sehr berühmter Schauspieler
Laura: in Deutschland, hat ein Testimonial hinterlassen.
Laura: Also wir hatten auch ganz gute Fürsprecher. Ich sehe Kopfnicken.
Laura: Liebe Grüße, Sabin, falls du diesen Podcast hörst.
Daniel: Grüße gehen raus.
Paul: Er kann den auch gerne mal teilen.
Laura: Ja, genau.
Daniel: Absolut.
Laura: Ich frage ihn.
Laura: Und dann ist aber Folgendes passiert. Wir haben uns um diese ganzen Fördergelder
Laura: beworben und wir haben tatsächlich nur eins bekommen für Büromaterial in der
Laura: Höhe von 500 Euro, wofür ich mich nochmal herzlich bedanken möchte.
Laura: Aber das hatte natürlich überhaupt keine Dimension, mit der wir irgendwas anfangen konnten.
Laura: Und dann kam Corona. Und das hat unserem Konzept erstmal wirklich die absoluten
Laura: Türstopper davor gesetzt, weil wir dann handlungsunfähig waren.
Laura: Das heißt, wir haben eigentlich erst seit 2022 ungefähr angefangen,
Laura: aus unserem eigenen Bemühen heraus, selber rauszugehen, Kaltakquise zu machen.
Laura: Ich über meine Kulturakteur-Netzwerke, ich habe viele Freunde,
Laura: die mittlerweile auch in Führungspositionen sind, in Kulturinstitutionen und
Laura: so weiter, wo ich natürlich, die kennen das Format, ich kenne die,
Laura: wir versuchen irgendwie uns zu unterstützen, zusammenzuarbeiten.
Laura: Aber deswegen hatte ich vorhin auch schon gesagt, das ist Hörensagen.
Laura: Es hat sich wirklich sukzessive, immer hier ein bisschen, da ein bisschen.
Laura: Und der tatsächlich bis jetzt vielleicht größte und überraschendste Schritt
Laura: war, dass durch Zufall meine Vorgesetzte an der ESMT über mich auf dieses Format
Laura: aufmerksam geworden ist.
Laura: Und die geniale Idee hatte zu sagen, aber wieso, das ist doch auch für Unternehmen relevant.
Laura: Und seitdem sprechen wir darüber, das heißt die ESMT ist jetzt auch ein bisschen
Laura: unser Kooperationspartner, weil sie die Tür dahin öffnen können.
Laura: Aber wir haben tatsächlich...
Laura: Bis jetzt, Nojan macht unseren Instagram-Kanal, macht mittlerweile auch LinkedIn.
Laura: Das heißt, wir versuchen darüber so rauszukommunizieren, aber wir haben Stand
Laura: heute keine Strategie zu sagen, so möchten wir an die Leute rantreten und uns bekannt machen.
Laura: Ich weiß auch gar nicht, ob das wirklich funktioniert. Ob das nicht diesen Grad
Laura: von Freiwilligkeit unterminieren würde.
Paul: Es geht ja erstmal darum, ein Angebot zu machen und ein Verständnis dafür zu
Paul: schaffen, warum vielleicht was einen Wert hat.
Noyan: Das ist ein guter Punkt, da wollte ich mich gerade einhaken.
Noyan: Es ist unglaublich schwer, den Wert davon zu vermitteln.
Noyan: Also wir machen immer wieder die Erfahrung, die Leute sind vorher so ein bisschen
Noyan: skeptisch, manchmal, also ein paar, manche sind auch sehr begeistert von Anfang
Noyan: an und im Nachgang sind 99% Leute, wow, das war richtig cool,
Noyan: das war eine geile Erfahrung. Wann ist der nächste Raum?
Noyan: Ähm dieses Gefühl empfinden wir auch immer wenn wir teilnehmen,
Noyan: also mein erster Respektraum auch ganz besonders ähm,
Noyan: Aber wie bringt man das den Leuten bei, dass man sagt, das ist eine ganz,
Noyan: ganz besondere Erfahrung und ihr könnt die machen, das auf eine ganz,
Noyan: ganz einfache Art, aber das zu vermitteln ist unglaublich schwierig,
Noyan: aber es ist nicht so einfach.
Laura: Ja und es ist natürlich in diesem leichten Hype, in dem wir uns vielleicht befinden,
Laura: alles ist immer super, das ist richtig toll, das musst du machen und so weiter,
Laura: das führt bei mir eigentlich eher zu Reaktanz.
Laura: Weil ich dann denke, ich habe, überlass mir das bitte zu bewerten,
Laura: wie toll ich das finde und so weiter. Je stiller etwas ist, umso attraktiver finde ich es.
Laura: Das heißt natürlich nicht, dass es stumm ist, sondern einfach still.
Laura: Und ich meine, gut, es ist eine Kombination. Es ist vielleicht ein bisschen
Laura: Haltung und es ist aber natürlich auch ein bisschen einfach Kapazitätsfrage.
Laura: Weil wenn jetzt eine Stiftung um die Ecke kommt, hallo, hallo,
Laura: und uns einfach 20.000 Euro gibt und zu sagen, wir machen jetzt eine Marketingkampagne,
Laura: dann bitte gerne. Weil haben wir noch nicht probiert.
Laura: Ich möchte gerne auch erfahren, was das mit dem Format macht.
Daniel: Was ist denn, du hast gerade gesagt, dass Teilnehmer sagen, das ist eine besondere Erfahrung.
Daniel: Was ist aus deiner Perspektive denn das Besondere daran?
Noyan: Also das Besondere, ich kann ja mal von meiner ersten Erfahrung durchgehen. Das war in Köln.
Noyan: Ich habe dann über das Studierendenwerk diese Stellenanzeige gesehen von Respektraum und mich beworben.
Noyan: Und da hat man ein wunderschönes Gespräch mit Ulrich Post und Gregor Siegenkonten.
Noyan: Und dann habe ich diesen Job angetreten und ich war so, ich habe ja noch nie
Noyan: daran teilgenommen und ich würde unglaublich gerne mal dann teilnehmen,
Noyan: um das Konzept auch richtig zu verstehen, weil ich, also Gregor hat mir das
Noyan: zwar dann erklärt, wie das alles funktioniert und so, aber,
Noyan: ja, das ist ja nur eine Erzählung, ich komme mir noch nicht 100% darunter vorstellen,
Noyan: was ist das überhaupt genau und dann bin ich nach Köln gefahren,
Noyan: und da gab es einen Respektraum und ich bin hingekommen und ich kannte eigentlich
Noyan: keinen, also ich habe Gregor da das erste Mal live kennengelernt und Ulrich
Noyan: war auch da und Uli dann auch live kennengelernt,
Noyan: und Und dann fing die Moderation an, soziometrisches Spiel und ich habe gedacht,
Noyan: okay, das sind wildfremde Menschen, wie wird das jetzt hier?
Noyan: Und Thesen erst mal vorher ein bisschen durchgelesen noch und dann füllte sich
Noyan: der Raum und dann ging das los.
Noyan: Und ich ging dann an einen Tisch, wo eine These stand, die mich interessierte,
Noyan: die ich vorher schon gesehen hatte.
Noyan: Und ich habe zum Glück nicht gesagt, wer ich bin oder was ich mache.
Noyan: Ich habe mich nur mit Vornamen vorgestellt und alle anderen am Tisch auch.
Noyan: Und das war eine unglaublich coole Erfahrung und das empfehle ich mittlerweile
Noyan: auch immer allen, die an Respekträumen teilnehmen.
Noyan: Weil die Personen stehen dann nicht so im Vordergrund. Und ich habe auch kein
Noyan: Autoritätsargument. Ich sage nicht, ich bin der Chef von so und so oder ich
Noyan: habe das studiert und sonst irgendwas gemacht.
Noyan: Oder meine Expertise daraus. Ich bin da nicht Experte. Ich bin da als Mensch
Noyan: mit anderen Menschen, die sich über menschlich relevante Themen unterhalten.
Noyan: Und dann habe ich, ich komme aus der Philosophie und habe dann schon gedacht,
Noyan: okay, zu der These hast du irgendwie Ideen und dann kannst du über die Ideen mal reden.
Noyan: Ich bin dann da hingegangen und habe dann ein anderer Mann irgendwas dazu gesagt
Noyan: und ich dachte, boah, ich wäre nie auf die Idee gekommen.
Noyan: Ich habe nie im Leben, hätte ich diesen Gedanken mit dieser These verbunden, wie cool ist das denn?
Noyan: Eine ganz andere Perspektive, als ich die habe. Völlig.
Noyan: Ich hätte 100 Stunden drüber nachdenken und ich wäre nicht drauf gekommen.
Noyan: Und im Nachhinein habe ich mich ein bisschen geschämt sogar,
Noyan: wo ich so dachte, was für eine Arroganz bist du da hingegangen,
Noyan: dass du irgendwie dachtest, du wirst da nicht überrascht.
Noyan: Also dass du nicht irgendwie diese krasse Erfahrung machen wirst vielleicht.
Noyan: Und es war für mich auch ein super krasses Learning, dass ich gesagt habe,
Noyan: jeder Mensch hat irgendwie eine coole Perspektive und irgendeinen anderen Blickwinkel
Noyan: da drauf. Und jeder Mensch sieht das anders als du.
Noyan: Und du kriegst diesen Blickwinkel nur Zugang dazu, wenn du darüber redest.
Noyan: Und wir geben eben diesen Raum, um darüber zu reden und diese Blickwinkel kennenzulernen.
Noyan: Und das ist eine unglaublich berührende und, ja, ich kriege Gänsehaut,
Noyan: wenn ich drüber rede, also es ist wirklich eine super intensive Erfahrung.
Laura: Ja, ich kann das unterstützen, was ich so beobachtet habe. Ich sage immer rote
Laura: Bäckchen dazu, aber was es meint ist, ich erlebe, dass die Leute euphorisiert sind.
Laura: Die sind euphorisiert dadurch, dass sie zusammen sind, ganz einfach.
Laura: Die sind euphorisiert durch die Qualität der Gespräche und die sind vor allem vielleicht auch,
Laura: unreflektiert, euphorisiert darüber, dass sie Anerkennung erfahren und dass
Laura: es total in Ordnung ist, dass sie das teilen können.
Paul: Also wir Ich will jetzt teilnehmen.
Paul: Ja, ich will gerne teilnehmen, unbedingt. Und ich habe aber auch das Gefühl,
Paul: weil wir ja in eine sehr ähnliche Richtung denken, wir sprechen immer von der
Paul: empathischen Erfahrung, die sich sozusagen selbst reproduziert,
Paul: in dem Moment, wo man sie macht.
Paul: Macht sie was mit einem und das kann man auch wieder raustragen.
Paul: Und das ist natürlich, du hast jetzt gerade danach gefragt, wie kann man sowas vermitteln?
Paul: Wahrscheinlich am besten, indem man es erlebt, aber ja möglicherweise nicht
Paul: nur in Form von einem organisierten, geschützten Respektraum mit Thesen und
Paul: Moderation, weil den Respekt kann man ja auch so raustragen in jedem Moment eigentlich.
Paul: Und da sozusagen, ohne es zu benennen, Werbung für diese zwischenmenschliche
Paul: Erfahrung, die es ja letztlich ist, die da so euphorisierend wirkt, irgendwie werben.
Paul: Ich würde gerne nochmal kurz fragen, weil du gerade deinen Hintergrund in der
Paul: Philosophie erwähnt hast und Laura, du bist ja auch Schauspielerin.
Paul: Das sind jetzt ja zwei unterschiedliche Richtungen, aus denen ihr in diesen
Paul: Verein kommt und die Respekträume macht.
Paul: Und man merkt, finde ich, auch so ein bisschen, wenn man euch zuhört,
Paul: wie ihr so sprecht, dass es da eben unterschiedlichen Hintergrund gibt.
Paul: Wie helfen euch denn eure jeweiligen Herkunftsberufe? Weil, also zumindest bei
Paul: Schauspielerei, Daniel und ich haben ja auch Wurzeln im Film,
Paul: da geht es ja sehr stark darum, sich eben auch in andere einzufühlen,
Paul: bis hin sich in ganz fremde Menschen, die dann vielleicht fiktional nur sind,
Paul: aber trotzdem einzufühlen, die.
Paul: Gefühle, Verhaltensweisen und so weiter auch sozusagen für sich zu übernehmen,
Paul: das kann ich mir schon vorstellen, dass das irgendwie die Empathie,
Paul: die man da für andere braucht, dass dir das da auch hilft.
Paul: Aber wie wirkt das sozusagen bei euch beiden aus euren doch gegensätzlichen
Paul: oder unterschiedlichen Richtungen her?
Noyan: Also aus einer philosophischen Perspektive ist ja das, also das Auseinandersetzen
Noyan: mit Gedanken ist ja ganz zentral.
Noyan: Also ist ja eigentlich Ideengeschichte in einem gewissen Sinne der Philosophie.
Noyan: Also wir setzen uns mit verschiedenen Gedanken über die Historie zu eben diesen
Noyan: ganz zentralen Fragen auseinander und das Gleiche machen wir im Respektraum
Noyan: auch, also zumindest auf einer inhaltlichen Ebene.
Noyan: Kommt einem das eigentlich schon zugute, weil man natürlich durch die Philosophie schon geschult ist,
Noyan: Theorien oder Gedanken auszuhalten, die schon eher schwierig sind oder vielleicht auch mal über das,
Noyan: was man sonst normal über Sachen denkt, hinausgeht oder auch Konflikt sowieso
Noyan: auszuhalten, weil es gibt immer Konflikt zwischen verschiedenen Theorien und
Noyan: wo es eine Theorie gibt, gibt es immer eine Gegentheorie oder fast immer eine Gegentheorie,
Noyan: das heißt diesen argumentativen Konflikt.
Noyan: Dissens, das auszuhalten, ist.
Noyan: Ja, bread and butter irgendwie der Philosophie. Deswegen ist das für mich dann
Noyan: vielleicht gar nicht so schwierig, aber es ist unglaublich schön,
Noyan: das so erleben zu können dann im Alltag.
Noyan: Also natürlich kann ich ein Buch lesen, ein philosophisches Buch und habe dann
Noyan: irgendwie eine Theorie und dann lese ich ein anderes philosophisches Buch und
Noyan: dann habe ich eine andere Theorie.
Noyan: Aber diesen Austausch mit Menschen, der fehlt natürlich im Alltag.
Noyan: Also da habe ich vielleicht in philosophischen Seminaren oder wenn ich jetzt
Noyan: zu einem Vortrag gehe und sage, ich habe da irgendwie andere Philosophinnen
Noyan: und Philosophen, mit denen ich mich unterhalten möchte.
Noyan: Aber ja, also Respektraum macht das wirklich sehr niedrigschwellig für alle möglich.
Laura: Ich glaube, was total schön ist in unserem Team und zwar sowohl in dem Team,
Laura: das am Anfang in dieser Entwicklung beteiligt war, namentlich Gregor,
Laura: Uli, Lisa und ich und das Team, wie es jetzt ist.
Laura: Wir haben sehr unterschiedliche Hintergründe und damit auch sehr unterschiedliche
Laura: Kompetenzen, die aber auch unterschiedliche Bereiche dessen abdecken und dafür
Laura: sensibel sind, was dieser Raum braucht, damit er entstehen kann.
Laura: Und Gregor zum Beispiel hat eben eine unglaubliche Stärke in dieser sehr sensiblen
Laura: Formulierung der Thesen, sowohl in dem rationalen Gedankenraum als auch in dem,
Laura: wie kriege ich es formuliert.
Laura: Uli hat da sehr stark sekundiert und war auch immer mit seinem Netzwerk, da war bei der,
Laura: Welthungerhilfe in einer höheren Position und der hat uns sehr stark auch mit
Laura: seinem Netzwerk unterstützt und immer wieder mit Reflexion und Lisa und ich
Laura: hatten eben als Kulturakteurinnen und Schauspielerinnen die Kompetenz eher bei
Laura: Gruppendynamik und Moderation,
Laura: und Projektentwicklung so ein bisschen über welche Förderadressen und so weiter,
Laura: aber das lassen wir jetzt mal außen vor und das ist eben unglaublich gut zusammengeflossen
Laura: und da hat auch Gregor den Ball auch immer sehr stark an uns rüber gespielt
Laura: und gesagt, das kann ich nicht so gut, das möchte ich auch ungern machen.
Laura: Ich verstehe das total, weil tatsächlich diese Moderation, das Hostsein,
Laura: das setzt eine gewisse, wie soll ich das sagen, es setzt eine Haltung voraus,
Laura: die ist gekoppelt an ein kleines bisschen Energie und an die Selbstermächtigung,
Laura: sich jetzt in eine bestimmte Form von Raum zu nehmen. Sagen wir mal so.
Laura: Und das muss man wollen. Das ist so ein bisschen wie aka, du musst auf die Bühne gehen wollen.
Laura: Du musst dich in die Mitte des Raums stellen und sagen, so Leute,
Laura: herzlich willkommen, let's get together, ich bin euer Host, da sind die Getränke
Laura: und jetzt fangen wir an und so weiter.
Laura: Und das ist, das mag Gregor nicht so gern und hat das super gerne an uns abgegeben
Laura: und wir sind Rampensäuer, wir machen das besonders gerne, also haben wir das
Laura: dann übernommen und das ist tatsächlich,
Laura: das hat einfach unglaublich gut zusammengewirkt und harmoniert und jetzt wird
Laura: das noch erweitert und ergänzt durch Nojan und durch deine philosophische Kompetenz
Laura: und durch zum Beispiel die Argumente, die du wie jetzt vorhin auch eingebracht
Laura: hast und jetzt neuerdings eben auch durch Nike,
Laura: die glaube ich nochmal mit einer ganz besonderen Sensibilität reinkommt,
Laura: wenn es zum Beispiel um das Spektrum Intersektionalität geht,
Laura: also Verschränkungen von Räumen, die Ungerechtigkeiten aufmachen können oder
Laura: Dominanzen und so weiter.
Noyan: Die kommt aus den Konfliktstudies und deswegen ist es natürlich prädestiniert auch für Konflikt.
Noyan: Wobei man sagen muss, die hat natürlich immer auch hauptsächlich den Konflikt
Noyan: im Vordergrund. Wo man ja sagen muss, so viel Konflikt haben wir jetzt zum Glück nicht.
Noyan: Also da muss man auch mal aufpassen, dass man sagt, okay, wir müssen nicht den
Noyan: Konflikt zu sehr in den Vordergrund stellen, sondern dass man sagt,
Noyan: wir versuchen für den Konflikt vorbereitet zu sein, aber das ist nicht unser,
Noyan: Hauptziel, ist nicht Konflikt.
Noyan: Also zumindest nicht Konflikt im Sinne von argumentativer Konflikt.
Paul: Genau, innerhalb des Respektraums nicht, aber ihr adressiert ja schon eine Konfliktsituation,
Paul: eine Spaltungssituation und genau,
Paul: darüber nachzudenken, wie man da überbrücken kann, ist ja dann vielleicht auch
Paul: sozusagen da total angesiedelt in Konfliktstudies.
Noyan: Ja.
Paul: Du hast gerade viel von Kompetenzen gesprochen und ich würde gerne nochmal sozusagen
Paul: den Blick so ein bisschen dahin richten, was brauchen denn Menschen für innere
Paul: Kompetenzen, um Respekt haben zu können?
Paul: Und das meine ich jetzt gar nicht in Bezug auf konkrete Tipps oder Regeln für
Paul: Formate oder sowas, sondern wie kann das innerlich gelingen,
Paul: dahin zu kommen, sich respektvoll zu verhalten?
Noyan: Also wir haben da auf der Fahrt hierhin noch darüber diskutiert,
Noyan: das war ganz spannend, weil Laura sprach davon, dass sie meinte,
Noyan: ich brauche den Selbstrespekt auch für den Respekt des Anderen,
Noyan: weil ich muss irgendwie auch innerlich Grenzen setzen können.
Noyan: Also ich glaube, eine Grenz empfinden, also empfinden für wo sind meine Grenzen
Noyan: und wo sind die Grenzen des Anderen, das sind glaube ich ganz relevante Aspekte,
Noyan: wo ich aber meinte, für mich ist Respekt irgendwo auch eine Unterwerfung unter
Noyan: den Anderen, bis zu einem gewissen Grad.
Noyan: Wenn ich respektvoll handeln möchte muss ich beim anderen sein das kann anderer
Noyan: Menschen, das kann natürlich auch auf andere Dinge kann man das übertragen in
Noyan: einer der Podcast-Folgen zum Raum ging es auch immer den Respekt vor dem Ort oder so oder der Natur,
Noyan: wie kann ich mich respektvoll dieser Person gegenüber verhalten ich muss bei
Noyan: der anderen Person sein ich muss mich dem quasi gewisser Form unterwerfen,
Noyan: dass ich sage, was sind seine Bedürfnisse also was braucht der andere in dem Moment,
Noyan: Und gebe mich in dem Moment natürlich für ein kleines bisschen auf.
Noyan: Also da stehen meine Bedürfnisse erstmal nicht im Vordergrund.
Daniel: Da gehst du erstmal in eine Vorleistung.
Noyan: Genau, auf jeden Fall. Bis zum gewissen Grad. Und da ist dann wohl Lauras Punkt,
Noyan: wo ich dachte, Laura, wie meinst du das denn mit dem Respekt für mich selber? Warum?
Noyan: Und dann hast du das ganz gut eingefangen, dass es schon auch Grenzen hat.
Noyan: Dass ich sage, es ist nicht eine komplette Aufopferung, dass ich komplett für
Noyan: den anderen da bin und mich selber komplett vergesse.
Noyan: Aber für einen kleinen Moment ist das schon so ein bisschen so.
Laura: Ja, genau. Also ich versuche es so konkret wie möglich zu machen.
Laura: Ich stelle mir immer vor, was ist mit Menschen, denen es aus irgendeinem Grund
Laura: schwerfällt, bei dem anderen zu sein.
Laura: Und das kann ja auch sein, ich habe Erfahrungen gemacht, die haben mir bewiesen,
Laura: es ist sicherer nicht beim anderen zu sein und bei mir zu sein.
Laura: Und dann ist, glaube ich, erst mal wichtig, in diese Sensitivität reinzukommen,
Laura: die damit anfangen kann zu sagen, was ist denn mein Respekt vor mir selber,
Laura: wo setze ich meine Grenzen?
Laura: Aber mit dem erhöhten Komplexitätsgrad zu sagen, du darfst das,
Laura: das ist sogar deine Aufgabe dir selber gegenüber,
Laura: du musst dir aber auch bewusst sein darüber, dass du, wenn du das dem anderen
Laura: vermittelst, du das auf eine Art machen musst, dass er damit umgehen kann und
Laura: dich so bedienen kann, so in die Passung mit dir gehen kann, dass es für dich stimmt.
Laura: Weil wenn du sagst, ich will den Respekt und dann gibst du das auf eine Art
Laura: und Weise raus, die halt das Gegenteilige erzeugt.
Laura: Also das liegt auch an dir. Es liegt nicht nur am anderen.
Laura: Und mein Aktionsradius, ich denke mal, es ist wirklich der Versuch,
Laura: sich einfach selber an die eigene Nase zu fassen und bei sich anzufangen.
Laura: Das ist der erste Schritt, aber es ist natürlich auch wahr und da wird es vielleicht
Laura: sogar ein bisschen grenzspirituell, dass man sagt, wenn ich ganz beim anderen bin,
Laura: also wenn ich diese Ego-Fixierung da erstmal total auflöse und nur beim anderen
Laura: bin, dann bin ich ja damit auch bei mir.
Laura: Weil das Sorgen um den Anderen, so weit kann man ja auch gehen,
Laura: dieses Sorgen um den Anderen erzeugt ja etwas, das auch auf mich zurückwirkt.
Laura: Und das ist die Empathie, die ihr meint.
Paul: Total. Und das ist auch, glaube ich, das, warum ich gerade bei diesem Begriff
Paul: Unterwerfung so ein bisschen reagiert habe, weil ich eben auch das Gefühl habe,
Paul: dass es eigentlich fast zu negativ klingt.
Paul: Ich verstehe, glaube ich, was du meinst und dass es eben auch um so eine Öffnung
Paul: geht und eine Hinwendung, eine Zuwendung, eine Einfühlung, auch mal eine vorbehaltslose
Paul: Annahme davon, dass jemand ganz anders ist als man selbst.
Paul: Und genau, aber ich finde es eben auch ganz wichtig, dass man eh nie aufhört,
Paul: auch bei sich zu sein, weil es unter anderem ja auch genau diesen Effekt hat,
Paul: den du gerade beschreibst.
Paul: Also ich finde es eben auch eine sehr schöne Erfahrung, wenn das gelingt,
Paul: zu sagen, ich kann mal richtig zuhören.
Paul: Ich verliere mich da ja nicht durch. Ich bin ja nicht weg.
Laura: Ja, und es ist natürlich auch immer so eine Frage von, es bedingt sich gegenseitig.
Laura: Also die Ego-Fixierung und die Ego-Auflösung, es bedingt sich gegenseitig und
Laura: es ist aber unauflöslich paradoxal miteinander verbunden.
Laura: Und das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen.
Laura: Deswegen nur eins davon raus zu kristallisieren, oder dann zu sagen,
Laura: das musst du machen, ist auch eine absolute Übervereinfachung und stimmt auch nicht für jeden.
Paul: Ich glaube, so meinte ich es auch gar nicht mit der Frage. Ich finde es auf
Paul: eine Sache zu reduzieren, das wollte ich nicht tun. Aber danke,
Paul: dass ich das nicht mache.
Paul: Für mich ist dieses Spannungsfeld total schlüssig, weil es eben eine Balance
Paul: ist zwischen dem Ich und dem Ich.
Paul: Dem du. Und beide Extreme sind glaube ich nicht so gut.
Paul: Also mal ganz dahingestellt, ob sie überhaupt erreichbar wären.
Paul: Ich glaube nicht, dass sie besonders wünschenswert wären.
Daniel: Ich finde, wenn ich so drüber nachdenke, Respektraum, für mich ist das ein totales soziales Medium.
Daniel: Menschen kommen zusammen, sprechen miteinander. Ich finde ja total bescheuert,
Daniel: dass sozusagen Social Media als Social Media geframed ist.
Daniel: Eine große, große Lüge.
Daniel: Könnte man jetzt lange sozusagen darüber diskutieren und sprechen.
Daniel: Aber warum ist Social Media, es ist unsocial, was da sozusagen ja eigentlich passiert.
Daniel: Aber das, was im Respektraum passiert, ist ja wirklich total sozial.
Daniel: Menschen kommen zusammen, sie sprechen miteinander mit Respekt,
Daniel: mit einer Vorleistung, so wie du das gerade sozusagen gesagt hast.
Daniel: Wie seht ihr das?
Noyan: Also das Fehlgehen des Diskurses in den sozialen Medien war ja auch einer der
Noyan: Gründe, warum der Respektraum irgendwie entstanden ist.
Noyan: Weil wir gesagt haben, okay online im Diskurs,
Noyan: der funktioniert nicht gut, also wir haben Kommentarspalten in denen wir irgendwie
Noyan: kurz unsere Meinung hin beklatschen oder so, aber es ist ja kein richtiger Austausch
Noyan: und das Problem wird ja noch verstärkt dadurch, dass ich ja mittlerweile teilweise
Noyan: gar nicht mehr weiß, ist das eine echte Person mit der ich da rede oder ist das ein Bot,
Noyan: also ein Großteil des Internets ist mittlerweile durch Bots generiert,
Noyan: keine Ahnung also man weiß überhaupt nicht sind das echte Menschen,
Noyan: es findet überhaupt echte Kommunikation statt und wenn die Art der Kommunikation
Noyan: stattfindet, also Also wie die stattfindet, ist nicht besonders produktiv.
Noyan: Eigentlich ist das ein kommunikatives Marktversagen, sage ich jetzt mal,
Noyan: dass es eben diese Räume nicht gibt.
Noyan: Also diese dritten Räume, wo man eben über diese Grundsatzfragen diskutieren kann.
Noyan: Und eigentlich ist das für eine Demokratie ja essentiell, dass es Räume gibt,
Noyan: wo man sagen kann, alle, die...
Noyan: Klar, wir leben in einer parlamentarischen Demokratie, wo man sagt,
Noyan: okay, wir wählen das Parlament und die treffen Entscheidungen,
Noyan: aber die Grundidee, die demokratische Grundidee ist ja eigentlich,
Noyan: dass jeder am demokratischen Meinungsprozess teilnehmen kann.
Noyan: Und wo findet das statt in der Gesellschaft? Es gibt keine Räume, wo das stattfindet.
Noyan: Es gibt das medial natürlich oder vielleicht auch Familie oder Arbeitsumfeld
Noyan: oder so, aber es sind immer Felder, die beeinflusst sind durch Machtstrukturen,
Noyan: die vorstellen. Also kann ich frei vor meinen Eltern reden? Vielleicht nicht.
Noyan: Kann ich frei vor meinen Arbeitskollegen reden, so wie ich das möchte?
Noyan: Oder kann ich da irgendwie transparent argumentieren? Vielleicht nicht.
Noyan: Das heißt, es gibt keine Räume der Gesellschaft, wo das möglich ist,
Noyan: obwohl wir das so dringend brauchen.
Daniel: Und digital ist es tatsächlich ja auch schwierig, wenn ich mich an die 90er
Daniel: Jahre erinnere. Ich bin ja auch schon ein bisschen älter.
Daniel: Da gab es das Usenet und im Usenet gab es die Netiquette.
Daniel: Also das gab es im Internet auch lange Zeit. Aber diese algorithmisch getriebenen
Daniel: Konzerne, die haben ja, Netiquette ist da ja etwas, was sozusagen ja eigentlich
Daniel: gegen das Geschäftsmodell läuft.
Daniel: Und das korrespondiert ja eigentlich total mit den, nicht Regeln,
Daniel: sondern mit den Tipps, die ihr gerade eingeführt habt,
Daniel: die ihr sozusagen bei den Respekträumen, ihr führt die Respekträume damit ein,
Daniel: also es ist ja eigentlich wie eine Etikette, geht so bitte miteinander um und los geht's.
Laura: Genau. Und was ich noch hinzufügen möchte, wenn es um demokratisches Engagement
Laura: geht oder Positionsäußerung,
Laura: dann muss man ja dem auch noch voraussetzen, dass die Menschen das wollen.
Laura: Und das Wollen entspringt nicht nur einer Frustration, also ich empfinde ein
Laura: Feld, in dem ich ungerecht behandelt werde, ich möchte das ändern,
Laura: ergo engagiere ich mich, sondern das Wollen muss ja auch einer positiven Konnotation entspringen.
Laura: Ich kann das, ich möchte das, weil ich da etwas erlebe, das mich stützt.
Laura: Also eben zum Beispiel diese Empathie oder die Euphorie oder so.
Laura: Und im Idealfall bezieht die sich eben nicht nur auf das eigene Lager,
Laura: sondern auf die Dynamik an sich.
Laura: Also zum Beispiel die Euphorie empfinden, dann irgendwann als weitentwickelter
Laura: Punkt in eine radikale, provokante Debatte zu gehen.
Laura: Und da raus zu gehen und zu sagen, toll, das war ein Sportgeist.
Laura: Ja toll, das war richtig toll.
Laura: Was für eine Kackmeinung, aber schön, dass wir so darüber streiten können zusammen.
Laura: Let's do it again. Und das ist aber ein Entwicklungsstadium,
Laura: das ist sehr, sehr weit auf der Skala von 1 bis 10.
Laura: Und wir setzen das voraus, weil wir von den Bürgern erwarten, dass sie das können.
Laura: Das ist Demokratie. Und wir vergessen dabei aber, dass es anfängt bei Skala 0,5 bis 1.
Laura: Das heißt, ich muss mich trauen und ich muss mir und dir vertrauen,
Laura: dass ich in diesen Bezug eben überhaupt erstmal treten kann.
Laura: Und da sind wir wieder bei der Unterscheidung von Sachebene,
Laura: Debatte und Beziehungsebene, Diskurs oder Dialog.
Daniel: Wo auf der Skala?
Daniel: Wo auf der Skala, Entschuldigung, Paul, wo auf der Skala wäre denn sozusagen
Daniel: der Respektraum einzuordnen oder das, was ihr da tut?
Laura: Ich würde sagen drei bis vier. Was würdest du sagen?
Noyan: Wie geht denn die Skala?
Paul: Bis zehn.
Daniel: Also wo bis vier sind? Ich finde hier sofort eine Einordnung.
Laura: Was würdest du sagen?
Noyan: Ich würde sogar darüber hinausgehen. So eine sieben oder so hätte ich jetzt gesagt, glaube ich.
Laura: Ah, super interessant.
Noyan: Vielleicht auch Grund auf meiner persönlichen Erfahrung im Respektraum.
Laura: Das ist auch eine Interpretationssache. Ich würde da sehr vorsichtig rangehen, weil ich auch...
Daniel: Wo ist denn die Null? Was ist denn die Null in der Skala und was ist die 10?
Laura: Die Null auf der Skala wäre, ich weiß, wir brauchen den Raum für die Bezugnahme
Laura: und den Raum für die inhaltliche Auseinandersetzung.
Laura: Und ich suche den aber überhaupt nicht und ich eröffne ihn nicht.
Laura: Ich weiß, es ist da, aber ich mache gar nichts.
Laura: Die 10 auf der Skala ist, Ich weiß, dass wir ihn brauchen.
Laura: Ich weiß, wie er funktioniert und was es von mir braucht, was ich tun kann,
Laura: um ihn herzustellen und ich tue das auch.
Laura: Und das wäre, challenge me on that, aber das wäre vielleicht tatsächlich sowas wie,
Laura: aus meiner Perspektive gesprochen, ich suche mir jemanden, der nicht nur AfD-Wähler
Laura: ist, sondern wo es sich wirklich anfängt, ideologisch zu verankern und setze
Laura: mich hin und sage, pass auf, ich gebe dir ein Bier aus. Wer bist denn du?
Daniel: Ja, super. Aber da ist ja ein Weg sozusagen hin, damit man das,
Daniel: damit man in deiner Lesart, damit das sozusagen möglich ist.
Paul: Aber was ich eben so interessant finde, auch nochmal jetzt hier gerade zuzuhören
Paul: und nochmal diese Unterscheidung von dir auch zwischen diesem Diskursraum und
Paul: dem Beziehungsraum eigentlich, dass das ja auch was ist, was online total fehlt.
Paul: Das Gegenüber ist ja eben nicht da. Es gibt ja sozusagen diesen Beziehungsraum
Paul: überhaupt gar nicht und damit fällt ja eigentlich was ganz Wesentliches oder
Paul: viel Wesentlicheres vielleicht weg, weil am Ende des Tages sind wir eben soziale Wesen, die wir haben.
Paul: Die sich gar nicht so stark, glaube ich, über den Diskurs oder über das Thema
Paul: oder die These, den Standpunkt oder die Position definieren,
Paul: sondern eher über ein Gefühl.
Paul: Und wenn das nicht mehr adressiert werden kann oder wenn das auch nicht mehr
Paul: wahrgenommen werden kann, wie geht es dir eigentlich gerade?
Paul: Ich habe jetzt Sachen gesagt, du fängst an zu weinen, löst ja was ganz anderes
Paul: in mir auch wieder als reflexhaft als Mensch aus, als wenn ich nur was sage
Paul: und sehe gar nicht, dass du weinst.
Laura: Ja, genau. Also das haben wir am Anfang beim Respektraum tatsächlich in der
Laura: Anmoderation noch oft mit erwähnt, zu sagen, aus dem Hintergrund kommen wir,
Laura: deswegen ist es ein Face-to-Face-Raum.
Laura: Und dann habe ich immer hervorgehoben, wir müssen bewusst sein darüber,
Laura: dass Kommunikation eben die Gesamtheit meint,
Laura: nonverbale Kommunikation, paraverbale Kommunikationselemente,
Laura: die in der online schriftlichen Kommunikation auch nicht enthalten sind,
Laura: an denen wir aber ganz, ganz, ganz viel lesen und auch senden eben.
Laura: Und dass es wichtig ist, dass wir diesen Muskel trainieren und dass wir spüren,
Laura: wenn ich etwas auf der verbalen Ebene empfange und die nonverbale,
Laura: paraverbale Ebene aber total in die andere Richtung spricht,
Laura: dass das natürlich mein Verhalten dazu total verändert und es mich zum Zweifeln bringt.
Laura: Währenddessen im Online-Raum sehe ich nur die verbale Ebene und weil ich überschnell
Laura: bin, habe eine Haltung dazu, eine Vorannahme und weiß, aha, ich habe keine Ahnung,
Laura: wie die Person das gemeint hat.
Laura: Kann sein, dass sie gut dabei ist, es zu formulieren oder nicht.
Laura: Ja, aber ich weiß, wie es gemeint ist, ich habe eine Haltung dazu,
Laura: jetzt kommt mein Gegenkommentar. Und dann spult sich das hoch.
Noyan: Also haben wir eigentlich ganz verschiedene Ebenen im Respektraum,
Noyan: die wir sogar bedienen. Also sogar noch ein krasserer Vorteil, würde ich behaupten.
Noyan: Also wir haben das Erleben des anderen, was schon irgendwie eine besondere Situation
Noyan: ist, die wir online nicht mehr haben.
Noyan: Wir haben die Beziehung, die psychologisch irgendwie auf mich und auf den anderen irgendwie wirkt.
Noyan: Wir haben Meinungsbildung, also dass man auch irgendwie lernt,
Noyan: wie argumentiere ich überhaupt richtig.
Noyan: Also ich muss ja ans Argument gehen. Ich muss ja irgendwie erklären,
Noyan: was weiß ich, Menschenrechte, Natur oder Kultur.
Noyan: Ja, was ist denn Natur, was ist Kultur, wie leite ich das her,
Noyan: wie argumentiere ich das irgendwie?
Noyan: Das heißt, das ist auch eine intellektuelle Leistung da irgendwo,
Noyan: die ist zwar nicht besonders, die muss nicht besonders hoch sein,
Noyan: die kann hoch sein, die muss aber nicht hoch sein, dafür, dass sie schon interessant ist.
Noyan: Und gleichzeitig dann eben eine politische Ebene, dass wir sagen,
Noyan: okay, wir brauchen eben diese Meinungsbildung für den demokratischen Prozess.
Noyan: Also vier verschiedene Ebenen, die wir da sozusagen bedienen können,
Noyan: das ist schon ziemlich gut. Würde ich mal behaupten.
Paul: Jetzt haben wir gerade das schon so angerissen mit Social Media und der extremen
Paul: Kommunikation, die da stattfindet.
Paul: Ihr versucht ja, eine gesellschaftliche Spaltung zu überwinden.
Paul: Und ich finde eben, das klingt auch so, als würde das eben in diesen Momenten,
Paul: wo Respekträume entstehen, auch total gelingen oder zumindest ein großes Fundament
Paul: irgendwie dafür, was die Fazien vorhin erwähnt, dafür legen.
Paul: Wie kommt es denn aber erstmal überhaupt zu dieser Spaltung was seht ihr da im Moment und.
Laura: Ich würde dazu gerne einmal versuchen, mit ein bisschen ZDF-Zahlen,
Laura: Daten, Fakten zu kommen.
Laura: Spaltung. Wir haben auf der einen Seite, und das sind neuere Zahlen,
Laura: Daten, Fakten aus Studien, die ich gelesen habe, die 2025 oder jetzt gerade
Laura: 2026 veröffentlicht wurden.
Laura: Vor allem auch das Polarisierungsbarometer der Miedem-Gruppe,
Laura: Studiengruppe, in der TU Dresden verankert, falls man das recherchieren möchte.
Laura: Und da wird Folgendes drin gesagt. Also 80 Prozent der Befragten in unserer
Laura: Gesellschaft, das waren glaube ich auf Deutschland bezogen 4.400 Leute,
Laura: also ungefähr eine Verteilung auch über die Bevölkerung, melden zurück.
Laura: 80 Prozent melden zurück, die deutsche Gesellschaft ist gespalten und gleichzeitig
Laura: steht aber statistisch dagegen,
Laura: dass wenn man auf die Themen bezogen fragt, wo ist es denn wirklich polarisiert,
Laura: kristallisiert sich heraus.
Laura: Es gibt zwei Themen, bei denen Polarisierung zu vermerken ist,
Laura: nämlich einerseits Klimawandel und Klimapolitik und Zuwanderung.
Laura: Da spricht man insofern von Polarisierung, als dass man sagt,
Laura: es gibt keine Mitte mehr.
Laura: Es gibt sozusagen von der Positionierung keine Mitte mehr, die diese beiden
Laura: Pole miteinander verbindet.
Laura: Die Mitte ist aufgelöst, deswegen ist es polarisiert.
Laura: Es gibt aber einen Haufen anderer Themenfelder. Rolle der Frauen in der Gesellschaft,
Laura: andere Nachhaltigkeitsaspekte, Rente oder so, wo es diese Mitte durchaus gibt.
Laura: Das heißt, man kann gegen diese 80 Prozent stellen, faktisch gibt es diese krasse
Laura: Polarisierung gar nicht.
Laura: Und da muss man aber auch nochmal ein bisschen gucken, was gibt es denn für
Laura: Formen von Polarisierung und da gibt es im Prinzip zwei.
Laura: Die eine ist die themenbezogene Polarisierung, da geht es eben um die Inhalte
Laura: und das andere ist die affektive Polarisierung, das ist die gruppenbezogene Spaltung.
Laura: Und die heißt Lagerbildung. Also das ist nicht mehr, um es konkret zu machen,
Laura: ich sage zu dir nicht, du liegst falsch, du bist inhaltlich nicht ganz richtig, sondern du bist falsch.
Laura: Und noch weiter, nicht nur du bist falsch, sondern du und die Deinen, ihr seid alle falsch.
Laura: Und dann bist du in dieser Dynamik, wo es einfach immer mehr Spaltung gibt.
Laura: Und ich finde total wichtig, das zu betonen, weil man das interpretieren kann
Laura: als, der Grad der affektiven Polarisierung ist hoch und nimmt zu.
Laura: Das heißt, es gibt einen hohen Grad von Emotionalisierung und wir müssen damit
Laura: irgendetwas tun, weil die eigentliche Faktenlage dagegen spricht.
Laura: Aber der Spillover ist natürlich potenziell extrem.
Laura: Wenn die Leute hochgradig emotionalisiert sind, dann gehen sie mit diesen Emotionen
Laura: in die Interaktion und sind überhaupt nicht mehr in der Lage,
Laura: die Sachebene zu besprechen, weil sie eben schon dominiert wird.
Laura: Also die Form dominiert den Inhalt, immer, auch in der Kommunikation.
Laura: Und wenn ich eben reingehe und dir signalisiere, ich kann dir ja eben an dein
Laura: Ohrläppchen ansehen, wer du bist, so kannst du mir gar nicht kommen.
Laura: Wie kann ich auf der Basis von dem anderen erwarten, dass er noch ein genduines Interesse an mir hat?
Daniel: Also müsste eigentlich sozusagen jeder in so einem Respektraum durchlaufen. Da wird man das einmal.
Noyan: Das was ich jetzt gerade so so. Im besten Fall ja. Also der Traum,
Noyan: da sage ich später noch was zu.
Paul: Ja schon, weil es scheint ja so, nach dem was du sagst, als wäre es eher ein
Paul: emotionales Problem als ein faktisches.
Paul: Also als würde das auch da dann interessiert werden müssen.
Daniel: Ja, einfach mehr miteinander sprechen.
Laura: Ja, genau. Und natürlich aber auch die Frage ist dann wieder,
Laura: worüber denn sprechen und wie.
Laura: Weil natürlich ist auf der anderen Seite auch wahr, die Emotionen kommen ja
Laura: nicht nur daher, dass man sich was einbildet, sondern man hat ja einen Erfahrungskontext,
Laura: der dazu führt, dass der Boden für diese Emotionen erstmal gesät wird.
Laura: Klassismus, Sexismus, was auch immer.
Laura: Und die haben eine Auswirkung auf das eigene Erleben und kreieren eine Emotion.
Laura: Aber die Frage ist eben, wie weit sind wir auch durch die Hilfe von anderen
Laura: in der Lage, das auseinanderzudröseln und eben zu sagen, ich habe eine Berechtigung
Laura: dafür, dass ich mich so fühle.
Laura: Ganz konkret, ich habe eine Berechtigung als Nachwendekind aus dem Osten kommt
Laura: und Ost sozialisiert, some way or another, da einen Painpoint zu haben und den
Laura: lautstark artikulieren zu dürfen.
Laura: Ich habe aber deswegen kein Recht, jedem anderen zu unterstellen,
Laura: dass er das nicht sieht, damit nicht umgehen kann, mich auf eine bestimmte Art
Laura: und Weise behandeln muss und mir das an der Nasenspitze abliest und so,
Laura: sondern ich muss in die Kompetenz kommen, die Ungerechtigkeiten,
Laura: die ich empfunden habe und erlebt habe,
Laura: stehen zu lassen, meine Emotionen dazu stehen zu lassen und das so zu übertragen,
Laura: dass der andere sieht, das ist mein Spektrum und deswegen bitte ich dich ganz konkret,
Laura: tue dies und mache dies nicht.
Laura: Und das braucht Anleitung.
Noyan: Ich glaube, das gilt aber, also das ist ja sozusagen ein, auch in der Philosophie
Noyan: meine zentrale Frage, warum muss ich sozusagen überhaupt argumentieren?
Noyan: Und ich glaube, wir müssen argumentieren, weil eben, wenn ich nur bei mir bin
Noyan: als Subjekt, dann reicht das, dass ich sage, irgendwas fühlt sich nicht gut
Noyan: an oder irgendwas fühlt sich falsch an, es fühlt sich ungerecht an zum Beispiel.
Noyan: Das ist völlig ausreichend.
Noyan: Aber sobald ich sage, das soll nicht so sein und formuliere,
Noyan: das soll nach außen, dann muss ich argumentieren.
Noyan: Dann muss ich von der personalen Ebene wegkommen und muss zur Sachebene kommen
Noyan: und muss sagen können, hey, das soll nicht so sein, weil XY.
Noyan: Und dieses Argument muss ich irgendwie aufbauen. Und dafür muss ich in den Austausch
Noyan: mit anderen gehen und muss die halt überzeugen davon, dass das nicht so sein sollte.
Daniel: Und ich brauche die Selbstwahrnehmung oder die Selbsterfahrung,
Daniel: dass man in diesen Austausch gehen kann.
Paul: Ja, und die Frage ist aber, braucht es dieses Argument wirklich?
Paul: Weil ich das Gefühl habe, wenn ich jetzt sage, mir geht es so und so und ihr
Paul: in der Lage wärt, das einfach erstmal anzuerkennen, ohne dass ich das verargumentieren
Paul: muss, ohne dass ich auch begründen muss, was jetzt daraus folgen sollte meiner Meinung nach oder so,
Paul: dann wäre das ja vielleicht schon ein halber Schritt hin zu,
Paul: dass mein Gefühl eigentlich abgeholt wird.
Laura: Ja, genau. Und das sind, glaube ich, zwei unterschiedliche Räume,
Laura: die aber eine Schnittmenge haben und die auch Hand in Hand gehen.
Laura: Das ist so ein bisschen die Frage von,
Laura: Wir haben in einem anderen Kontext vorhin einmal drüber gesprochen.
Laura: Ich versuche das nochmal wiederzugeben.
Laura: Es ist völlig berechtigt, in Bezug auf bestimmte Themen Wut zu haben und Wut
Laura: zu empfinden. Und es ist auch absolut berechtigt, die Kund zu tun.
Laura: Die Frage ist nur, in welchem Raum.
Laura: Und wenn ich damit rausgehe, und das ist genau der Ort, wo du dich dann befindest,
Laura: wenn ich dann rausgehe und versuche, dass wir zusammen eine neue Norm etablieren
Laura: zum Beispiel oder unsere Werte verhandeln,
Laura: dann muss ich, weil die Form den Inhalt dominiert, meine
Laura: wut einmal artikulieren parken und
Laura: dann einen raum aufmachen der genügend neutralität hat damit wir beide darin
Laura: stattfinden können weil wir jetzt in verhandlungen gehen wenn ich meine wut
Laura: mitnehme und die dominiert den raum dann ist für den anderen kein raum mehr
Laura: da und das ist vielleicht auch der dienst nicht unterwerfen sondern der dienst
Laura: am anderen und damit auch am eigenen sein in der interaktion wenn es um respekt geht.
Noyan: Auf jeden Fall. Also ich glaube, dass es auch dann wieder zwei verschiedene
Noyan: Ebenen sind und ich wollte diesen Punkt nicht überspringen, du hast vollkommen
Noyan: recht, dass natürlich dieses erstmal äußern, dass man sagt, ich bin wütend,
Noyan: ich bin verletzt oder was für ein Gefühl auch immer ich da erstmal,
Noyan: negativ, kann ja auch positive Gefühle sein,
Noyan: ich da habe, dass man die erstmal kommuniziert und das erstmal nur so wahrgenommen
Noyan: wird und einfach angenommen wird, das ist auf jeden Fall der erste Schritt.
Noyan: Ich bin ja schon auf die politische Ebene oder darüber hinaus gegangen,
Noyan: die öffentliche Ebene, dass man sagt, okay, und daraus formulieren wir dann
Noyan: irgendwas, also wie gehen wir damit um?
Paul: Und das ist aber auch tatsächlich die Frage, ob diese Formulierung,
Paul: also ob diese quasi Bedienungsanleitung zu meinem Gefühl, ob ich die überhaupt mitliefern muss.
Paul: Immer weil ich das Gefühl habe, wenn wir ein bisschen mehr das hinbekommen würden
Paul: zu sagen, wir nehmen erstmal eine Emotion, die uns entgegengebracht wird.
Paul: Und ich bin da auch sehr bei dir, weil ich das Gefühl habe, wenn die zu aggressiv
Paul: geäußert wird, dann macht man ja automatisch zu, dann passieren Stressreaktionen
Paul: im Gehirn und überspringen irgendwelche Sachen.
Paul: Aber wenn ich jetzt sage, ich kann die äußern und ihr seid kompetent genug,
Paul: damit umgehen zu können, ihr müsst es gar nicht, ihr müsst mir gar nicht sagen,
Paul: sei nicht traurig oder hab keine Angst oder sowas.
Paul: Und das kennen wir so ein bisschen auch ja aus so einer Interaktion mit Kindern.
Paul: Dann hilft das oft schon, weil ich gar nicht sagen muss, geht bitte so und so
Paul: damit um, damit es mir gut geht.
Paul: Weil vielleicht weiß ich das ja auch gar nicht so genau, was ich eigentlich bräuchte.
Paul: Aber das erstmal offen zu legen und angenommen zu sehen, hilft ja schon total.
Paul: Und vielleicht findet ihr ja einen guten Umgang, damit der dann wiederum hilft.
Laura: Ja, das stimmt. Mir ist gerade was eingefallen, könnt ihr euch erinnern?
Laura: Ich glaube, das war so um 2004, 2005 rum, hat ein französischer Philosoph ein
Laura: ganz kleines Buch veröffentlicht, das hieß Empört euch. Kennt ihr das noch?
Paul: Von Hessel.
Laura: Ja? Ich glaube schon.
Laura: Ich bin mir nicht mehr sicher, wer der Autor war, aber das hieß Empört euch
Laura: und war im Prinzip so eine Handlungsanleitung zu Empört euch gegen politische
Laura: Missstände, organisiert euch als Ergebnis dieser Empörung.
Laura: Und damals war das so mind-opening, na gut, ich war auch irgendwie Anfang 20
Laura: und so weiter, das war natürlich sehr emotionalisierend und so.
Laura: Und heute würde ich sagen, das ist so ein Humbug. Das jetzt heute,
Laura: wie es jetzt gerade ist, ist genau das, was wir sehr einhegen müssen.
Laura: Weil die Empörung sowieso die ganze Zeit stattfindet. Das ist so der Modus operandi,
Laura: finde ich manchmal, auf den wir uns geeinigt haben.
Laura: Und der verbaut uns extrem viel, weil wir nicht in die Organisation durch Empörung kommen.
Laura: Wir kommen in die Organisation, weil wir dann sagen, okay, was braucht es jetzt?
Laura: Und das kann ich gar nicht denken, wenn ich in Rage bin.
Laura: Und ich kann auch nicht mit anderen, also na gut, das ist erstmal unterschiedlich,
Laura: aber ich kann doch nicht mit anderen arbeiten, wenn die in Rage sind.
Daniel: Ich finde, das ist ein total guter Absprungspunkt, um Richtung Zukunft zu reisen
Daniel: vielleicht. Wie sehen das hier meine Mitstreiter am Tisch?
Paul: Absolut. Lass mal gucken, wie sich die Gesellschaft entwickelt.
Daniel: Wir haben ja eine Zeitmaschine gebaut und jemand von euch, wenn er will,
Daniel: darf die in Betrieb setzen.
Daniel: Das ist dieser rote Knopf hier.
Paul: Natürlich der rote Knopf.
Daniel: Da sind wir. 25 Jahre in der Zukunft.
Paul: Im Jahr 2051.
Laura: Ja, wie alt bin ich denn dann im Moment?
Paul: Das darf man nicht machen, das ist ein Fehler.
Laura: Auf jeden Fall irgendwie alt.
Paul: Du bist ja nicht gealtert, du bist ja in der Zeitmaschine.
Laura: Ah, geil.
Paul: Genau. Aber wir können aus dem Fenster schauen und können uns die Welt anschauen.
Paul: Und jetzt sind wir ja nicht in irgendeine Zukunft gereist, sondern in eine Zukunft,
Paul: in der das Thema Respekt alle umfassend in der Gesellschaft verankert ist,
Paul: in der Menschen gelernt haben, respektvoll miteinander umzugehen,
Paul: auch dank der Respekträume, die ihr vor 25 Jahren,
Paul: oder schon noch länger angefangen habt zu initiieren.
Paul: Wie sieht denn jetzt unsere Gesellschaft heute aus, nachdem das so gelungen ist?
Laura: Sanft, sanftmütig. Und das ist das Wort, was mir als erstes kommt.
Laura: Und Sanftmut heißt, eine gewisse Lockerheit wiedergefunden zu haben mit den
Laura: Themen und Problemen, Leichtigkeit,
Laura: Humor und vor allem vielleicht auch einen humorvollen und positiv entkoppelten
Laura: Umgang mit Grenzüberschreitungen.
Laura: It's not that big of a problem anymore oops let's try again.
Noyan: Für mich ist der Begriff des Vertrauens irgendwie ganz zentral.
Noyan: Und zwar, dass ich darauf vertrauen kann, dass ich mit dem anderen über alles
Noyan: reden kann und keine Angst haben muss, irgendwie was zu äußern,
Noyan: weil es polarisieren könnte, sondern weil wir irgendwie gemeinsam ein Interesse,
Noyan: oder wir wissen, dass wir beide ein Interesse daran haben, irgendwie unsere
Noyan: Gedanken auszutauschen und neue Gesichtspunkte kennenzulernen.
Noyan: Und ich kann auch vertrauen, dass der andere auch unterscheiden kann zwischen
Noyan: Personal- und Sachebene zum Beispiel.
Noyan: Also dass eine gewisse Kommunikationskompetenz da ist.
Noyan: Die mir einfach einen Raum gibt oder durch die wir sehr viel Energie auch sparen.
Noyan: Also die ganze Energie, die wir früher darauf verwendet haben,
Noyan: irgendwie jemanden zu überzeugen aus emotionalen Gründen etc., die fällt weg.
Noyan: Wir haben ganz viel mehr Energie, Kapazität dafür, eigentlich Argumente zu entwickeln,
Noyan: Gedanken zu entwickeln und der zwanglose Zwang des besseren Arguments steht
Noyan: immer mehr im Vordergrund.
Noyan: Und die werden auch transparent gemacht. Also die Transparenz der Argumente steht im Vordergrund.
Noyan: Und ja, wir können darauf vertrauen, dass alle, die in den Diskurs gehen, auch das wollen.
Laura: Neugierig, auch vor allem spielerisch und neugierig und einfach sagen,
Laura: okay, ich will immer mehr wissen und ich will nicht unbedingt immer mehr damit machen.
Laura: Ich will es einfach nur erfahren und das reicht.
Laura: Das ist so ein bisschen, jetzt hole ich kurz eine Theaterkeule raus. Faust.
Laura: Faust wird ja gerne so gesehen als der Idealtyp Forscher, der alles wissen will,
Laura: der alles kann, der sich auch dann die Magie noch zu eigen macht und irgendwie
Laura: ganze Natur unterwirft.
Laura: Und was Goethe damit aber eigentlich geschrieben hat, und deswegen ist das Stück
Laura: in zwei Teilen, und der zweite Teil, das hat ja bestimmt, dass der Posthum erst veröffentlicht wird.
Laura: Faust ist der Anti-Held. Faust ist der eigentliche Mephisto,
Laura: weil der ein Mann ist, also ein Mann, aber auch ein Mensch, der sich selber
Laura: absolut ins Zentrum stellt.
Laura: Und weil er diesen Wissensdrang hat, diesen Zwang regelrecht,
Laura: über alles hinweg geht, über die Frau, über die Natur, über jede Grenze,
Laura: der mordet, der betrügt, der klaut und so weiter.
Laura: Und Mephisto in der Lesart ist eigentlich das natürliche Gegenprinzip.
Laura: Deswegen wird er auch manchmal mit Frauen besetzt, aber so würde ich es gar nicht unbedingt sagen.
Laura: Er ist dieses diffuse Natürlich-Geben-Prinzip, das sagt, du,
Laura: ich bin der Geist, der stets verneint, denn alles, was entsteht,
Laura: ist wert, dass es zugrunde geht. Das ist kein Sarkasmus und keine Ironie,
Laura: wie das immer gelesen wird, sondern man muss es doch authentisch lesen, wie es gemeint ist.
Laura: Der Wert der Dinge ist, dass sie kommen und dass sie gehen und unsere Rolle
Laura: ist, das zu beobachten und es nicht zu versuchen zu steuern.
Laura: Und das versucht der Faust nahezulegen und der schnallt es nicht,
Laura: im ersten Teil nicht und im zweiten wird er rogue. Da dreht er völlig frei.
Laura: Und deswegen ist es posthum, weil Goethe zu der Zeit gesagt hat,
Laura: wenn ich das jetzt veröffentliche im Zuge dieser Industrialisierung und so weiter,
Laura: die Leute werden es nicht verstehen können.
Laura: Und ich will nicht mehr mit den Konsequenzen zu tun haben.
Laura: Ich bin dann weg und dann müsst ihr euch damit auseinandersetzen.
Laura: Und das ist es, was es eigentlich meint.
Laura: Nicht machen, nicht unbedingt schaffen ist eine schöne Sache,
Laura: aber schaffen im Wissen, es entsteht und es geht. und das muss gehen können.
Paul: Es klingt ja auch so, als wären all diese Dinge, die ihr gerade beschrieben
Paul: habt, auch Folge oder mitverantwortlich dafür, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt
Paul: jetzt hier gerade im Jahr 2051 wieder größer geworden ist. Ist das so?
Noyan: Auf jeden Fall. Ich glaube vor allen Dingen auch dadurch, dass einfach argumentative
Noyan: Grautöne auch ausgehalten werden können, also dass wir mit dieser Ambivalenz
Noyan: vielleicht auch besser umgehen gelernt haben, dass man eben,
Noyan: weil das Problem ist ja, wenn man immer tiefer in die Argumente reingeht,
Noyan: so klar sind die Sachen eben nie.
Noyan: Und es gibt für viele Positionen gute Argumente, für viele Positionen auch schlechte
Noyan: Argumente, aber dass es einfach nicht so klar ist immer und dass wir diese Unklarheit
Noyan: aushalten können und gelernt haben mittlerweile auch damit umzugehen.
Noyan: Und das ist auch in Ordnung. Und wir versuchen trotzdem aus unserer beschränkten
Noyan: Perspektive, wir sind als Menschen natürlich auch nur beschränkt,
Noyan: irgendwie haben wir Zugriff auf diese Welt und die erkennen wir an,
Noyan: das ist uns mittlerweile bewusst geworden, da wir mit ganz vielen Perspektiven
Noyan: ja auch konfrontiert worden sind, die ganz andere sind als unsere,
Noyan: ja, dass wir das anerkennen und dass wir sagen, das ist halt so.
Noyan: Und wir müssen trotzdem damit irgendwie weiterarbeiten und versuchen in bester Weise das auch zu tun.
Noyan: Wir sind auch in dieser Fehlbarkeit auch irgendwie bewusst, dass das auch mal
Noyan: schief gehen kann. Das ist auch nicht schlimm.
Noyan: Wir versuchen dann trotzdem dann mit der neuen Situation dann wieder in einer
Noyan: positiven Art und Weise irgendwie umzugehen.
Paul: Was hat dieser gesellschaftliche Zusammenhalt noch so für Auswirkungen?
Paul: Auf andere Bereiche der Gesellschaft oder unserer Welt?
Laura: Ich glaube, wenn wir das schaffen, dann hat er Auswirkungen auf alle Bereiche.
Laura: Der hat Auswirkungen auf unseren Umgang mit der Umwelt, mit der Natur, mit dem Ökosystem.
Laura: Er hat natürlich einen absoluten Eindruck, einen positiven Eindruck auf die
Laura: Art und Weise, wie wir Kinder aufwachsen lassen, gar nicht erziehen,
Laura: sondern welche Umwelt wir um sie herum schaffen,
Laura: Menschen, die eine bestimmte Temperatur hat und die sie beeinflusst und prägt
Laura: und die sie kennenlernen und mit der sie umgehen und so weiter.
Laura: Es hat natürlich in letzter Konsequenz auch einen riesen Eindruck auf Unternehmen
Laura: und so weiter, weil es eben nicht mehr um Wachstum geht, es stellt die Ökonomie infrage.
Laura: Bringt ein neues Prinzip her. Es ist eben entstehen lassen und vergehen lassen
Laura: und nicht versuchen, am Entstandenen festzuhalten und Exploitation zu betreiben bis zum Letzten.
Laura: Es wird sowieso irgendwann kaputt gehen müssen.
Daniel: Wie sind wir denn da hingekommen? Also was waren denn in den letzten 25 Jahren sozusagen?
Laura: Ach so, so meinst du. Wie ist der Weg genau?
Daniel: Wie ist der Weg genau? Wie waren denn die letzten 25? Wie sind wir da hingekommen?
Noyan: Das ist natürlich in die Schulen erstmal. Also wir haben angefangen,
Noyan: dass sozusagen schon im Kindergartenalter, würde ich jetzt mal sagen,
Noyan: älteres Kindergartenalter eigentlich dann Respekträume schon angefangen haben,
Noyan: natürlich kindgerecht, dann die Thesen natürlich abstrahiert,
Noyan: oder angepasst, Schulen regelmäßig, das ist einfach,
Noyan: fester Plan im Curriculum mittlerweile, dass einfach Respekträume wöchentlich veranstaltet werden,
Noyan: über verschiedenste Themen, also es ist sozusagen, also es hat angefangen mit
Noyan: ganz abstrakten Thesen, weil natürlich noch dieses Konfliktpotenzial größer
Noyan: war, aber je mehr das Konfliktpotenzial abgenommen hat oder diese,
Noyan: Schwierigkeit damit umzugehen irgendwie abgenommen hat, desto konkreter konnten die Thesen auch werden.
Noyan: Also deswegen haben wir uns dann immer weiter sozusagen dahin entwickelt,
Noyan: dass wir auch dann politische Thesen vielleicht auch mit aufgenommen haben.
Laura: Ja genau. Es hat so ein Prozess stattgefunden von was, also vielleicht wenn
Laura: man so will, was machen wir im Respektraum zu, wie wollen wir zusammenleben?
Laura: Weil jetzt haben wir verstanden, wir sind zusammen und wir haben eine Bezugnahme
Laura: zueinander aufgebaut und je öfter wir das gemacht haben, umso mehr kommen wir
Laura: unweigerlich dahin zu fragen, ja aber was machen wir denn jetzt damit? Wie genau?
Laura: Und dann kommen wir in diesen Verhandlungsraum zu sagen, wir bauen eine Norm
Laura: auf. Und wir gehen einen Vertrag ein zusammen.
Paul: Also der Respektraum als Best-Case-Szenario.
Laura: Ja. Auf der ganzen Welt.
Noyan: Das kann ja auch kommunal, also wurde ja auch kommunal aufgenommen.
Noyan: Also jede Kommune hat irgendwie den Leerstand versucht zu nutzen,
Noyan: in Städten zum Beispiel.
Noyan: Und da wurden auch regelmäßig monatlich Respekträume veranstaltet,
Noyan: wo dann auch Städte oder Gemeinden irgendwie zusammengekommen sind,
Noyan: um darüber zu diskutieren, was die Gemeinde auch beschäftigt vielleicht zum Beispiel.
Noyan: Sich auszutauschen, ganz basisdemokratisch.
Laura: Total.
Paul: Gibt es noch was, was ihr seht?
Noyan: Ich glaube, medial könnte ich mir einen ganz anderen Konsum vorstellen.
Noyan: Also, dass gar nicht mehr sowohl die Empörung im Vordergrund steht,
Noyan: sondern dass auch da viel mehr irgendwie sachliche Analysen in den Vordergrund
Noyan: kommen, weil wir sehen, okay, wir versuchen ja produktiv zu diskutieren und
Noyan: haben gelernt, produktiv zu diskutieren,
Noyan: dass es medial eben nicht mehr um den Aufschrei geht und nicht mehr um Empörung
Noyan: und Angst, sondern dass wir gucken, wie lösen wir die Probleme,
Noyan: die wir als Gesellschaft haben, weil die Probleme werden da sein.
Noyan: Also es wird immer irgendwelche Probleme geben, die wir als Gesellschaft haben
Noyan: und ja, dass Journalismus sozusagen oder Medien insgesamt dahin halt dazu übergehen,
Noyan: sachliche Analysen zu bieten dieser Probleme und versuchen, diese Lösung irgendwie
Noyan: sachlich zu diskutieren.
Laura: Und eine viel höhere Beimischung von positiven Beispielen, was gerade gut läuft,
Laura: was funktioniert, wo man eine Herausforderung gemeistert hat und jetzt entwickelt
Laura: sich das so und so und guck mal, die fangen damit an und übrigens,
Laura: wusstet ihr, dass die das auch machen, verpartnert euch doch mal.
Laura: Darüber einfach medial mehr zu berichten insgesamt und das wenigstens auf die
Laura: gleiche Ebene zu heben, wenn nicht in den Vordergrund.
Noyan: Und der politische Diskurs verändert sich natürlich. Also wenn es nicht mehr
Noyan: darum geht zu sagen, Recht zu haben, irgendwie aus Machtstreben oder so,
Noyan: sondern wenn es eher darum geht zu sagen,
Noyan: wie finden wir als demokratische Gemeinschaft in einem Staat effektive Lösungen
Noyan: für die Probleme, das verändert ja ganz viel.
Noyan: Das heißt, es ist nicht mehr nur Opposition gegen Regierung,
Noyan: irgendwie im Gegeneinander, sondern man sagt, wir versuchen miteinander,
Noyan: irgendwie was zu klären und vielleicht auch mehr Bürgerräte,
Noyan: also dass sozusagen diese Beteiligung, die wir im Respektraum mehr haben auf
Noyan: ganz demokratischer Ebene, basisdemokratischer Ebene, dass wir die auch als
Noyan: politische Institutionen vielleicht dann kreieren oder fortführen oder weiter ausbauen,
Noyan: wo der einzelne Bürger als Stimme auch wieder mehr gehört wird.
Daniel: Was tatsächlich dann passiert ist, ist eine Stärkung des Kommunalen.
Noyan: Ja, auf jeden Fall.
Daniel: Ja, dann gehen wir mal dahin, wo das Kommunale noch nicht so gestärkt ist, nämlich die Gegenwart.
Daniel: Und wir reisen wieder zurück ins Jahr 2026.
Daniel: Ja,
Daniel: ist immer ein harter Aufschlag.
Paul: Da sind wir wieder.
Paul: Schön war es in eurer Zukunft. und wir haben jetzt ja auch schon viele gute
Paul: Ideen gehört, wie das gelingen kann, dahin zu kommen, was es dafür braucht.
Paul: Was wir ja immer gerne machen am Ende, ist, dass wir den Menschen,
Paul: die uns hören, ganz konkrete Beispiele mit auf den Weg geben.
Paul: Also jetzt haben wir über das Größere gesprochen, über Politik und Medien, über Innenstädte.
Paul: Aber was kann denn jetzt jede und jeder, die das hier hören,
Paul: direkt machen, quasi in dem Moment, wo gleich der Kopfhörer rausgenommen wird, die Folge zu Ende ist,
Paul: Was sind so ganz kleine Hinweise?
Noyan: Also was man natürlich als Respektraum-Erfahrung erst mal machen kann,
Noyan: also jeder Raum kann ja ein Respektraum werden.
Noyan: Jeder. Also auch mein Esstisch mit meinen Eltern zum Beispiel oder mit meinen
Noyan: Geschwistern oder Freunden.
Noyan: Das heißt, das Erste, was ich machen könnte, um zumindest ein bisschen eine
Noyan: Erfahrung für einen Respektraum zu bekommen, wäre, sich die Thesen anzugucken
Noyan: und einen privaten Respektraum zu machen.
Noyan: Und zu sagen, hey, mein Bruder, hättest du mal Lust?
Noyan: Hier die Thesen, du kannst dir einer davon aussuchen. Ich habe Lust mehr darüber zu diskutieren.
Noyan: Und wir machen Respektraum. Wir haben die Debatten-Tipps, die gibt es auch online.
Noyan: Die können man sich auch angucken.
Paul: Genau, die Tipps.
Noyan: Genau. Und dann sagen wir, wir lesen uns die voll zusammen einmal durch.
Noyan: Und dann versuchen wir mal, uns zu einer These anzunähern. Für eine Viertelstunde.
Noyan: Wir machen 15 Minuten Timer an, 20 Minuten Timer an.
Noyan: Und machen das mal 20 Minuten einfach. Und probieren das mal aus.
Noyan: Das wäre so das, was man am einfachsten irgendwie umsetzen könnte direkt.
Laura: Ich würde sagen, bewusst sein dafür, dass das eigene Verhalten immer die Resilienz
Laura: unseres Systems stärken kann.
Laura: Und was das konkret heißt ist, mein Einwirken in die Welt, in meinem Dasein
Laura: spielt eine Rolle, egal wie signifikant oder hochwertig.
Laura: Unsignifikant ich mich gerade finde. Mein Verhalten durch meine Interaktion
Laura: in der Umwelt löst etwas in allen anderen aus und wir sind ein Netzwerk,
Laura: wir sind ein Ökosystem als Gesellschaft, als Familie,
Laura: als Beziehung, egal wo wir uns befinden und die Resilienz unseres Systems entsteht
Laura: in diesem Ökosystem durch Verbundenheit und Spannungsfähigkeit und mein Verhalten framet das.
Laura: Mein Verhalten wirkt darauf ein. Das heißt, you matter.
Noyan: Ja und als nächsten Schritt natürlich den eigenen Respekt Respektraum,
Noyan: weil man natürlich so begeistert davon ist, zu sagen, ich mache einen eigenen Respektraum.
Noyan: Ich schreibe uns an und sage, hey, ich finde das so toll, ich möchte das machen.
Noyan: Ich möchte mit Leuten aus meiner Straße, aus meiner Stadt, aus meinem Ort irgendwie
Noyan: zusammenkommen und das ausprobieren.
Daniel: Was sagen wir denn zu Menschen, die sagen, habe ich keine Zeit für?
Daniel: Ich habe andere Probleme, muss meine Miete bezahlen.
Laura: Wir sind da, wenn du Zeit hast.
Laura: Ich glaube, mehr können wir als Einladung erstmal nicht aussprechen,
Laura: aber tatsächlich authentisch zu signalisieren, es lohnt sich ab und zu,
Laura: diesen Timeout zu nehmen.
Laura: Merken wir in Unternehmenskontexten auch immer wieder, dass die Leute dann wirklich
Laura: sagen, machen wir viel zu selten, wird immer hinten angestellt, ist aber wichtig.
Laura: Und aber gleichzeitig natürlich zu sagen, okay, ich weiß ja nicht,
Laura: wie groß oder klein deine Probleme sind. Ich werde dir jetzt nicht sagen,
Laura: ja, aber du musst, nein, du musst gar nichts.
Laura: Wir sind da, wenn du möchtest und Zeit hast. Wir freuen uns auf dich.
Noyan: Und eine positive Erfahrung machen möchtest, im besten Fall.
Noyan: Also weil vor lauter Problemen gehen die positiven Sachen ja manchmal auch einfach verloren.
Noyan: Und wenn man also sagt, okay, ich trete mal aus dem Alltag, was mich sonst im
Noyan: Alltag beschäftigt, raus und mache eine besondere Erfahrung,
Noyan: die ganz anders ist, als was ich sonst so erlebe, auf eine sehr einfache Art,
Noyan: dann warum nicht ausprobieren?
Paul: Es ist total wichtig, was du sagst, dass gerade vielleicht in Situationen,
Paul: in denen man unter Druck ist und merkt, eigentlich fehlt der Respekt gerade
Paul: einem selbst, sich den vielleicht auch so ein bisschen in den Respektraum zu
Paul: holen und da aufzutanken.
Daniel: Das ist ein tolles Schlusswort, würde ich sagen, oder?
Paul: Laura, Nojan, vielen, vielen Dank, dass ihr da wart.
Laura: Danke für die Einladung.
Noyan: Vielen Dank, es war wunderschön.
Laura: Ja, ich habe rote Bäckchen auf jeden Fall.
Daniel: Ja, das haben wir alle hier. Macht's gut, ihr Lieben. Bis bald. Tschüss.
Laura: Tschüss.
Paul: Best Case Szenario ist ein Podcast von Tomorrowness und wird produziert von
Paul: uns, Daniel Scheuch und Paul Bachmann bei TBA The Beauty Aside.
Paul: Redaktionelle Mitarbeit Leonie Müller, Sounddesign und Titelmusik kommen von Robert Kalber.
Paul: Best Case Szenario erscheint einmal im Monat auf den gängigen Plattformen.
Paul: Wir bedanken uns fürs Zuhause und freuen uns darauf, wenn ihr uns abonniert
Paul: und teilt und eine gute Bewertung hinterlasst. Bis zum nächsten Mal.