#7 Boden als Grundlage für Demokratie
Shownotes
In dieser Folge reisen wir mit Sascha Gajewski tief in die Welt der Bodenpolitik und fragen uns: Wem gehört eigentlich der Boden unter unseren Füßen – und was bedeutet das für unser Zusammenleben? Wir sprechen über die historischen Wurzeln des Eigentums, gesellschaftliche Folgen der Bodenverteilung und warum gerade diese Frage die Demokratie und das Klima herausfordert.
Gemeinsam loten wir aus, wie Erbbaurecht, Konzeptvergabe und neue Denkansätze die Zukunft des Wohnens in Stadt und Land prägen könnten. Wir nehmen euch mit in eine mögliche Zukunft, in der sozialer Ausgleich und nachhaltige Stadtentwicklung keine Utopie mehr sind – und zeigen, wie kleine und große Schritte heute den Wandel anstoßen können.
Stadtraum 5und4 e.V.
Montag Stiftung Urbane Räume
https://www.montag-stiftungen.de/urbane-raeume/
Bodenreform
https://de.wikipedia.org/wiki/Bodenreform
Erbbaurecht
https://de.wikipedia.org/wiki/Erbbaurecht
Gemeinwohlorientierung in der Bodenpolitik
Wohnungsmarkt Köln
https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/planen-bauen/wohnen/wohnungsmarktbericht
Morgenort Genossenschaftsprojekt
Bodenfrage – Wem gehört die Stadt? (Buch von Uwe Schneidewind und anderen)
https://www.oekom.de/buch/bodenfrage-9783962382322
Wohnungsbaugenossenschaften in Zürich
https://www.wohnbaugenossenschaften-zh.ch/
Stadt Wien – Wiener Wohnbau
Transkript anzeigen
Paul: Hallo und herzlich willkommen zu Best Case Szenario, unserem Podcast zu Zukünftigkeit
Paul: und wie sie gelingen kann. Ich bin Paul.
Daniel: Ich bin Daniel und ich begrüße euch auch. Inzwischen sind wir in Folge 7 und
Daniel: heute zu Gast ist Sascha Gajewski.
Voicevover: Sascha Gajewski ist ein langjähriger zivilgesellschaftlicher Akteur für gemeinwohlorientiertes
Voicevover: Wohnen, Bodenreform und gemeinschaftliches Bauen in Köln und über regionalen Netzwerken.
Voicevover: Er ist Vorstand des Vereins Stadtraum 5 und 4 e.V.
Voicevover: Und war Projektentwickler bei der Montagsstiftung Urbane Räume in Bonn.
Voicevover: Außerdem ist er stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen in Bergisch Gladbach.
Voicevover: In der Bodenfrage sieht Sascha Gajewski einen entscheidenden Hebel der Wohnungskrise.
Voicevover: Denn wenn Boden wie eine Ware gehandelt wird, wird das Falsche gebaut und Wohnen
Voicevover: strukturell unbezahlbar.
Voicevover: Er argumentiert dabei nicht nur ordnungspolitisch, sondern arbeitet als pragmatischer
Voicevover: Übersetzer zwischen Bewegung und Institution,
Voicevover: an Strukturen, in denen die Eigentumsfrage neu verhandelt und zivilgesellschaftliche
Voicevover: Projekte über das gemeinschaftliche Wohnen hinaus neu gedacht werden.
Paul: Herzlich willkommen, lieber Sascha.
Sascha: Ja, danke, lieber Paul, lieber Daniel, für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein.
Paul: Sascha, was ist Eigentum?
Sascha: Das ist schon mal eine spannende Startfrage, denn Eigentum konnotieren wir ja fast alle positiv.
Sascha: Wir streben alle nach Eigentum. Das ist etwas, was uns kulturell eingepflanzt wurde.
Sascha: Das verspricht Autonomie und Sicherheit.
Sascha: Aber wenn man in die Historie guckt, Eigentum hat es ja nicht immer gegeben.
Sascha: Und ursprünglich war es mal ein Garant gegen Herrschaftswillkür aus den Feudalstaaten
Sascha: sozusagen hervorgegangen, dass jeder das Recht auf Eigentum hat.
Sascha: Also insofern erst mal ein wichtiges Instrument, damit wir sagen,
Sascha: das, was ich als Eigentum besitze, darüber habe ich auch eine gewisse Kontrolle.
Sascha: Und das ist ja auch die Idee.
Sascha: Aber wenn man das jetzt in die Moderne weiterspinnt, ist es eben auch etwas,
Sascha: was aus einer Idee von dauerhafter Expansion kommt.
Sascha: Also ich muss immer die Möglichkeit haben, neues Eigentum zu schaffen,
Sascha: denn es kommen ja Menschen dazu, wir sind eine wachsende Welt und alle wollen Eigentum.
Sascha: Also kann ich es ja nur durch zwei Dinge kreieren, durch Neuschaffen oder durch Umverteilen.
Sascha: Umverteilen ist immer sehr schwierig.
Sascha: Insofern basiert die Eigentumsidee sehr stark darauf, ich kann immer neues Eigentum
Sascha: schaffen und das ist halt was,
Sascha: was in der heutigen Welt eigentlich so nicht mehr der Fall ist,
Sascha: denn die Welt ist im Wesentlichen verteilt und neues Eigentum,
Sascha: das geschaffen wird, wenn wir jetzt gerade von Bodeneigentum reden,
Sascha: bedeutet in der Regel Naturverbrauch.
Sascha: Und damit ist es auch ein bisschen eine gesellschaftliche Falle geworden,
Sascha: denn in dem Moment, wo man in den Zielkonflikt kommt, dass man das Eigentum aufbaut.
Sascha: Ich verwende es jetzt hier speziell für die Frage des Bodens,
Sascha: nicht mehr mehren kann oder nicht mehr mehren sollte, insbesondere nicht das
Sascha: Bauland, wo man damit in ökologische Zielkonflikte kommt,
Sascha: ist es, was es eh schon ist, ein noch knapperes Gut und damit erhöht es den
Sascha: Druck in der Gesellschaft und verschiebt die Macht zu denen,
Sascha: die den Boden schon besitzen.
Sascha: Denn nur derjenige, der neuen Boden schaffen kann, beispielsweise der einen
Sascha: Quadratmeter Acker, der vielleicht ein paar Euro den Quadratmeter kostet,
Sascha: für sich im Bauland umwandeln kann, kann dann Eigentum erwerben.
Sascha: Wenn er aber aus einem begrenzten Topf sein Eigentum schöpfen müsste,
Sascha: dann muss er unendlich hohe Preise zahlen. Und das ist das Dilemma.
Paul: Ja, jetzt sind wir da schon direkt zum Thema Boden gekommen.
Paul: Mich würde nochmal interessieren vielleicht, weil ich das ganz spannend finde,
Paul: dass du gerade dargestellt hast,
Paul: wie sozusagen Eigentum historisch gesehen eben auch ein Schutzinstrument gegen
Paul: Herrschaftswillkür war und mittlerweile sozusagen sich das aber eigentlich auf
Paul: eine Art gegen uns gewendet hat.
Paul: Wann ist dieser Shift eigentlich zustande gekommen, weißt du das?
Sascha: Ich glaube, dass wie viele Schiffs, die finden graduell statt.
Sascha: Es gibt da nicht den Kipppunkt, das wäre eine einfache Erzählung.
Sascha: Es gibt allerdings natürlich Bruchpunkte.
Sascha: In dem Moment, wo wir noch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage
Sascha: hatten, war es unproblematisch oder sagen wir mal in dem unproblematisch her.
Sascha: Ja, man kann ja sich die Bodenpreisentwicklung in Statistiken angucken.
Sascha: Da gab es dann halt Phasen gesellschaftlicher Expansion, wo die Bodenpreise nach oben schnellten.
Sascha: Dann stagnierte es wieder für viele Jahre und dann kamen die Wände.
Sascha: Das hat dann dafür gesorgt, dass viele Menschen nach Westdeutschland gezogen
Sascha: sind. Das hat dann die Bodenpreise wieder unter Druck gebracht.
Sascha: Und zuletzt war es halt die Finanzkrise, die dafür gesorgt hat,
Sascha: dass es eine Niedrigzinspolitik gab.
Sascha: Es gab jede Menge Geld, das investiert werden wollte, hat auch sehr viel ausländisches
Sascha: Kapital zum Beispiel nach Deutschland gelockt und die Bodenpreise nach oben getrieben.
Sascha: Also insofern lässt sich die Frage nicht so beantworten, wo es problematisch wurde.
Sascha: Es war schon immer vom Konzept her problematisch. Das kann man schon daran sehen,
Sascha: dass Konrad Adenauer in den 20er Jahren sich schon über die unzureichende Gemeinwohlorientierung
Sascha: der Bodenpolitik in Köln beklagt hat.
Sascha: Und letztendlich ist auch die Bodenreformidee geht schon aufs 18.
Sascha: Jahrhundert zurück mit der Verstädterung, der Industrialisierung hat man schon
Sascha: gemerkt, da gibt es eine große Schwierigkeit, einen guten Ausgleich zwischen
Sascha: den Interessen zu finden.
Sascha: Das hat man halt sozial befriedet durch Umverteilungsmechanismen,
Sascha: aber gleichzeitig, kann man ja in der Vermögensforschung nachschauen,
Sascha: hat sich die Vermögensverteilung auf die lange Sicht eigentlich immer weiter
Sascha: in ein schmaleres Spektrum von Vermögenden verschoben, was auch eine Folge des Bodeneigentums ist.
Daniel: Du hast gerade Bodenreform angesprochen. Was genau ist das?
Sascha: Wir haben uns ja daran gewöhnt, ihr habt ja auch die Frage nach Eigentum gestellt.
Sascha: In der Rechtslehre, ich bin kein Jurist, aber beschäftige mich schon eine Zeit
Sascha: lang mit den Themen, gibt es ja eine Unterscheidung zwischen Besitz und Eigentum.
Sascha: Und unter Eigentum verstehen wir halt die Vollkontrolle über ein Gut.
Sascha: Ich habe das Recht, darüber zu entscheiden, was mit dem Boden passiert.
Sascha: Die Bodenreform-Idee war immer schon von dem Konzept ausgegangen,
Sascha: dass Boden eigentlich als Eigentum nicht taugt, weil der Boden nicht mehrbar ist.
Sascha: Also selbst wenn ich noch in gewissen Grenzen expandieren kann,
Sascha: ist er dort in der Stadt beispielsweise nicht wirklich mehrbar,
Sascha: die ist durch die Stadtgrenzen bestimmt.
Sascha: Also gibt es eine gewisse Logik zu sagen, man sollte den Eigentum vom Boden
Sascha: von seiner Nutzung trennen und das ist die Grundidee der Bodenreform zu sagen, aha,
Sascha: der eine ist Eigentümer des Bodens und das sollte möglichst ein Träger des Gemeinwohls
Sascha: sein und der faktische Besitzer, der die Nutzung darauf macht,
Sascha: der kann jemand anderes sein, aber der unterliegt halt gewissen Beschränkungen.
Sascha: Das ist die Idee der Bodenreform.
Paul: Würde ich das vielleicht ganz gerne nochmal so ein bisschen,
Paul: sozusagen so einen kleinen Schritt zurück, dass wir das vielleicht sozusagen
Paul: einmal aufdröseln, weil das ist ja eine komplexe Materie.
Paul: Einerseits sozusagen jetzt mit spezifischen Fachbegriffen und historischen Wertungen.
Paul: Und gleichzeitig finde ich es aber deswegen auch nochmal so interessant.
Paul: Und da würde ich gerne nochmal sozusagen vielleicht hin und ein bisschen den Blick öffnen.
Paul: Dass es ja sozusagen irgendwie so eine gefühlte Logik gibt, dass das total stimmt. Also, dass man sagt,
Paul: Alles, auch Boden, kann von jemandem das Eigentum sein.
Paul: Und das finde ich eigentlich eine interessante Grundfrage einmal sozusagen.
Paul: Vielleicht können wir die hier einmal sozusagen ein bisschen diskutieren,
Paul: wo das eigentlich so auch deiner Meinung nach herkommt oder wie du das vielleicht
Paul: auch beobachtest, dass da so eine Logik herrscht.
Paul: Natürlich, also du hast jetzt gerade gesagt, Boden kann oder sollte kein Eigentum
Paul: sein, weil er nicht mehrbar ist und das ist ja aber schon ein relativ spezifischer
Paul: Gedanke, weil ich glaube, es gibt viele Leute, die würden darauf antworten, ja wieso denn nicht?
Paul: Das kann doch mir gehören und dann kann ich damit machen und dann kann ich dir
Paul: den vermieten und wenn du genug Geld hast, so.
Paul: Das ist das eine und das andere, ja,
Paul: Was ich gut fände, wäre, dass wir einfach nochmal auf den ganz simplen Zusammenhang
Paul: schauen zwischen dieser Bodenfrage, wem gehört der Boden und was passiert da
Paul: drauf, also wie ist diese Eigentumsfrage,
Paul: wieso ist die so relevant für die Wohnungsfrage zum Beispiel,
Paul: dass wir einmal gucken und verstehen, wie hängen diese Sachen eigentlich zusammen.
Sascha: Ich kann es ja mal mit einem konkreten Beispiel versuchen.
Sascha: Was passiert üblicherweise im Bodenmarkt heutzutage? Und jetzt rede ich nicht
Sascha: von dem Einfamilienhaus.
Sascha: Das ist erstmal ein eigenes Thema und erzeugt nicht diese Probleme,
Sascha: das erzeugt ganz andere Probleme, was Zersiedlung und sowas anbetrifft.
Sascha: Aber nehmen wir den klassischen Bodenmarkt. Wir haben ein Gewerbe- und Industriegelände
Sascha: irgendwo in Köln. Davon gibt es mehrere Beispiele.
Sascha: Ein Investor kommt auf die Idee, da würde ich doch gerne Wohnungen errichten.
Sascha: Dazu braucht er Planungsrecht. Das verschafft ihm die Kommune.
Sascha: Das ist eine der hoheitlichen Rechte. Jetzt hat er das aber nicht.
Sascha: Trotzdem weiß er aber, dass natürlich die Kommune ein Interesse daran hat,
Sascha: dass Wohnungen gebaut werden.
Sascha: Was macht er? Er geht zu dem Grundstückseigentümer. und geht mit ihm in die
Sascha: Verhandlung, ob er diesen Boden kaufen kann.
Sascha: Der Boden, da gibt es Bodenrichtwerte, typischerweise 180 Euro und sagt,
Sascha: pass auf Jung, ich kaufe dir den Boden ab.
Sascha: Was willst du denn dafür haben? Und dann geht das Gefeilsche los und die landen
Sascha: dann bei erstaunlichen beispielsweise 1500 Euro. Gibt es ein konkretes Beispiel für das.
Paul: Statt der 180.
Sascha: Warum macht er das?
Sascha: Weil er darauf Wohnungen bauen möchte, die einen Verkaufspreis von 6.000,
Sascha: 7.000, 8.000 Euro den Quadratmeter haben.
Sascha: Damit kann er diesen hohen Bodenpreis, den er da bietet, amortisieren.
Sascha: Für den Fall, dass die Kommune ihm das entsprechende Planungsrecht gibt.
Sascha: Also einen Bebauungsplan erstellt, das ist das, was vielleicht die meisten schon mal gehört haben.
Sascha: Und wenn er das durchbekommt, dann kann er damit einen erheblichen Gewinn einfahren.
Sascha: Beziehungsweise er kann sowohl den Bodenbesitzer bezahlen, diesen sehr hohen
Sascha: Aufschlag auf den ursprünglichen Wert und er kann noch eine erhebliche Marge mit dem Objekt machen.
Sascha: Nehmen wir beispielsweise 4000 Euro Baukosten, wir sind mittlerweile drüber,
Sascha: aber nehmen wir einfach mal so für ein anschauliches Beispiel.
Sascha: 4.000 kostet mich das Bauen, 1.500 habe ich für den Boden bezahlt,
Sascha: bin ich bei 5.500, kann ich, wenn ich es für 6.500 verkaufen kann,
Sascha: noch 2.000 Euro Marge machen und meine Kosten decken, die ich auch habe.
Sascha: Das ist halt die Logik, mit der ein Investor dran geht. Was vielleicht auch
Sascha: gut ist, im Podcast mal deutlich zu machen, wir gucken immer,
Sascha: vielleicht sogar, man nennt es oft Neiddebatte, aber sagen wir mal zumindest
Sascha: mit einer gewissen Werthaltung darauf.
Sascha: Aber ein Investor handelt in dem Sinne einfach völlig rational.
Sascha: Es ist sowohl nicht richtig, den Investor als guten noch als bösen darzustellen.
Sascha: Er hat einfach aus der Logik seines Marktes heraus gewisse Notwendigkeiten.
Sascha: Der muss Umsatz machen, er muss Boden kaufen, sonst hat er nichts zu verkaufen.
Sascha: Und er muss den Preis bieten, den der Wettbewerb von ihm verlangt.
Sascha: Und dann hängt es halt davon ab, wie pfiffig er ist, einen guten Preis zu verhandeln.
Sascha: Wie pfiffig er darin ist, die Kommune dazu zu bringen, ihm das Planungsrecht
Sascha: darauf zu verschaffen, das er braucht, damit sich der Boden rechnet.
Sascha: Und wenn das halt nicht mehr funktioniert, weil er sich verkalkuliert hat,
Sascha: Das sehen wir halt in Mülheim Süd in Köln sehr deutlich.
Sascha: Dann bleibt der Boden da liegen, weil die Rechnung nicht mehr aufgeht,
Sascha: weil der Boden zu teuer war für das, was noch erlösbar ist im Markt.
Paul: Und was treibt denn die Bodenpreise so grundsätzlich in so einer Höhe?
Paul: Also wie kommt das, dass jetzt ein Bodenbesitzer so viel Geld dafür nehmen kann?
Sascha: Wir haben ja eine Wohnungsknappheit oder wir haben einen illiquiden Markt,
Sascha: also wir haben keine Bewegung im Wohnungsmarkt.
Sascha: Es gibt Menschen, die Wohnungen brauchen, die haben schlicht und einfach einen schwierigen Stand.
Sascha: Die Neuvermietungspreise sind in Köln über fünf Jahre hinweg gerechnet um mehr
Sascha: als 40 Prozent gestiegen.
Sascha: 40 Prozent, da muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen.
Daniel: In was für einem Zeitraum?
Sascha: Fünf Jahre? Von 19 bis 24 ist dieser Zeitraum berechnet worden.
Sascha: Das hat sich sogar fortgesetzt.
Sascha: Aber der Effekt ist eben, dass alle Leute, die erstmalig eine Wohnung brauchen,
Sascha: entweder weil sie zu Hause ausziehen oder nach Köln ziehen wollen,
Sascha: dass die erheblich höhere Mieten zahlen, während Menschen, die alte Verträge haben.
Sascha: Das ist zum Beispiel auch eine irrige Annahme, dass alle zu viel Miete zahlen.
Sascha: Das stimmt erstmal so in der Pauschalität nicht.
Sascha: Wir haben zwar viel zu viele Menschen, die zu viel ihres Einzelnen,
Sascha: Einkommens für Miete zahlen.
Sascha: Aber es gibt auch sehr viele Menschen, die sehr, sehr günstig wohnen.
Sascha: Die weniger, man betrachtet immer die sogenannte Mietbelastungsquote,
Sascha: also welchen Anteil des Nettoeinkommens zahle ich für Miete.
Sascha: Jetzt muss man dazu sagen, wir reden jetzt hier auch so viel über Miete,
Sascha: weil wir eine Mieterstadt, also Städte, dann haben wir sowieso den Hang,
Sascha: eher einen hohen Mieteranteil zu haben, während auf dem Land Eigentum dominiert.
Sascha: Die Leute haben einfach eine hohe Belastung durch diese Mietausgaben im Schnitt.
Sascha: Aber große Gruppen haben eine niedrige und die, die spät in den Markt kommen,
Sascha: wenn die Preise angestiegen sind, haben halt eine hohe Belastung.
Sascha: Und eben natürlich besonders vulnerable Gruppen soll heißen,
Sascha: Menschen mit niedrigem Einkommen.
Sascha: Also Rentner, Alleinerziehende sind Gruppen, die ganz typischerweise in den
Sascha: Mietmärkten in Kürze und ziehen.
Daniel: Wenn wir nochmal auf dein Beispiel von gerade eben gehen. Ja,
Daniel: Der Investor kauft diesen Boden für 1500, sagtest du.
Daniel: Er ist aber eigentlich wie viel nur wert, in Anführungsstrichen?
Sascha: Er hat diesen Wert tatsächlich, wenn er das entsprechende Planungsrecht bekommt.
Sascha: Es gibt einen sogenannten Bodenrichtwert.
Sascha: Es gibt einen Gutachterausschuss, der errechnet den Bodenwert mit einer komplizierten
Sascha: Methodik, aber die gibt im Prinzip das her, was man vermuten würde,
Sascha: was der Boden kosten dürfte, wenn er für die gleiche Nutzung weiterverkauft wird.
Sascha: Also ein Gewerbe- und Industriegebiet wird als Gewerbe- und Industriegebiet
Sascha: weiterverkauft, dann wäre das der Erwartungswert, den man im Markt erzielt.
Sascha: Und wenn aber jemand den Boden kauft mit der Absicht, eine andere Nutzung,
Sascha: die höherwertig im Sinne von einen höheren Bodenpreis erlaubt,
Sascha: darauf unterzubringen und er bekommt dieses Planungsrecht, dann hat der sogenannte Planungsgewinne.
Sascha: Also der Gewerbe-Industrie-Boden, auf dem ich lautes Gewerbe mit viel Dreck
Sascha: machen kann, ist 180 Euro wert.
Sascha: Dort, wo ich teures Gewerbe und teures Boden drauf machen, der kann auch einen
Sascha: Bodenpreis von 1500 Euro amortisieren.
Sascha: Die Frage ist, wer kriegt diese Spanne von 180 Euro auf 1500?
Sascha: Und wenn man das halt dann auf beispielsweise einen Hektar rechnet,
Sascha: reden wir von Millionen Wertsteigerungen, die pro Hektar da entstehen.
Daniel: Das ist was Spekulatives.
Sascha: Das ist was Spekulatives. Genau, es ist spekulativ in dem Sinne,
Sascha: als dass grundsätzlich die Kommune Planungshoheit hat.
Sascha: Sie könnte hingehen und sagen, nee, was du da vorhast, wollen wir nicht.
Sascha: Wir geben dir dieses Planungsrecht nicht.
Sascha: Dann stünde er entweder mit diesem Verlust da, weil er den gekauft hat.
Sascha: Wobei ich in der Regel davon ausgehe, dass die Verträge so gestrickt sind,
Sascha: die ja nicht einsehbar sind, dass dann da es so geregelt ist,
Sascha: dass der Bodenpreis nur zu zahlen ist, wenn gewisse planungsrechtliche Ziele
Sascha: erreicht werden. Also sprich, wenn er wirklich,
Sascha: das Recht, Wohnungsbau zu errichten, darauf bekommt, sonst wird er wahrscheinlich
Sascha: zum Grundstückseigentümer zurückgehen und sagen, wir haben es versucht,
Sascha: jupp, aber hat nicht geklappt.
Sascha: Hier ist sein Geld zurück.
Paul: Grundsätzlich finde ich ja aber nochmal ganz wichtig, den Umstand,
Paul: und du hast es vorhin auch schon einmal kurz gesagt, der Boden mehrt sich nicht.
Paul: Und der Boden wird ja aber auch nicht von selber mehr wert.
Paul: Das ist das, was du gerade, glaube ich, Daniel, meinst, dass das was Spekulatives
Paul: ist, weil es einfach ein fiktiver Preis erstmal ist, der sozusagen sich aus
Paul: anderen Umständen ergibt.
Paul: Also die Frage, was ist mit angrenzenden Stadtteilen passiert?
Paul: Sind da mehr Leute hingezogen? Gibt es da Geschäfte? Wie attraktiv sind die?
Paul: Wie ist die Lage zum Beispiel am Rhein oder so?
Paul: Das sind dann eben alles Dinge, die bestimmen, wie teuer der Boden ist,
Paul: wenn ich dich richtig verstehe.
Paul: Und gleichzeitig sind das ja aber eben Sachen, die überhaupt nichts,
Paul: also überhaupt nicht aus dem Tun des Bodeneigentümers hervorgehen.
Paul: Der macht da gar nichts für.
Paul: Also wenn da eine U-Bahn-Station hingebaut wird und plötzlich wird ein Stadtteil
Paul: erschlossen oder besser angebunden oder der wird einfach irgendwie,
Paul: wir haben das ja jetzt irgendwie in Berlin sozusagen im Zeitraffer erleben können,
Paul: wie irgendwie bestimmte Stadtteile, die vorher niemanden interessiert haben,
Paul: plötzlich total gehypt worden sind und einfach alles durch die Decke gegangen ist.
Paul: Kannst du nochmal auf diese spezifische Problemlage des Bodens da eingehen?
Sascha: Ja, ich finde, du hast es mit der Frage schon wunderbar beschrieben.
Sascha: Das, was der Boden wert ist, wird in der Regel nicht, insbesondere wenn wir
Sascha: von unbebautem Boden reden, wird nicht an Wert geschaffen, durch den, der den Boden besitzt.
Sascha: Wenn jemand ein Grundstück kauft, wird es noch fast unübersichtlich,
Sascha: aber nehmen wir einfach mal jemanden, der 1800 ein Grundstück in Köln geerbt
Sascha: hat und hat nichts damit getan.
Sascha: Der hat dann zwar brav seine Grundsteuer für den unbebauten Boden vielleicht
Sascha: bezahlt, aber der Boden ist seitdem um etliche tausend Prozent an Wert gestiegen,
Sascha: ohne dass er was dafür getan hat.
Sascha: Was hat den Mehrwert verursacht? Das sind Dinge, die Menschen drumherum getan
Sascha: haben. Das ist das, was eben auch eine Kritik aus der Bodenreformbewegung ist.
Sascha: Das sind die sogenannten leistungslosen Gewinne, die eben dadurch entstehen,
Sascha: dass man schlicht und einfach Boden besitzt, ohne dass man etwas tut,
Sascha: was der Allgemeinheit nützlich ist. Sogar eher im Gegenteil,
Sascha: ein unbebautes Grundstück blockiert man für eine Nutzung.
Sascha: Es könnte ja Druck aus dem Markt nehmen, weil es verfügbar wäre.
Sascha: Stattdessen liegt es einfach da, verstärkt die Knappheit und steigt dabei noch im Wert.
Sascha: Das ist ein Missverhältnis, auf das eine Gesellschaft reagieren sollte.
Paul: Das ist ja interessant, weil das gleiche Argument lässt sich ja auch,
Paul: wenn ich dich richtig verstehe, einfach auf Mietwohnungen zum Beispiel anwenden.
Paul: Also auch da besitzt jemand ein Haus meinetwegen, in dem sind Wohnungen.
Paul: Das Haus ist aber längst sozusagen refinanziert, weil das von 1920 oder 1950 oder sowas ist.
Paul: Und gleichzeitig wird sozusagen aber permanent damit ja noch sozusagen Gewinn erwirtschaftet.
Sascha: Genau. Auch dafür gibt es einen Markt, der fluide ist.
Sascha: Man spricht immer von fluiden Märkten, wenn Bewegung drin ist,
Sascha: wenn wirklich Leute umziehen.
Sascha: Mittlerweile zieht quasi in Köln kaum noch jemand um, weil es halt de facto so ist.
Sascha: Ich hatte ja schon gesagt, die Neuvermietungsmieten, das bedeutet nicht nur
Sascha: die Mieten im Neubau, sondern auch in alten Wohnungen, die neu vermietet werden,
Sascha: sind einfach extrem angestiegen.
Sascha: Das führt zu dem sogenannten Log-In-Effekt. Die Leute bleiben schlicht und einfach
Sascha: in der Wohnung, in der sie sind.
Sascha: Sie kann zu groß sein, sie kann sogar von der Qualität mäßig sein.
Sascha: Nur der Anreiz, in eine andere Wohnung umzuziehen, ist eigentlich nicht mehr gegeben.
Sascha: Oder ganz im Gegenteil, es gibt halt klare Gegenanreize.
Paul: Und es gibt die Wohnungen nicht.
Sascha: Genau, weil es die Wohnungen nicht gibt.
Paul: Das Versprechen des freien Marktes, dass man jetzt sagen könnte,
Paul: ich würde gerne umziehen, ich würde gerne hier im Veedel bleiben.
Paul: Wo sind denn sieben Wohnungen, zwischen denen ich jetzt aussuchen kann, ne, die gibt's nicht.
Sascha: Genau, sieben schon gar nicht. Es ist ja eher, dass viele Bewerber um Wohnungen
Sascha: haben die Erfahrung gemacht, dass in der Schlange von 100 Leuten stehen.
Paul: Genau, aber das ist ja das kapitalistische Versprechen zu sagen,
Paul: wir haben irgendwie sozusagen das Regal voll und können jetzt hier sozusagen
Paul: aussuchen zwischen ganz vielen unterschiedlichen Produkten, weil der Markt regelt
Paul: das und das trifft ja nicht zu auf den Wohnungsmarkt.
Sascha: Genau, das ist mit anderen Worten etwas, was ich bei der Antwort auf die Eigentumsfrage
Sascha: schon, oder was Eigentum ist, das Prinzip ist Mehrung.
Sascha: Also das Versprechen kann nur eingelöst werden, wenn es Mehrung gibt.
Sascha: Sonst funktioniert das eben nicht.
Sascha: Irgendjemand besitzt den Boden, er gibt den entweder gar nicht her oder er gibt
Sascha: den Boden oder seine Nutzung darauf zum höchstmöglichen Preis her und das quetscht
Sascha: alle die aus, die noch nichts haben.
Paul: Genau und jetzt wäre die Mehrung, und das hört man ja auch sehr oft,
Paul: eine Antwort ist, wir brauchen mehr Wohnungen.
Paul: Das kann man jetzt ja auch glaube ich sozusagen so oder so diskutieren,
Paul: ob das so zutrifft als Schlagsatz.
Paul: Aber die Frage, die mich daran besonders interessiert, ist, warum dein Fokus
Paul: sozusagen so stark auf den Boden geht.
Sascha: Der Boden steht deswegen im Zentrum, weil die Kontrolle des Bodens letztendlich
Sascha: entscheidet, was darauf stattfindet.
Sascha: Wir wollen keinen Staat, der alle Häuser verwaltet, aber wir wollen durchaus,
Sascha: da wir ja nun mal alle in einer funktionierenden Demokratie leben wollen,
Sascha: wollen wir, dass es einen vernünftigen Ausgleich zwischen den Interessen des
Sascha: Einzelnen und der Gemeinschaft gibt.
Sascha: Und der kann bei dem Volleigentum mit sehr, sehr geringen Begrenzungen der Eigentumsrechte,
Sascha: wie wir es heute haben, also sprich, wenn ich eine Wohnung besitze oder ein
Sascha: Haus besitze und ich habe den Boden darunter,
Sascha: kann ich letztendlich innerhalb des Mietrechts darauf tun und lassen, was ich will.
Sascha: Oder wenn ich überhaupt besitze, ich brauche ihn auch nicht bebauen.
Sascha: Es gibt zwar theoretisch immer Instrumente, dass man jemanden zwingen kann,
Sascha: faktisch finden die aber nicht statt, weil das politisch kaum als durchsetzbar
Sascha: und opportun betrachtet wird.
Sascha: Wir haben ja hier auf der Richard-Wagner-Straße ein 20 Jahre dauerndes Menethekel.
Sascha: Das zeigt, dass letztendlich die Eigentumsrechte so stark sind,
Sascha: dass man gegen einen widerspenstigen Eigentümer eigentlich keine realistischen
Sascha: oder keine verhältnismäßigen Chancen auf die Durchsetzung öffentlicher Interessen hat.
Daniel: Und für alle, die sich nicht in Köln auskennen, Richard-Wagner-Straße ist wirklich mittendrin.
Sascha: Genau, zentraler geht es eigentlich nicht, aber egal ob zentral oder nicht,
Sascha: die Problematik, das ist halt was, was viele gesehen haben, weil das da über
Sascha: Jahrzehnte immer wieder Presse zu gab.
Daniel: Vielleicht kannst du zu der Problematik kurz was sagen und das nochmal einordnen,
Daniel: was da eigentlich sozusagen los ist.
Sascha: Ja, es ist eine Baulücke.
Sascha: Ich weiß gar nicht, ob die aus dem Zweiten Weltkrieg stammt,
Sascha: aber auf jeden Fall besitzt jemand ein Grundstück in zentraler Lage, das nicht bebaut ist.
Sascha: Und die Kommune hat über viele Jahre versucht, den Eigentümer dazu zu bringen,
Sascha: dort zu bauen. Erstmal war die Haltung wohl, dass Wohnungsbau da im Vordergrund stehen sollte.
Sascha: Man kann Baugebote aussprechen, also es gibt durchaus theoretische Rechtsinstrumente,
Sascha: um jemanden dazu zu zwingen, aber das ist an viele juristische Voraussetzungen gekoppelt.
Sascha: Und man kann einfach nur sagen, dass die Stadt nie erfolgreich war,
Sascha: dieses Recht durchzusetzen.
Sascha: Der Eigentümer hat teilweise auch Strafen in Kauf genommen, um sich gegen das Baugebot zu wehren.
Sascha: Aber im Ergebnis hat die Kommune vermutlich etlich tausend Stunden Verwaltungsmitarbeiterzeit
Sascha: eingesetzt mit letztendlich zwar ein paar Einnahmen auf der Strafenseite,
Sascha: aber ohne das Ziel durchzusetzen.
Sascha: Man demonstriert einfach das Machtverhältnis oder die Ungleichheit der Macht.
Sascha: Also öffentliche Interessen durchzusetzen ist in dem Sinne extrem aufwendig,
Sascha: wenn jemand den Eigentum am Boden hat.
Sascha: Das würde sich eben komplett anders verhalten, wenn die Kommune den Boden besäße,
Sascha: was ja auch eine Haltung ist, die sich mittlerweile grundsätzlich durchgesetzt
Sascha: hat, zu sagen, wenn die Kommune Boden besitzt, sollte sie ihn behalten und den
Sascha: Boden nur im Erbbaurecht vergeben.
Sascha: Erbbaurecht heißt, sie verkauft nicht den Boden, sondern nur das Recht,
Sascha: seine Nutzung für eine festgelegte Zeit.
Sascha: Die meisten sind an 99 Jahre gewöhnt, das ist nirgendwo so geregelt,
Sascha: das ist eher eine Tradition.
Sascha: Und dann kann jemand diesen Boden in wirtschaftlicher Eigenverantwortung in
Sascha: den Grenzen, die in dem Vertrag gesetzt sind, nutzen.
Sascha: Und das gibt zum Beispiel die Möglichkeit zu sagen, wir möchten,
Sascha: dass du den Boden für bezahlbaren Wohnraum nutzt.
Sascha: Und das ist zum Beispiel in Köln so definiert, wenn die Stadt Köln jetzt ein
Sascha: neues Grundstück vergäbe.
Sascha: Du baust darauf bitte doch 50 Prozent geförderten Wohnraum und der bleibt aber
Sascha: im bezahlbaren Bereich nicht nur für die 30 Jahre, die dir das Land auferlegt,
Sascha: weil du einen Kredit dafür bekommst,
Sascha: sondern auch darüber hinaus begrenzen wir den Mietzuwachs für diese Wohnungen.
Sascha: Und auf diese Art und Weise übt die Kommune dann wirksam ihre Möglichkeit aus,
Sascha: zu sagen, wir möchten eine langfristige Sozialbindung dieses Eigentums.
Sascha: Und daraus ergibt sich dann einfach eine andere Mechanik, die dauerhaft auch
Sascha: bezahlbaren Wohnraum sicherstellt, der sonst eben sich in Köln seit 1990 quasi
Sascha: auf ein Viertel reduziert hat.
Paul: Ich glaube, ich würde, bevor ich fragen, die ich da zum Erbbaurecht habe...
Paul: Gerne nochmal einmal kurz verstehen, dass die Stadt in dem Fall so wenig Zugriffsmöglichkeiten
Paul: hat, jetzt in diesem Beispiel auf das Grundstück von diesem Eigentümer,
Paul: der sich da aus Gründen, die mir nicht bekannt sind, weigert irgendwie drauf zu bauen.
Paul: Das hat was mit dem Eigentumsrecht zu tun, dass das so stark ist?
Sascha: Ja, erstmal hat ja der Eigentümer die Verfügungsgewalt über sein Grundstück.
Sascha: Und es gibt ja durchaus in unseren Gesetzen Ideen, dass es eine Begrenzung des Eigentums geben soll.
Sascha: Es gibt sie im Grundgesetz, der begrünte Paragraf 14 Absatz 2,
Sascha: dass Eigentum stets auch dem Gemeinwohl dienen muss.
Sascha: Dazu gibt es aber sehr, sehr wenig Durchführungsgesetze, quasi keine. Es gibt sie im Detail.
Sascha: Und ein Detail da drin ist, dass Kommunen grundsätzlich gegen Leerstand oder
Sascha: Nichtnutzung von Grundstücken durch Baugebote vorgehen können.
Sascha: Nur haben wir eben die rechtlichen Anforderungen an die Durchsetzung an ein
Sascha: solches Baugebot so hoch geschraubt, dass es faktisch extrem schwierig ist,
Sascha: ein solches Baugebot durchzusetzen.
Paul: Das heißt, der Staat hat sich da gewissermaßen selber so ein bisschen das Handwerk gelegt?
Sascha: Genau, wenn man den Staat als abstrakt nimmt, ich würde behaupten,
Sascha: dass Interessengeleitet die Regelungen so gestrickt wurden, dass es so schwierig ist.
Paul: Der Gesetzgeber, wer auch immer es war.
Sascha: Genau, also wir haben einfach, wir haben das Eigentum in seiner Rangigkeit so
Sascha: hochgehängt in der Gesellschaft.
Sascha: Deswegen hatte ich kurz auf die Historie Bezug genommen. Das macht ja auch erstmal
Sascha: Sinn, wenn man sagt, hey, wir sind völlig, alle Menschen, die nicht Eigentum
Sascha: besitzen, sind völlig ausgeliefert den Landlords, deren Boden sie nutzen müssen.
Sascha: Das müssen wir anders machen. Das ist so, wie oft gesellschaftliche Reaktionen
Sascha: dann ins extreme Gegenteil gehen.
Sascha: Und in diesem Fall ist es eben so, dass wir das Eigentumsrecht so hochgehängt
Sascha: haben, dass die Gemeinwohlorientierung, die die weisen Schaffer des Grundgesetzes
Sascha: reingeschrieben haben, schlicht und einfach nicht mehr erfüllbar sind.
Sascha: Also man kann einfach diese Idee des Grundgesetzes, dass es einen Ausgleich
Sascha: zwischen dem Individualinteresse und dem Gemeinwohlinteresse gibt,
Sascha: kann man einfach in dem Regelungsrahmen, den wir heute haben, nicht durchsetzen.
Paul: Jetzt hast du den Begriff Gemeinwohl auch schon ein paar Mal erwähnt und ich
Paul: fände es glaube ich ganz gut nochmal so eine ganz grundsätzliche Frage zu stellen,
Paul: nämlich welche Problematik ergibt sich denn daraus,
Paul: wenn in Städten Boden so sozusagen Eigentum von Investoren ist,
Paul: von Einzelakteuren, was macht das mit einer Stadt?
Paul: Jetzt mal jenseits davon, dass dann möglicherweise weniger Wohnraum entsteht,
Paul: wenn sich jetzt jemand so weigert, aber das ist ja jetzt auch eine Ausnahme,
Paul: sondern in der Regel entstehen ja Wohnhäuser oder Einkaufszentren oder was auch
Paul: immer sozusagen auf dem Boden dann, aber wo ist gerade das Problem?
Sascha: Die einfachste Antwort darauf ist, es macht die Stadt teuer.
Sascha: Dann kann man eben darauf schauen, welchen Effekte hat es, wenn Dinge teurer werden.
Sascha: Wenn bei allen die Einkommen im gleichen Maße steigen, wie Dinge teurer werden,
Sascha: dann gleicht es sich halbwegs aus. Das entspricht aber nicht der Realität.
Sascha: Die Leistungsfähigkeiten unserer Gesellschaft sind extrem ungleich.
Sascha: Das führt zur Segregation. Das ist eines der Phänomene, also die Trennung der
Sascha: Stadt in gesellschaftliche Gruppen.
Sascha: Das Versprechen der Stadt und das sollten wir sehr hoch halten ist,
Sascha: dass es ein Ort ist, an dem Menschen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen
Sascha: zusammenkommen. Ist übrigens eine Grundlage dafür, dass Demokratie funktionieren kann.
Sascha: Deswegen finde ich das Bodenthema auch so wichtig, weil es eine der zentralen
Sascha: Grundlagen für die Aufrechterhaltung der Demokratie ist.
Sascha: Denn Demokratie muss Teilhabe sicherstellen. Teilhabe bedeutet,
Sascha: dass Menschen ohne in die Ecke gedrängt zu sein an gesellschaftlichen und demokratischen
Sascha: Prozessen teilhaben können.
Sascha: Dort, wo sie überfordert sind, weil sie nur noch dem Geld hinterherrennen müssen
Sascha: beispielsweise, tun sie das nicht mehr.
Sascha: Das sind dann die indirekten Effekte, die daraus kommen.
Sascha: Die Nichtmehrbarkeit des Bodens führt zu einer Verknappung, Knappheit führt
Sascha: zu höheren Preisen, höhere Preise führen zur Trennung in der Gesellschaft,
Sascha: führen zu Störungen in Teilhabemöglichkeiten oder zu Verschiebungen der Macht,
Sascha: was Teilhabe anbetrifft, führt zu gesellschaftlicher Spaltung,
Sascha: führt zu den Dingen, die wir in unserer Gesellschaft beobachten,
Sascha: an Demokratiedefiziten oder gar Abwendung von der Demokratie.
Paul: Das ist ja eine sehr direkte Linie, die du da ziehst zwischen der Forderung,
Paul: wir müssen sozusagen die Demokratie stärken, führt dann sozusagen auf dieser
Paul: Linie direkt dazu, die Frage zu stellen, wem gehört eigentlich der Boden?
Sascha: Absolut. Also generell, wem gehört etwas? Und Boden ist eben nun mal ein zentraler
Sascha: Vermögensgegenstand in der Gesellschaft.
Sascha: Ich weiß es, ich kenne die exakte Zahl nicht, aber man kann sicherlich behaupten,
Sascha: dass weit über 50 Prozent allen Vermögens, das überhaupt existiert, Bodenvermögen ist.
Paul: Und da frage ich jetzt deswegen so, also ich habe das so dezidiert jetzt nachgebohrt
Paul: und auch das mit dem Begriff Gemeinwohl, weil das ist ja so ein Begriff,
Paul: der klingt erstmal für mich zumindest oder für uns hier sehr einleuchtend und
Paul: oft so einleuchtend, dass er auf eine Art gar keine Erläuterung mehr bedarf.
Paul: Aber ich finde das schon trotzdem sehr wichtig, mal diese Frage zu stellen,
Paul: weil wir eben mit so einer starken Gegenlogik konfrontiert sind,
Paul: was das Eigentum angeht. Die hattest du ja auch eingangs beschrieben.
Paul: Also es gibt sozusagen fast einen verinnerlichten Reflex oder fast so ein Urgefühl,
Paul: dass das total normal ist, dass einem etwas gehört.
Paul: Wir können uns das sozusagen kaum vorstellen, dass das sozusagen anders geregelt ist.
Paul: Und gleichzeitig stellen wir fest, dass das jetzt aber nicht nur gut ist,
Paul: das Gemeinwohl für die, die nix haben,
Paul: also als würde man da sozusagen irgendwelche Sozialschmarotzer mit durchschleppen
Paul: wollen jetzt mit sozusagen so einem Konzept, sondern dass es tatsächlich ums große Ganze geht.
Paul: Und das war mir jetzt sozusagen einfach nochmal total wichtig,
Paul: da den Bogen hin zu machen, um einfach die Dimension, die das hat, deutlich zu machen.
Sascha: Ja, bin ich völlig bei dir.
Daniel: Sascha, wann hat denn Boden für dich aufgehört, nur Quadratmeter zu sein?
Sascha: Also mit der Frage, wie Wirtschaft dem Menschen dienen kann und was für mich
Sascha: der Anspruch sein sollte und nicht umgekehrt,
Sascha: die ist für mich schon seit mehreren Jahrzehnten virulent und vor ungefähr einem
Sascha: Dutzend Jahren bin ich einfach auf das Thema eigentlich ein bisschen per Zufall gestoßen.
Sascha: Ich habe ein neues Themenfeld des Engagements gesucht und ein Artikel aus der
Sascha: Zeit von Hanno Rauterberg, Genossen gründet,
Sascha: hat bei mir das Bewusstsein geschaffen, dass Menschen, also ich meine jetzt
Sascha: nicht professionelle Wirtschaftsakteure, sondern dass Menschen aus der Zivilgesellschaft
Sascha: aus eigener Kraft Wege suchen sollten, Antworten auf die Wohnungsfrage zu finden.
Sascha: Und dann führte eins zum anderen, denn aus dem eigenen Versuch,
Sascha: eine Wohnungsbaugenossenschaft nach sehr ideell ausgerichteten Prinzipien zu gründen,
Sascha: wurde mir dann einfach sehr schnell bewusst, wie stark wir davon abhängen,
Sascha: dass wir auf Bodenzugriff haben und zu Bedingungen, die ein solches auch gemeinwohlorientiert
Sascha: gedachtes Projekt soll vor allem heißen,
Sascha: dass unsere Vorstellung von dieser Genossenschaft war, dass sie die soziale
Sascha: Mischung der Stadt widerspiegelt, dass das nur funktionieren kann,
Sascha: wenn wir Boden eben nicht.
Sascha: Ich bleibe jetzt mal, das ist einfach nur eine Zahl, das sollte man jetzt nicht
Sascha: zu ernst nehmen, aber die nicht 1500 Euro oder mehr pro Quadratmeter kostet,
Sascha: weil man damit so eine soziale Mischung nicht herstellen kann.
Sascha: Und aus diesem Bewusstsein kam einfach eine Vertiefung.
Sascha: Mit der Frage zustande und die führt zu den Zwischeneinsichten,
Sascha: die ich heute mit euch teile.
Paul: Du hast gerade gesagt, ein Versuch eine Genossenschaft zu gründen.
Paul: Ist es bei dem Versuch geblieben oder läuft der noch?
Sascha: Der Versuch läuft noch, hat sich modifiziert, aber wir haben auch tatsächlich
Sascha: nach über zehn Jahren hat die Gruppe sich erstmal in einen Ruhemodus versetzt,
Sascha: weil wir einfach erschöpft waren als Gruppe. Wir haben so viel getan.
Sascha: Wir sind sehr sichtbar. Wer sich durch Dokumentationen der Stadt wälzt oder
Sascha: nach Stadtraum 5 und 4 sucht, findet etliche Hinweise darauf,
Sascha: was wir alles so in den Jahren getan haben.
Sascha: Und es war immer so gedacht, dass wir sagen, wir wollen selber solche Projekte
Sascha: machen, um zu zeigen, dass Zivilgesellschaft sowas kann.
Sascha: Sie kann es in anderen Städten, sie hat es getan in anderen Städten im großen Maße.
Sascha: In München sind mehrere tausend Wohneinheiten nach den Idealen entstanden,
Sascha: für die wir stehen, in Zürich etc.
Sascha: Es gibt also einige Städte, die das Potenzial erkannt haben und an Köln und
Sascha: in Köln haben wir uns eben die Zähne ausgebissen, weil der Boden nicht bereitet war für solche Ideen.
Paul: Kannst du das nochmal ein bisschen genauer erläutern, woran es jetzt erstmal gescheitert ist?
Sascha: Also da wir eben einen Markt haben, der grundsätzlich erstmal von der Höchstpreislogik
Sascha: ausgeht, sprich jemand besitzt ein Grundstück und sucht einen Käufer und das
Sascha: Kriterium, nachdem es verkauft ist, wer zahlt mir am meisten?
Sascha: In so einem Markt können solche gemeinwohlorientierten Projekte nicht entstehen.
Sascha: Denn wir hatten ja das Beispiel weiter vorne, wenn ich 1500 Euro für den Quadratmeter
Sascha: Boden bezahlt habe, dann entstehen einfach Bau- und Mietpreise,
Sascha: die einer sozialen Mischung entgegenstehen.
Sascha: Also braucht es Boden, der günstiger ist.
Sascha: Woraus könnte der geschaffen werden, dass eine Kommune sagt,
Sascha: naja, ich könnte jetzt 1500 Euro für den Boden haben, wenn ich die aber nehme,
Sascha: bekomme ich Probleme auf der sozialen Ebene.
Sascha: Deswegen begrenze ich den wirtschaftlichen Ertrag und gebe das Grundstück billiger her.
Sascha: Dafür bekomme ich aber im Gegenzug eine von den Nutzern zugesicherte Sozialbindung in dem Projekt.
Sascha: Dadurch bekomme ich soziale Stabilität im Quartier, ich vermeide die gesellschaftliche
Sascha: Spaltung, ich habe weniger Transferleistungen zu zahlen, zum Beispiel über Wohngeld etc.
Sascha: Pp. Also es stehen auf verschiedenen Ebenen Nutzen für die Kommune.
Sascha: Und das ist quasi dann der Weg, den man gehen kann.
Paul: Und diese Böden, die es bräuchte, die gibt es aber nicht in dem Umfang? Genau.
Sascha: Also die Stadt Köln besitzt zwar relativ viel Land, also im Verhältnis zu anderen Städten.
Sascha: Bonn besitzt pro Einwohner noch deutlich weniger Eigengrundstücke.
Sascha: Viele sind verkauft worden einfach. Es ist ja auch so, dass Kommunen insbesondere
Sascha: in den 2000er Jahren, sofern sie vorher Boden besaßen, erheblichen Teil verkauft
Sascha: haben, um ihre Haushalte zu sanieren.
Sascha: Eine ganz, ganz fürchterliche Entwicklung, die alle Land auf Land ab heute bedauern.
Sascha: Aber die hat eben stattgefunden.
Sascha: Was einmal verkauft ist, kriegt man nicht mehr wieder Köln. Besitzt zwar noch
Sascha: einiges an Flächen, die meisten dafür stehen aber heute nicht dem Wohnungsbau
Sascha: zur Verfügung, weil sie noch kein Baurecht haben.
Sascha: Soll heißen, kurzfristig verfügt die Kommune nicht über Boden,
Sascha: die sie solchen Projekten wie dem, was wir geplant hatten, zur Verfügung stellen kann.
Sascha: Und die wenigen, es gibt ein hartes Ringen um jedes noch so kleine Grundstück in Köln,
Sascha: das aber eben bisher nie zugunsten von gemeinwohlorientierten,
Sascha: nie kann man jetzt nicht sagen, es gab in den letzten Jahren zwei erfolgreiche
Sascha: Vergaben von mittelgroßen Grundstücken,
Sascha: aber es ist gemessen an der Größe von Köln einfach sehr, sehr wenig.
Sascha: Und daran sind wir halt, da kam die Frage ja her, wir sind einfach mit unserem
Sascha: Projekt, das sehr ambitioniert war vom Konzept her, einfach nie zum Zuge gekommen
Sascha: und dann trat irgendwann mal die ehrenamtlichen Erschöpfung ein.
Daniel: Die ehrenamtliche Erschöpfung, ja. Trotzdem ist es ja so, was ich da jetzt gerade
Daniel: raushöre, vor allem wenn man jetzt irgendwie nochmal guckt, du hast jetzt,
Daniel: wir haben uns so ein bisschen darüber unterhalten, wo kommt das eigentlich her,
Daniel: wie war das in der Historie geregelt, dann Bodenreformen,
Daniel: das Pendel in der Einrichtung, jetzt schlägt das Pendel, haben wir so ein bisschen
Daniel: herausgearbeitet, ganz krass in die andere Richtung aus.
Daniel: Andere Städte machen das ja anders. Das bedeutet, es gibt aber durchaus Werkzeuge,
Daniel: wie man dem heute begegnen kann, auch aus der zivilgesellschaftlichen Richtung.
Daniel: Wir haben vorher kurz das Erbbaurecht schon mal angesprochen.
Daniel: Du hast auch gerade so ein paar Städte ins Feld geführt, wie zum Beispiel Zürich,
Daniel: wie zum Beispiel München.
Daniel: Ich habe in der Vorbereitung auch über Freiburg gelesen. Da gibt es,
Daniel: glaube ich, sozusagen auch Modelle, die anders funktionieren.
Daniel: Vielleicht können wir auf diese Werkzeuge so ein bisschen sozusagen im nächsten
Daniel: Schritt einmal eingehen,
Daniel: wie man Boden oder dieses Thema Boden heute eigentlich anders denken müsste,
Daniel: damit man dieser Pendelbewegung wieder einen Schwung eigentlich in die andere Richtung gibt.
Sascha: Ja, genau. Es gibt erst mal zwei Grundfragen. Besitzt eine Kommune Boden oder besitzt sie ihn nicht?
Sascha: Gehen wir mal von dem einfachen Fall aus, eine Kommune besitzt Boden.
Sascha: Dann ist es mehr eine Frage der Vergabepolitik. Das bedeutet vor allem politische
Sascha: Ausdauer und Dauerhaftigkeit.
Sascha: Bodenpolitik ist ein Langfristthema. Das kann man nicht mal eine Legislaturperiode
Sascha: so betreiben und in der nächsten anders.
Sascha: Da braucht es auch einen gewissen Konsens in der Stadtgesellschaft zu sagen,
Sascha: das ist unsere langfristige Perspektive darauf.
Sascha: Und die haben wir tatsächlich in Köln. Also die Grundsatzbeschlüsse sind da.
Sascha: Die sagen ja eben, Wohnungsbaugrundstücke werden grundsätzlich in Konzeptverfahren vergeben.
Sascha: Was noch dazukommen muss, was nicht so richtig eindeutig geregelt ist, zu einem Festpreis.
Sascha: Also man verabschiedet sich bewusst von dem Höchstpreisgebot,
Sascha: sondern sagt, nein, wir machen das so, wir legen einen Preis fest,
Sascha: der irgendwo im Markt ist. Darüber kann man dann diskutieren, wo das ist.
Sascha: Anstatt dass wir demjenigen den Zuschlag geben, der noch was obendrauf liegt,
Sascha: geben wir demjenigen den Zuschlag, der das beste Konzept für diesen Ort anbietet.
Sascha: Sogenannte Konzeptverfahren. Und auch das ist alles im Grundsatz beschlossen.
Sascha: Und dann sind wir wieder bei der Frage des Zeitfensters der Verfügbarkeit.
Sascha: Momentan sagt die Stadt, hat sie eben zu wenig, quasi gar keine Grundstücke,
Sascha: die sie so vergeben kann.
Sascha: Also wir haben einen guten politischen Beschluss, aber keine Bodenmasse,
Sascha: die dafür eingesetzt werden kann.
Sascha: Anders ist es, wenn die Stadt den Boden nicht besitzt oder keinen Boden besitzt,
Sascha: dann ist die Frage, wie kann sie an Boden kommen.
Sascha: Das kann sie, indem sie eine Politik fährt, in der sie sagt,
Sascha: liebe Investoren, wir geben euch kein Planrecht, wir geben euch kein Baurecht,
Sascha: wenn ihr uns nicht den Boden, zumindest zu einem Teil abgebt,
Sascha: auf dem ihr was machen wollt.
Sascha: Die Stadt Münster hat das gemacht, die hat, ich glaube es ist jetzt schon 2014
Sascha: gewesen, ganz genau weiß ich es vom Datum nicht, hat beschlossen,
Sascha: es wird kein Bebauungsplan erstellt auf einem Grundstück, das nicht zumindest
Sascha: zu 50 Prozent der Kommune gehört.
Daniel: Das bedeutet, daran sieht man ja, es gibt durchaus Hebel, die man als Kommune da einsetzen kann.
Sascha: Ja.
Daniel: Ohne das Bau- oder das Planungsrecht passiert da tatsächlich ja auch nichts auf dem Grundstück.
Sascha: So ist das. Und was besonders eindrücklich ist, dass in Münster dieser Beschluss
Sascha: unter einer CDU-Regierung gefasst wurde, was einfach nur zeigt,
Sascha: die Idee des Gemeinwohlinteresses ist ja nicht irgendwie eine...
Sascha: Grün-linke Idee, sondern es ist eine zentrale Daseinsvorsorgeaufgabe einer Kommune
Sascha: und deswegen kann auch das Thema komplett ohne Parteipräferenzen gedacht werden, muss sogar.
Sascha: Man muss einfach sagen, das braucht eine Stadt, damit sie funktionieren kann
Sascha: und nicht irgendwann auseinanderfällt.
Sascha: Und wie nutzen wir, und da muss man sagen, Kommunen haben einen zu geringen
Sascha: Spielraum, aber wie nutzen wir wenigstens den Spielraum, den wir haben?
Sascha: Und den hat beispielsweise Münster an dem Punkt sehr gut ausgenutzt.
Paul: Und wie kommt es, dass Köln das dann weniger macht? Also wir haben ja gerade
Paul: über, als wir über die Richter-Veragner-Straße gesprochen haben,
Paul: einen Extremfall, wo jemand mal nichts mit dem Grundstück machen will.
Paul: Aber meistens ist es ja eben, wie auch in deinem Beispiel gerade so,
Paul: dass die schon ein Interesse haben, da was drauf zu machen und man kann eben
Paul: über den Hebel ja im Moment, aber das geht erst, wenn ihr uns Boden abtretet, was erwirken.
Paul: Warum passiert das hier nicht? Oder zu wenig?
Sascha: Nur der sachlichen Richtigkeit muss man dazu sagen, das Grundstück,
Sascha: über das wir in der Richard-Wagner-Straße gesprochen haben, das liegt in einem bebauten Gebiet.
Sascha: Da braucht es keinen B-Plan, da gibt es Baurecht.
Sascha: Da ist es eine andere Situation. Wir reden, wenn wir jetzt von diesem Hebel,
Sascha: den ich jetzt am Beispiel Münsters erwähnt habe, reden, reden wir von Grundstücken,
Sascha: die noch kein für die Nutzung geeignetes Plan und Recht haben.
Paul: Das Kuriosum in der Richard-Wagner-Straße, dass jemand eben nicht bauen will.
Paul: Wir gehen jetzt ja von der Situation aus, wo Leute, also Investoren,
Paul: Bauherren, wer auch immer ein Interesse haben zu bauen und die Stadt darüber
Paul: einen Hebel bekommt, weil sie sagt, ja, könnt ihr gerne machen,
Paul: aber eben nur unter folgenden Bedingungen.
Daniel: Wenn wir in deinem Beispiel von vorhin bleiben, da könnte man das ja durchexerzieren.
Daniel: Das wäre so, der Boden hat einen Wert, der Investor kommt und kauft das,
Daniel: spekuliert dann darauf, dass es sozusagen dieses Planungs...
Sascha: Dass er einen Bebauungsplan bekommt.
Daniel: Genau, den Bebauungsplan bekommt. Und da könnte die Stadt sagen,
Daniel: den bekommst du, aber nur unter folgender Prämisse.
Sascha: Genau, das sollte die Stadt tun. Oder im Zweifelsfall sagen,
Sascha: unter den Prämissen, die du haben willst, werden wir keinen erstellen und dann
Sascha: wird er in die Rückabwicklung gehen.
Sascha: Besser ist immer vorausschauend zu agieren. Eine Kommune gibt vornherein das
Sascha: Signal, wir geben Bebauungspläne nur oder entwickeln die nur unter diesen und
Sascha: jenen Bedingungen. Dann geht der Investor gleich mit einer anderen Erzählung
Sascha: zum Grundstückseigentümer.
Sascha: Dann sagt er, pass auf, lieber Verkäufer, mit dem, was wir dort an Begrenzungen
Sascha: haben, beispielsweise wir müssen 50% geförderten Wohnungsbau errichten,
Sascha: wir müssen diese und jene Ziele, Beiträge für die Infrastruktur,
Sascha: können wir eben nicht 1500, sondern nur 700 Euro zahlen.
Sascha: Das ist immer noch ein erheblicher Aufschlag, aber eben es geht eine erkleckliche
Sascha: Summe raus, die auch später nicht refinanziert werden muss.
Sascha: Und das ist, was man vorausschauende Bodenpolitik nennen würde.
Sascha: Man muss einfach sehr klare politische langfristige Signale abgeben,
Sascha: unter welchen Bedingungen man überhaupt bereit ist, Bebauungspläne zu erstellen.
Daniel: Genau, was ich spannend daran finde, ist, das ist ja unter der Prämisse,
Daniel: dass, hast du ja gerade gesagt, eine Gemeinde hat keinen Boden.
Daniel: Wie geht man dann damit um? Und da kann man politische Rahmenbedingungen setzen,
Daniel: dass man das sozusagen dann so formuliert, dass man Boden wieder bekommt.
Sascha: Man muss einfach klar kommunizieren, wie Gemeinwohlinteresse in der Kommune verstanden wird.
Paul: Aber passiert das hier zu wenig in Köln? Weil du hast jetzt ja gerade sozusagen
Paul: Köln auch als ein Beispiel im Hinblick auch auf deinen eigenen Versuch,
Paul: da eine Genossenschaft ins Leben zu rufen, der erstmal daran gescheitert ist,
Paul: dass die Stadt sagt, ja wir haben den Boden nicht und wir können da auch scheinbar
Paul: gar nichts machen irgendwie.
Paul: In Münster hast du jetzt gerade gesagt, haben die das schon vor über zehn Jahren
Paul: so gemacht. Wieso ist das dann hier nicht so...
Sascha: Ich kann natürlich sehr wohlfeil Städte vergleichen und sagen,
Sascha: woanders läuft es besser.
Sascha: Ich würde sagen, darauf hatte ich ja schon Bezug genommen, die Grundsatzbeschlüsse
Sascha: für den Boden, der schon da ist, sind erstmal technisch okay.
Sascha: Hier geht es um Umsetzungsdefizit.
Sascha: Ich glaube, dass die Stadt Köln, und das bedeutet das Wechselspiel zwischen
Sascha: Verwaltung und Politik, nicht genug Energie darauf verwendet,
Sascha: die Grundstücke, die auch kurzfristig
Sascha: verfügbar wären, die sind nicht sichtbar, wir haben keine Liste,
Sascha: dass sie schlicht und einfach da zu halbherzig dran geht, um Grundstücke zu
Sascha: identifizieren, um sie gemeinwohlorientierten Nutzungen zur Verfügung zu stellen
Sascha: oder sie an zu komplexe Bedingungen knüpft, wenn mal welche da sind.
Daniel: Und da das so ein abstraktes Thema ist und du gerade sozusagen irgendwie gesagt
Daniel: hast, für den Fall, dass eine Stadt Boden hat, gibt es unter anderem das Werkzeug,
Daniel: wir haben ja gerade über Werkzeug gesprochen, gibt es das Werkzeug Konzeptvergabe statt Höchstpreis.
Daniel: Fällt dir da auch irgendwie so ein anfassbares Beispiel ein von einer Stadt,
Daniel: die das gut macht, wo man es einmal erklären kann oder nochmal anschaulicher
Daniel: machen kann, was das bedeutet, Konzeptvergabe statt Höchstpreis?
Sascha: Um die Ehre der Stadt Köln zu retten, da haben wir einen guten Beschluss,
Sascha: der wird auch umgesetzt.
Sascha: Da geht es mir wirklich mehr um die Häufigkeit. Wir haben gerade am Pollardamm
Sascha: eine Vergabe von einem Grundstück erlebt, die genau nach diesem Verfahren funktioniert.
Sascha: Da schreibt man dann als Kommune ein Exposé.
Sascha: Da steht drin hier das Grundstück x.000 Quadratmeter, kann so und so bebaut
Sascha: werden. Ihr könnt ja 5000 Quadratmeter Wohnfläche drauf errichten.
Sascha: Ihr müsst dabei die Randbedingungen einhalten, dass ihr 50 Prozent geförderten
Sascha: Wohnraum darauf errichtet.
Sascha: Ihr müsst natürlich den Bebauungsplan einhalten und bitte bewerbt euch mit Vorschlägen,
Sascha: welche Nutzung ihr in eurem Projekt machen wollt und stellt da,
Sascha: welchen Mehrwert sie für das Quartier, die Bewohner und die Stadtgesellschaft haben.
Sascha: Und dann geht das in eine Jury und die Jury schaut sich dann halt die verschiedenen
Sascha: Vorschläge an und entscheidet, okay.
Sascha: Dieser Gruppe, diesem Projekt geben wir einen Zuschlag und dann bekommen sie
Sascha: final einen Erbbaurechtsvertrag und können das Projekt realisieren.
Sascha: Das ist der idealtypische Ablauf von einem Konzeptverfahren.
Sascha: Den kann man sowohl mit zivilgesellschaftlichen Projekten machen,
Sascha: den kann man auch mit Investoren genauso machen.
Sascha: Ich kann genauso eine Ausschreibung machen, die sinnvolle Mindestvorgaben für
Sascha: Investoren gibt und sagt, bietet uns was an darüber hinaus. Wir können nicht
Sascha: alles wissen, was es an guten Möglichkeiten gibt.
Sascha: Wir können nicht als Stadt das Einkaufen bei euch macht genau diese und jene
Sascha: Nutzung, sondern wir stellen die Ideen in den Wettbewerb und eine Jury wird
Sascha: entscheiden, welcher Nutzungsvorschlag wirklich dem Gemeinwohl am besten entspricht.
Paul: Und jetzt hattest du ja vorhin schon mal gesagt, dass bei dem Erbbaurecht relativ lange Laufzeiten sind.
Paul: Das ist ja sicherlich auch richtig, weil wenn ich es richtig verstanden habe,
Paul: der Boden weiterhin dann in dem Fall der Stadt oder der Kommune gehört.
Paul: Das, was darauf gebaut wird, ja, aber demjenigen, der es erbaut,
Paul: also einem Investor oder sowas.
Paul: Natürlich brauchen die Planungssicherheit. Wie ist es denn umgekehrt?
Paul: Wie wird sichergestellt in diesen Verfahren, dass dann auch tatsächlich die
Paul: guten Konzepte, die dann da von der Jury ausgewählt worden sind,
Paul: tatsächlich über diese ganze Laufzeit auch so,
Paul: beibehalten werden, dass also nicht nach 25 Jahren oder nach 30 Jahren dann
Paul: da doch was anderes passiert oder Wohnraum, der eigentlich sozialer Wohnraum
Paul: ist dann doch irgendwie nach 25 Jahren sich verändert.
Sascha: Ja, da sprichst du einfach eine Stärke des Erdbaurechts an.
Sascha: In einem Verkaufsvertrag kann ich das später nicht mehr durchsetzen.
Sascha: Also wenn ich einen ganz normalen BGB-Verkaufsvertrag gemacht habe,
Sascha: dann kann ich mir da gewisse Penalen reinschreiben.
Sascha: Wenn du keinen sozialen Wohnraum realisierst, zahlst du x-tausend Euro pro Quadratmeter an Strafe.
Sascha: Das ist aber zeitlich befristet. Das ist juristische Spitzwindigkeit,
Sascha: da kann ich gar nicht drauf eingehen.
Sascha: Gibt es einfach sehr starke Begrenzungen. Im Erbbaurecht kann ich die Ziele,
Sascha: die vereinbart sind, über die gesamte Laufzeit sichern.
Sascha: Und geregelt, das kann sowohl durch,
Sascha: Kompensationszahlungen geregelt werden, falls die Dinge nicht eingehalten werden,
Sascha: aber der Extremfall ist tatsächlich der sogenannte Heimfall.
Sascha: Das bedeutet, dass der Grundstückseigentümer den Vertrag kündigt und dann fällt
Sascha: die Immobilie an den Grundstückseigentümer zurück.
Paul: Das heißt, sobald das juristisch sozusagen sauber formuliert ist in den Verträgen,
Paul: ist das ein sehr wirksamer Hebel.
Sascha: Genau, das ist ein Grund für das Plädoyer, für das Erbbaurecht.
Sascha: Keine der Parteien sollte ein Interesse daran haben. Also eine Kommune hat kein
Sascha: Interesse daran, massenhaft Eigentümer von den Immobilien zu werden.
Sascha: Das ist wirklich ein Notanker.
Sascha: Aber eben einer, der juristisch so stark ist, dass der Eigentümer nicht auf
Sascha: die Idee kommen kann, ja, ja, das haben wir mal da reingeschrieben,
Sascha: die tun mir schon nichts.
Paul: Genau, weil das ja sehr häufig tatsächlich passiert. Und das liest man ja auch
Paul: immer wieder, irgendwie,
Paul: dass Wohnprojekte jetzt geplant werden und groß vermarktet werden,
Paul: damit das da dann irgendwie so und so viel Prozent sozialer Wohnraum drauf entsteht
Paul: und man weiß aber, dass das irgendwie sozusagen Laufzeiten sind,
Paul: wo man nur den Kopf schüttelt, weil das nach 15, 20 Jahren teilweise sozusagen
Paul: dann ausläuft und jeder, der schon mal irgendwo gewohnt hat,
Paul: einfach weiß, dass das nun wirklich keine langen Zeithorizonte sind.
Sascha: Da gibt es zum Glück einige Verbesserungen.
Sascha: Tatsächlich bis vor wenigen Jahren waren 15 Jahre Bindung in geförderten Wohnungen
Sascha: üblich. Mittlerweile sind 25 oder 30.
Paul: Aber das ist ja auch zu wenig.
Sascha: Ja, das ist genau das. Aber das ist ja auch zum Beispiel etwas,
Sascha: was für den Bürger, der sich nicht da vertieft mit beschäftigt, nicht so deutlich ist.
Sascha: Eine Immobilie steht für 80
Sascha: Jahre und wird halt für einen relativ überschaubaren Zeitanteil gebunden.
Sascha: Das bedeutet aber auch, dass man allein um den Bestand an geförderten Wohnungen
Sascha: aufrecht zu erhalten, muss man immer weiterbauen.
Sascha: Und ich glaube, Daniel fragte vorhin oder stellte die Frage in den Raum,
Sascha: braucht es überhaupt neuen Wohnraum?
Sascha: Es gibt gute Gründe zu sagen, wir brauchen gar keinen neuen Wohnraum.
Sascha: Wir haben genug, er ist nur falsch verteilt.
Sascha: Wir schaffen aber durch die Art und Weise, wie wir geförderten Wohnraum in Deutschland,
Sascha: und das muss man wirklich betonen, in Deutschland gestalten,
Sascha: schaffen wir einen ständigen Druck, neu zu bauen, wenn wir bezahlbaren Wohnraum haben wollen.
Paul: Weil wir das Problem quasi, wenn die Sachen auslaufen, in die Zukunft verschieben.
Paul: Kannst du nochmal ganz kurz darauf eingehen, wieso sozusagen oder welche Argumente
Paul: dafür sprechen, dass wir möglicherweise gar nicht mehr Wohnraum brauchen,
Paul: sondern dass wir ihn nur anders verteilen müssen?
Sascha: Wir haben ja eine dauerhafte Entwicklung, dass der Verbrauch pro Kopf oder die
Sascha: Nutzung pro Kopf gewachsen ist.
Sascha: Also in den 70er Jahren haben wir ungefähr 27 Quadratmeter pro Nase bewohnt.
Sascha: Und heute sind wir bei 48 Quadratmetern angekommen.
Sascha: Und das ist ja ein Durchschnittswert, der ist also sehr ungleich verteilt.
Sascha: Also die Alleinstehende, die Alleinstehende, Verbliebene in der Wohnung wohnt
Sascha: häufig auf 120 Quadratmeter, während sich eine vierköpfige Familie,
Sascha: die nicht anders kann, auf 70 Quadratmeter zusammenpfercht.
Sascha: Und wenn wir aber uns anschauen, dass wir heute mehr als das,
Sascha: oder nicht mehr als das Doppelstipp, aber ungefähr das Doppelte an Wohnraum
Sascha: verbrauchen wie in den 70er Jahren, muss man sich als Gesellschaft die Frage
Sascha: stellen, ist die Verhältnismäßigkeit noch gewahrt?
Sascha: Und man kann eben sagen, ja, wenn wir den Wohnraum gerecht verteilen würden,
Sascha: ist erstmal genug da, es braucht keinen zusätzlichen Wohnraum.
Paul: Gibt es da Zahlen zu, was sozusagen so ein angemessener Pro-Kopf,
Paul: eine angemessene Pro-Kopf-Fläche wäre?
Sascha: Kann es nicht geben, ist eine Werthaltung, ist ein Interessenausgleich,
Sascha: also zum Beispiel, wie viel Siedlungsfläche will man haben.
Sascha: Wir haben momentan in Deutschland rund 13 Prozent Siedlungsfläche,
Sascha: das heißt also Wohnungen, Industrie, Gewerbe, Straßen versiegeln wir 13 Prozent.
Sascha: Die Nachhaltigkeitsforschung sagt, eigentlich sollten es nicht mehr als 4 Prozent
Sascha: sein, also verbrauchen wir rund dreimal
Sascha: so viel Fläche, wie man unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten haben sollte.
Sascha: Daraus können wir zumindest schließen, dass wir nicht immer noch mehr Fläche verbrauchen sollten.
Sascha: Wir hatten das Ziel bis 2030, sollten eigentlich mal null Hektar zusätzlicher
Sascha: Flächenverbrauch pro Tag erreicht werden.
Sascha: Wir sind jetzt momentan immer noch irgendwie bei 40 oder 50 Hektar,
Sascha: die wir jeden Tag zu pflastern.
Paul: Aber ja nicht nur mit Immobilien, sondern auch mit Infrastruktur.
Sascha: Das gehört ja, das fließt mit, genau, letztendlich hängt an jedem Quadratmeter
Sascha: ein Familienhaus, das ich baue, drei Quadratmeter, sonstige Infrastrukturfläche.
Sascha: Da gibt es eine Kopplung, aber es sind natürlich unterschiedliche Nutzungen.
Sascha: Ändert aber nichts daran, dass wir eigentlich genug Bauvolumen in Deutschland haben,
Sascha: wo man schon behaupten darf, wir können für alle Gutes, heißt ausreichend Fläche,
Sascha: mit ausreichend Fläche ausgestattetes Wohnen sicherstellen, wenn wir es verteilen können.
Sascha: Da kommen wir wieder auf das Eigentumsthema zurück.
Sascha: Es gibt aber eben keinerlei,
Sascha: Instrument, um exzessiven Flächenkonsum für die Gemeinschaft wieder zu regulieren.
Sascha: Ich drücke so rum, weil ich weiß, wie sensibel das Thema ist,
Sascha: aber wir haben eben, das ist dieses Thema, wie stark werten wir das Eigentumsrecht?
Sascha: Jetzt sagt jemand, ja, aber ich habe mir das doch verdient, meine 240 Quadratmeter.
Sascha: Das ist eben aber genau das, wo wir über unser Verhältnis zum Eigentum nachdenken
Sascha: müssen, denn das würde ja bedeuten, aha,
Sascha: das, was ich einmal verdient habe, hat keinerlei Verpflichtung mehr gegenüber
Sascha: der Gemeinheit, sondern es ist ein absolutes Recht, das durch nichts infrage gestellt werden darf.
Sascha: Schon die Grundsteuer ist eigentlich ein Eingriff in mein Eigentumsrecht,
Sascha: denn ich muss ja was abgeben davon.
Sascha: Aber so kann Gesellschaft nicht funktionieren, weil sie schlicht einfach Besitzstände zementiert.
Sascha: Und es stellt auch keiner mehr die Frage, ob die gerecht oder legitim zustande
Sascha: gekommen sind, sondern einfach der Ist-Zustand wird zementiert,
Sascha: völlig unabhängig davon, ob die Gesellschaft ein Interesse daran haben kann.
Sascha: Und das kann nicht funktionieren, das geht einfach nicht auf.
Paul: Jetzt denken ja aber doch tatsächlich viele Leute so. Ich glaube,
Paul: das spiegelt ganz gut so ein Grundempfinden wieder.
Paul: Was würdest du denn zu so jemandem sagen, der sagt, ich habe mir das doch verdient, meine 200 Quadratmeter.
Sascha: Das ist die ganz große, schwierige Frage,
Sascha: auf die ich möglicherweise keine befriedigende Antwort liefern kann.
Sascha: Ich glaube, das ist wirklich was, und da muss man schon mal sagen,
Sascha: da muss man in sich gehen und das spüren. Also wir leben ja in einer sehr wohlhabenden,
Sascha: sehr privilegierten Gesellschaft.
Sascha: Wir verbrauchen extrem viel Zukunft in dieser Gesellschaft.
Sascha: Wir haben einen riesen ökologischen Fußabdruck und trotzdem gehen wir immer
Sascha: hin und deklarieren alles, was wir mal unter unsere Kontrolle gebracht haben,
Sascha: als etwas, was uns zusteht und fragen nicht, wo es herkommt und welche Impacts es hat.
Sascha: Und gleichzeitig sind wir soziale Wesen und wir wissen ganz genau,
Sascha: dass die Rechnung nicht aufgehen kann, wenn ich einfach alles,
Sascha: was ich unter Kontrolle bringen kann, mir aneigne.
Sascha: Und so reagieren ja auch ganz wenige Menschen.
Sascha: Wir machen das ja gar nicht so absichtlich und explizit, sondern ich arbeite
Sascha: für einen großen Konzern, verdiene großes Geld,
Sascha: kaufe mir mit eine große Immobilie und die gehört mir dann.
Sascha: So ist ja die Wahrnehmung. Das Problem ist aber, dass der Ausgleich nicht mehr
Sascha: funktioniert, weil er eben immer darauf setzt, aha, der, der das noch nicht
Sascha: hat, der jetzt als nächstes kommt –,
Sascha: Der muss es mir entweder abkaufen, dann bestimme ich den Preis oder er muss
Sascha: es irgendwo neu schöpfen können.
Sascha: Und das bedeutet, wir hatten jetzt gerade davon, wir haben schon zu viel Siedlungsfläche,
Sascha: der erzeugt dann den Druck und sagt, hier, ich möchte aber auch das Recht haben, sowas zu besitzen.
Sascha: Jetzt mach doch aus dem Acker mal doch noch Bauland, damit ich auch noch bezahlbar
Sascha: bauen kann. Das ist genau der Druck, den wir erzeugen.
Daniel: Also es wird nicht nur zementiert, sondern es wird sozusagen eigentlich noch verschärft.
Daniel: Und in so Ballungsräumen wie in dieser großen Stadt Köln oder München oder kann
Daniel: jede Stadt wahrscheinlich auf dieser Welt nehmen, steigen die Preise ja auch
Daniel: einfach wahnsinnig an. Das kommt ja noch dazu.
Daniel: Also es ist ja nicht nur zementiert, sondern es verschärft sich ja noch.
Daniel: Du hast vorgesagt, 50 Prozent seit 2019 haben sich die Mietfragen.
Sascha: 40 Prozent von 19 bis 24, ja.
Daniel: Ja, aber das ist ja eigentlich völliger Wahnsinn.
Sascha: Wobei, und das gehört auch dazu, dass tatsächlich über viele Jahre die Einkommen,
Sascha: deswegen ist immer das Problem mit den Durchschnittswerten, sind die Durchschnittseinkommen
Sascha: schneller gestiegen als die Durchschnittsmieten.
Sascha: Diese Verschärfung haben wir jetzt, weil wir ja auch glücklicherweise aus meiner
Sascha: Sicht uns irgendwann mal gewahr geworden sind, dass wir eben auch ein Klimathema haben.
Sascha: Und gerade weil wir, also wir können uns als Gesellschaft entscheiden,
Sascha: so Klima interessiert mich nicht, brauchen wir nur in die Presse gucken.
Sascha: Passiert ja fast schon wieder gerade. Wir werden unsere Klimaziele nicht erreichen,
Sascha: insbesondere im Gebäudebereich nicht, aber auch im Verkehrsbereich,
Sascha: der mittelbar da dran hängt, werden wir die nicht erreichen.
Sascha: Jetzt entscheiden wir uns, wir haben einen Zielkonflikt, wie entscheiden wir uns da drin?
Sascha: Und eine Antwort, die durchaus auch von gewissen Parteien gegeben wird,
Sascha: ist ja, Klima ist wichtig,
Sascha: aber genauso wichtig, soll aber eigentlich heißen, noch wichtiger ist bezahlbarer
Sascha: Wohnraum, also versiegeln wir eben doch neue Fläche, weil uns keine andere Lösung
Sascha: anfällt, weil wir uns politisch nicht daran trauen,
Sascha: die Verteilungsfrage zu stellen.
Paul: Da würde ich jetzt auch nochmal sozusagen, also du hast jetzt zwei Instrumente
Paul: als schon sehr wirkungsvoll identifiziert, Erbbaurecht und Konzeptvergabe.
Paul: Ich schmeiße jetzt einfach mal diesen Begriff Enteignung rein.
Paul: Also wir sprechen über so gravierende Themen.
Paul: Wir sprechen über Demokratie, wo es einen direkten Bezug zu diesem Thema Boden
Paul: und zu dem Thema Verteilung gibt.
Paul: Wir sprechen über Klima, was direkt damit offensichtlich zusammenhängt.
Paul: Das ist ja jetzt die Wurzel.
Paul: Wären da nicht eigentlich auch größere Geschütze sozusagen mal angebracht?
Sascha: Also die größeren Geschütze werden kommen, die brauche ich hier gar nicht herreden,
Sascha: weil wir uns in gesellschaftliche Sackgassen manövrieren, aus der wir dann nicht
Sascha: mehr anders ausbrechen können als mit großen Geschützen.
Sascha: Das ist so, in der Klimaforschung spricht man immer Change by Design or by Disaster.
Sascha: Und aus meiner Sicht laufen wir, dadurch, dass wir uns an die Getriemen nicht
Sascha: rantrauen, eben auf das Letztere hinaus, wo keiner hin will.
Sascha: Enteignung ist ein angstbesetztes Thema und ist auch eine Ultima Ratio,
Sascha: die es eigentlich gar nicht bräuchte.
Sascha: Es gibt viel sanftere Instrumente, die wir hätten.
Sascha: In dem Moment, wo wir die nie aktivieren, kommt der Ruf nach diesen rabiaten Instrumenten und.
Sascha: Richtig überhaupt das durchzuführen, wenn man sich das zu Ende denkt,
Sascha: wen enteignet man, was sind die Kriterien dafür, dass man den einen enteignet
Sascha: und den anderen nicht abgesehen davon, dass wir bei Enteignungen im deutschen
Sascha: Recht immer von einer Enteignung gegen Entschädigung sprechen, dass,
Sascha: Schneidet zwar dann die zukünftige Nutzung ab, aber die Kosten für die Allgemeinheit
Sascha: sind erstmal die Werte, die da momentan da sind.
Sascha: Und die sind halt eben durch Spekulation auch sehr hoch geworden.
Sascha: Also insofern zahlt die Gesellschaft dann den privaten Gewinn über die Enteignung.
Sascha: Da hängen also diverse Haken dran. Deswegen muss das Plädoyer sein,
Sascha: über das Verhältnis zum Eigentum neu nachzudenken und das ist natürlich ein
Sascha: kulturell herausforderndes Thema.
Sascha: Man hätte gerne Quickfixes, aber die kann ich hier nicht anbieten,
Sascha: die gibt es aus meiner Sicht hier nicht.
Sascha: Es braucht eine andere Haltung und aus dieser anderen Haltung folgt eine Offenheit
Sascha: für eine andere Gesetzgebung und das bedeutet vor allem eine bessere Lastenverteilung,
Sascha: die nicht so sehr besitzstandsorientiert ist,
Sascha: sondern wirklich in den Mittelpunkt rückt, was ist denn ein gerechter Ausgleich
Sascha: in einer Gesellschaft, die für alle funktionieren muss.
Sascha: Wir können doch kein ernsthaftes Interesse an einer weiteren Spaltung der Gesellschaft
Sascha: haben, wo die einen sich abgehängt fühlen,
Sascha: auf eine Art und Weise reagieren, die keiner lustig finden kann und uns dann
Sascha: darüber wundern, weil wir die Voraussetzungen selber dafür geschaffen haben,
Sascha: dass die Leute abgehängt werden.
Sascha: Daraus kann ich einfach kein zukunftsfähiges politisches Kalkül ableiten.
Sascha: Und das ist der Punkt und da komme ich halt auf das Thema eine vernünftig ausgestaltete
Sascha: Vermögens- und Erbschaftssteuer, auch eine Korrektur in der Einkommenssteuer.
Sascha: Das sind alles Dinge, die werden hoch und runter diskutiert,
Sascha: aber Deutschland ist einfach Reformträge.
Sascha: Und weil eben die Diskussion Besitzstands wahrend geführt wird und nicht aus
Sascha: einer integralen Perspektive, was ist für die Gesamtgesellschaft gut.
Daniel: Gibt es Beispiele, wie das in anderen Ländern anders gelöst wird oder organisiert
Daniel: wird gesamtgesellschaftlich?
Sascha: Weiß ich nicht, fehlt mir der globale Überblick. Ja, man kann natürlich behaupten,
Sascha: dass in manchen skandinavischen Ländern die Sozialstaatlichkeit momentan besser ausgestaltet wird.
Sascha: Das Grunddilemma ist überall da, wobei man schon sagen muss,
Sascha: dass wir Deutsche durch unsere sehr große Umverteilung im Einkommen immer die
Sascha: Welt schön gerechnet haben.
Sascha: Denn wir sind eines der vermögensungleichsten Länder in den ganzen OECD sogar.
Sascha: Ich glaube, auf Platz zwei hinter den USA. Also es nimmt sich jetzt nicht so viel.
Sascha: Man muss einfach konstatieren, wir sind, was das Vermögen anbetrifft,
Sascha: ein extrem, extrem ungleiches Land.
Sascha: Wir sind in der sozialen Mobilität, sind wir gruselig schlecht,
Sascha: um aus dem untersten Zehntel der Gesellschaft einkommens- und vermögensmäßig,
Sascha: glaube ich, in die oberste Hälfte aufzusteigen. braucht man,
Sascha: ich glaube, mittlerweile fünf Generationen.
Sascha: Das ist sogar wieder schlechter geworden.
Sascha: Also wir sehen einfach, dass es knirscht und das liegt halt und das ist halt
Sascha: auch die Herausforderung, das liegt eben auch an der Art und Weise,
Sascha: wie wir mit Boden, mit seiner Besteuerung, mit seiner Nutzung umgehen.
Paul: Das finde ich total interessant, weil ich habe in der Vorbereitung nämlich genau
Paul: zu dieser sozialen Mobilität gelesen, dass Kinder, die in gemischten Quartieren
Paul: aufwachsen, nachweislich bessere Bildungs- und Einkommens-Aussichten haben.
Paul: Und das ist ja sozusagen, da ist ja der Boden genau dafür, auch der Hebel,
Paul: einfach zu sagen, wenn wir es schaffen, unsere sozialen Räume durchmischt zu
Paul: halten, über die Frage, wer kann sie sich leisten,
Paul: dann schaffen wir bessere soziale Durchmischung. Da sind Gleichheitszeichen dazwischen.
Paul: Was mir gerade auffällt, und das wollte ich mal eben ganz kurz sagen,
Paul: weil mich das wirklich sehr beeindruckt, du hast gerade gesagt,
Paul: du kannst keine Quickfixes anbieten und der Begriff Langfristigkeit ist auch schon gefallen.
Paul: Du machst das jetzt schon wirklich nicht nur viele Jahre, sondern viele Jahrzehnte.
Paul: Und ich wollte dich einfach mal fragen, weil ich das sehr beeindruckend finde,
Paul: wie du dir deine Energie stets bewahrst.
Sascha: Und immer bewahre ich sie nicht, um ehrlich zu sein.
Sascha: Es gibt durchaus Phasen, wo man einfach den Brocken hinschmeißen will.
Sascha: Es ist meine Einsicht, meine Überzeugung, mein innerer Kompass.
Sascha: Ich weiß nicht, wem es geschuldet ist, aber ich mag nicht anders,
Sascha: als immer wieder, wenn die Kraft da ist, mich für das einsetzen,
Sascha: wovon ich überzeugt bin.
Sascha: Dem ganzen licht ein universalistisches Weltbild zugrunde, muss man vielleicht ganz kurz erläutern,
Sascha: steht eigentlich in der Scharte der Menschenrechte, dass alle Menschen gleich
Sascha: sind an Rechten und Teilhaben der Gesellschaft und das ist für mich was,
Sascha: was tief in mir verwurzelt ist.
Sascha: Und das ist meine Orientierung. Und es gibt ja in der Magerbewegung und den
Sascha: Nahenbewegungen gibt es eine klare Abkehr davon.
Sascha: Ich kann das mit allem, was ich unter Humanismus verstehe, nicht in Deckung bringen.
Sascha: Ich kann mir als Orientierung für eine Gesellschaft nicht als einen Zustand,
Sascha: den wir jetzt erreichen können. Das ist ein utopischer Zustand.
Sascha: Aber grundsätzlich kann es für mich keine gesunde gesellschaftliche Entwicklung
Sascha: geben, die nicht darauf fußt, anzustreben, dass genau dieses Ideal eingelöst
Sascha: wird. Also dass alle Menschen gleich an Rechten sind und auch gleich an Chancen sein müssen.
Sascha: Und gegen dieses Ideal verstoßen wir es vielleicht zu krass,
Sascha: aber sagen wir mal, wir setzen viel zu wenig Energie rein, um diesem Ideal gerecht zu werden.
Sascha: Wir befrieden die Gesellschaft durch Umverteilungsmechanismen,
Sascha: aber wir lösen diese Herausforderungen nicht strukturell und gehen sie auch nicht an.
Daniel: Was ich noch spannend fand oder was ich gestolter bin, war das Initialkapitalprinzip.
Sascha: Okay, da gehst du jetzt auf ein sehr spezifisches Konzept meines früheren Arbeitgebers ein.
Daniel: Ja, genau.
Sascha: Das kann man ganz kurz erläutern. Die Einsicht ist ja grundsätzlich auch in
Sascha: dieser Stiftung die gleiche, dass wir gesellschaftliche Schieflagen haben,
Sascha: insbesondere dass wir keine Chancengerechtigkeit oder eine unzureichende Chancengerechtigkeit
Sascha: in den Stadtteilen haben.
Paul: Sorry, ganz kurz, welche Stiftung?
Sascha: Also ich habe für die Montagstiftung Urbane Räume eine Zeit lang gearbeitet
Sascha: und sie hat zum Ziel in Stadtquartieren mit Herausforderungen Orte zu schaffen,
Sascha: an denen Menschen Teilhabe erfahren, auch in Bezug auf das Ideal,
Sascha: dass Menschen aus unterschiedlichen Schichten zusammenkommen und insbesondere
Sascha: diejenigen gestärkt werden, die eben nicht so privilegiert sind.
Sascha: Und die Idee des Initialkapitals ist eben, statt Geld einzusetzen,
Sascha: um daraus Rendite zu erwirtschaften, das gleiche Geld einzusetzen,
Sascha: um damit Überschüsse zu erwirtschaften, die ins Gemeinwohl fließen.
Sascha: Dass die Herausforderung bei dem Ansatz bleibt, dass sie auf Erträge aus der
Sascha: Immobiliennutzung angewiesen ist.
Sascha: Also es können nur Überschüsse eingesetzt werden, die produziert werden in der
Sascha: Immobilie und das bringt bei den hohen Baukosten einfach erhebliche Herausforderungen mit.
Sascha: Gut ist einfach, wenn Menschen aus altruistischen, philanthropischen Gründen
Sascha: sagen, ich habe viel Vermögen erwirtschaftet. Also der Stiftungsgedanke ist
Sascha: erstmal ein guter Demokratie.
Sascha: Theoretisch kann man dem entgegenhalten, warum entscheiden Individuen auf Basis
Sascha: des Vermögens, das sie erworben haben, was die richtige Wahl ist.
Sascha: Nutzung und was Gemeinwohl ist.
Sascha: Irgendwo weiter vorne hatten wir die Frage, die schwankt zumindest mit,
Sascha: was ist Gemeinwohl eigentlich?
Sascha: Gemeinwohl ist eine Aushandlung, ein Aushandlungsprozess auf Augenhöhe.
Sascha: Aushandlung und Augenhöhe. Das ist ein bisschen ein Zielkonflikt mit dem Stiftungswesen,
Sascha: so wie es in Deutschland gelebt wird.
Sascha: Das ist nochmal ein Exkurs in ein anderes Thema, aber deswegen habe Ich persönlich
Sascha: wünsche mir einen starken, funktionstüchtigen Staat, der für Gemeinwohl sorgt.
Sascha: Ich möchte ihn nicht den paternalistischen oder materialistischen Ideen von
Sascha: Stiftern überlassen, was richtig ist, in welche Richtung das nehmen kann.
Sascha: Wir wissen, was es im Guten tun kann.
Sascha: Wir sehen aber auch, wie problematisch es ist, wenn Menschen mit Werthaltung,
Sascha: die wir nicht teilen, zu sehr viel Vermögen kommen und damit anfangen, die Welt zu gestalten.
Sascha: Deswegen plädiere ich dann doch eher für den Staat als Gewährleister des Gemeinwohls.
Daniel: Absolut. Ich bin nur sozusagen drüber gestolpert in der Recherche und fand das,
Daniel: was da drin stand, als Werkzeug auch irgendwie total interessant.
Paul: Ich würde gerne nochmal auf den Aspekt von der sozialen Durchmischung eingehen,
Paul: weil ich finde es so interessant,
Paul: wenn man jetzt hier in Köln sich zum Beispiel die Hohestraße anguckt,
Paul: also die große zentrale Einkaufsfußgängerzone,
Paul: die direkt vom Dom weg geht, also wirklich 1a beste Lage in Deutschland,
Paul: gibt wahrscheinlich sozusagen für Geschäfte keinen besseren Ort.
Paul: Dann sieht man da eigentlich absurderweise Leerstand und ziemlichen Ramsch so
Paul: an Läden irgendwie und das ist ja auch eine direkte Folge von den Preisen,
Paul: die es da gibt, denn ich weiß irgendwie,
Paul: dass es Makler, Maklerinnen gibt, die da eigentlich ganz gerne anders sozusagen
Paul: auch an andere Läden, kleinere Boutiquen und sowas vermieten würden,
Paul: aber es einfach nicht geht, weil die Preise, die Mietpreise sind da einfach zu hoch.
Paul: Und das ist ja das, also wir schaffen ja im Prinzip über diese Preispolitik,
Paul: oder über diese Preisspekulation eine Situation, in denen dann genau das passiert,
Paul: was dann kritisiert wird, irgendwie zum Beispiel vom Kanzler,
Paul: wie es denn in unseren Städten aussieht.
Paul: Da sind dann eben, da ist dann nachts alles tot und da liegen möglicherweise
Paul: vielleicht noch ein paar obdachlose Menschen in den Eingängen,
Paul: aber ansonsten sind das keine schönen Orte.
Paul: Das kommt zustande, weil die Preise sind zu hoch und wir müssen dann irgendwie
Paul: nach Amsterdam fahren zum Bummeln.
Paul: Das ist doch irgendwie auch nicht im Sinne des Erfinders, oder?
Sascha: Genau, das ist sicherlich nicht im Sinne des Erfinders oder sagen wir mal,
Sascha: manche Erfinder haben sehr davon profitiert.
Paul: Genau, aber merkt man jetzt ja auch, dass es sich da eben sozusagen gerade wieder
Paul: umkehrt, dass also sozusagen genau die Leute, die davon profitieren,
Paul: dass die Preise hochgehen,
Paul: jetzt sozusagen eine Situation erzeugen, die auch nicht mehr in ihrem Interesse
Paul: ist, nämlich dass sogar in der besten Lage eigentlich Leerstand herrscht.
Sascha: Natürlich beklagen sich diejenigen, die die Immobilien da jetzt besitzen,
Sascha: darüber, dass es sich nicht mehr lohnt.
Sascha: Die haben aber, denke ich, zum großen Teil ihren Ertrag schon gehabt.
Sascha: Die Stadtentwicklung als solches und die Stadt als Ganzes hat daran kein Interesse.
Sascha: Das sind Entwicklungen, die man eigentlich als gesamtrepublikanische Entwicklung
Sascha: ja auch wahrnehmen muss.
Sascha: Einfach so mit dem Wirtschaftswunder, das Konzept der autogerechten Stadt,
Sascha: die Funktionsteilung in der Stadt, wo man gesagt hat, okay, wir trennen Wohnen
Sascha: und gewerbliche Nutzung.
Sascha: Das sind alles mal städtebaulich Ideale gewesen, die uns irgendwann auf die Füße gefallen sind.
Sascha: Und hier kommen natürlich jetzt mehrere Trends zusammen. Das eine war halt die
Sascha: massiven Immobilienpreissteigerungen, die auch vor der Hohestraße und Schildergasse
Sascha: nicht Halt gemacht haben, die jetzt eben zu Mieten führen,
Sascha: die keiner mehr bezahlen kann und dass aber Einzelhandel natürlich generell
Sascha: auch nicht mehr funktioniert.
Sascha: Also selbst wenn die hohen Mietpreise nicht da wären, wäre es auch nochmal problematisch.
Sascha: Da kommen einfach zwei Faktoren zusammen, die die Städte entleeren und die verweisen
Sascha: uns eben darauf, dass man nachhaltigere Strukturen braucht. Und die Struktur war nie nachhaltig.
Sascha: Die ist immer auf dem gleichen Pfad geschwommen.
Sascha: Wie kann ich noch höhere Mieterträge aus der Immobilie ziehen?
Sascha: Welche Nutzer können die noch zahlen? und irgendwann hat sich eben erwiesen,
Sascha: dass die Ketten das am ehesten können und damit sind die Städte natürlich auch immer.
Sascha: Austauschbarer geworden, weil sie alle das gleiche Angebot haben und haben sich
Sascha: damit selber überflüssig gemacht.
Sascha: Ja, das ist der Prozess, denke ich, den wir da hatten. Jetzt ist die Frage,
Sascha: was machen wir damit? Und das ist ja das große Dilemma.
Sascha: Wir sind einfach in der Falle, in der Sackgasse, die, glaube ich,
Sascha: nur schmerzhaft aufgeräumt werden kann.
Sascha: Und dann ist aber eben wie immer die Frage, wie startet man dann neu durch?
Sascha: Also wiederholt man das Alte? Sagt man einfach, okay, dann halbieren wir den
Sascha: Wert und machen dann den gleichen Quatsch wieder? Oder erfinden wir die Innenstadt neu?
Sascha: Und das ist eine Diskussion, die läuft, die aber momentan eben noch an Interessen scheitert.
Sascha: Es gibt keine denkbare Nutzung, die unter heutigen Zinsbedingungen so eine Immobilie
Sascha: noch amortisieren kann.
Sascha: Und das sind Traps.
Sascha: Da gibt es nur noch einen schmerzhaften Ausstieg, glaube ich.
Daniel: Gibt es denn andere Beispiele aus anderen Ländern, anderen Städten,
Daniel: wo du sagen würdest, die gehen anders mit diesen Themen um?
Sascha: Es gibt keine Städte, von denen man behaupten kann, sie haben das Problem perfekt
Sascha: gelöst. Die kenne ich nicht.
Sascha: Es gibt Städte, die machen es in Teilen besser, oft einfach auf Basis von sehr,
Sascha: sehr langen Traditionen, wo sie einfach konsistent eine Politik durchgehalten haben.
Sascha: Wien wird ja immer gerne als Beispiel genannt dafür, dass man dort den kommunalen Wohnungsbau,
Sascha: aber auch den genossenschaftlichen Wohnungsbau immer hochgehalten hat,
Sascha: der dafür sorgt, dass 50 Prozent des Mietmarktes einer gewissen Preisbegrenzung unterliegen.
Sascha: Und das sorgt natürlich für ein ganz anderes Gefüge im Wohnungsmarkt als in
Sascha: Städten wie Köln, die bis auf 6% geförderten Wohnraum über eigentlich sonst
Sascha: überhaupt nichts Gesteuertes verfügen.
Daniel: Was für Zeiträume sind das?
Sascha: Ja, da reden wir über ein Jahrhundert, in dem Wien diese Politik oder über ein
Sascha: Jahrhundert diese Politik einigermaßen konsequent, auch mit Höhen und Tiefen,
Sascha: aber im Wesentlichen durchgehalten hat.
Sascha: Insbesondere die Immobilien eben nie verkauft hat. Es gab Phasen,
Sascha: wo man schwach wurde und nichts mehr dazu gebaut hat, es auch in Frage gestellt
Sascha: hat, aber das hat zum Glück eben nicht stattgefunden.
Sascha: Manches ist, glaube ich, auch einfach Glück.
Sascha: Aber man ist konsequent geblieben und deswegen gibt es in Wien eben einen so
Sascha: hohen Anteil am Wohnungsmarkt, der preisreguliert, preisgedämpft ist.
Daniel: Das ist ja das, was du vorher schon mal gesagt hast. Wenn es das Thema Boden
Daniel: betrifft, dann sind das lange Zeiträume, über die man nachdenken muss.
Sascha: Das ergibt sich ja schon aus der sinnvollerweise langen Nutzungsdauer einer Immobilie.
Sascha: Man sagt immer, Stadtplanung gilt für Jahrhunderte, Gebäude für ein Jahrhundert.
Sascha: Also wir reden einfach immer aus der Natur der Sache heraus bei so einer Investition,
Sascha: immer von einer Perspektive, die in den Bereich vieler Jahrzehnte geht.
Sascha: Und da wir ja nicht ständig die Stadt neu erfinden, planieren und neu bauen
Sascha: können, ergibt sich schon fast zwingend, dass man in langen Zeiträumen denken muss.
Sascha: Gleichzeitig muss man aber wenn Krisen sich zuspitzen auch schauen wie man Bewegungen
Sascha: da rein bekommt also wir können eben nicht also die Absurdität würde ja schon
Sascha: darin bestehen wenn wir der Lösung
Sascha: der Immobilienfrage oder der Bodenkrise Jahrzehnte geben wollen setzen wir,
Sascha: die Unvernunft so lange fort, dass die Krisen sich sehr viel stärker zuspitzen
Sascha: werden, wir haben einfach einen Handlungsdruck,
Sascha: da kreativ zu werden Und das bedeutet halt, schneller umzusteuern und das bedeutet
Sascha: eben auch Zumutungen gegenüber Einzelinteressen in Kauf zu nehmen,
Sascha: weil wir sonst den Zielkonflikt nicht auflösen können.
Paul: Jetzt haben wir gerade über lange Zeiträume gesprochen. Das Gute ist ja,
Paul: wir haben hier eine Zeitmaschine, mit der können wir in die Zukunft reisen und
Paul: diese langen Zeiträume mal überspringen oder überfliegen.
Paul: Ich weiß jetzt nicht, was in deinem Fall ein angemessener Zeitsprung ist für uns.
Paul: Kannst du vielleicht mal hier eintippen in die Zeitmaschine.
Paul: Und wenn ihr nichts dagegen habt, dann lasst uns doch mal in die Zukunft reisen
Paul: und mal schauen, wie das Thema Böden oder die Bodenfrage gelöst worden ist und
Paul: wie die Welt aussieht eigentlich. Habt ihr Lust?
Daniel: Auf jeden Fall.
Paul: Wir lassen unseren Gast auch immer den roten Knopf drücken.
Daniel: Willst du auf den roten Knopf drücken?
Sascha: Ja, aber natürlich. Ich liebe rote Knöpfe.
Daniel: Das hier ist der rote Knopf. Das ist die Zeitmaschine.
Sascha: Kommst du da ran? Und jetzt reisen wir in das Jahr 2050, würde ich vorstellen.
Paul: Da sind wir. Du hast gesagt, 2050 hast du eingestellt.
Sascha: Ja, es ist ein wunderbares Vierteljahrhundert in der Zukunft.
Sascha: In der Zeit wollen wir viele gesellschaftliche Probleme gelöst und in den Griff bekommen haben.
Paul: Haben wir ja. Ich meine, das ist ja das Tolle.
Sascha: Ach ja, wir sind jetzt ja in der Zukunft. Genau, also wir haben sie in den Griff
Sascha: bekommen und dazu gehört,
Sascha: dass wir einen nennenswerten Teil des Bodens eben in dem Sinne getrennt haben,
Sascha: dass heutzutage die NutzerInnen zwar die Aufbauten besitzen,
Sascha: aber den Boden nicht mehr besitzen.
Sascha: Und dass sie gegenüber der Allgemeinheit begrenzt sind in dem,
Sascha: was sie mit dem anstellen können.
Sascha: Wenn sie da eine geförderte Wohnung drauf gebaut haben, bleibt sie dauerhaft
Sascha: eine geförderte Wohnung oder eine bezahlbare Wohnung.
Sascha: Und sie haben der Kommune gegenüber versprochen, dass es eine Mischung gibt
Sascha: von Menschen, die da wohnen können, weil die Wohnungen in Zuschnitten und in
Sascha: Preisen so gestaltet sind.
Sascha: Dass sie von unterschiedlichen Menschen geleistet werden können,
Sascha: sodass die Menschen gemischt in dem Stadtquartier wohnen, sich begegnen auf
Sascha: der Straße, gemeinsam im Park sitzen und keine Angst mehr voreinander haben,
Sascha: weil der eine auf sie vermeintlich hinabblickt und der andere nichts taugt,
Sascha: sondern festgestellt haben, als die Kinder gemeinsam gespielt haben,
Sascha: dass die anderen auch alles nette Menschen sind, die einfach andere Lebensentwürfe
Sascha: und andere Voraussetzungen haben.
Sascha: Aber dass man mit denen genauso gut einen Kölsch trinken kann wie mit allen anderen auch.
Paul: Mit den Kindern?
Sascha: Naja, also das wollen wir dann vielleicht nicht gehen. Die müssen bei der Fassbrause
Sascha: bleiben, aber das ändert sich vielleicht nicht.
Daniel: Für 1050 kann das ja sein.
Sascha: Genau, ich glaube mittlerweile trinken wir Alkohol. Heute trinken wir ein alkoholfreies
Sascha: Bier, das hat sich ja komplett verändert.
Sascha: Aber nein, vor allem haben wir jetzt ja Läden, im Erdgeschoss,
Sascha: die nicht nur kommerzielle Nutzung beinhalten, sondern auch Gemeinschaftsorte,
Sascha: an denen Menschen für kleines Geld oder gar kein Geld Feste feiern können oder
Sascha: Themenabende zu Dingen, die sie interessieren, organisieren.
Sascha: Wir haben die Städte von Autoverkehr zu einem großen Anteil befreit,
Sascha: sodass die Menschen sich im öffentlichen Raum wunderbar bewegen können,
Sascha: was auch die Begegnung stärkt.
Sascha: Denn dort, wo man sich gerne aufhalten mag, begegnete man auch mal jemanden,
Sascha: wo man sich auf eine Bank setzen mag, auf die man sich, ich erinnere mich kaum
Sascha: noch an 2026, wo man sich gar nicht hinsetzen mochte, weil es immer nur laut und dreckig war.
Paul: Es ist auch schön, wie schnell man diese Sachen so vergisst,
Paul: war ja damals auch so mit dem Rauchverbot, wie schnell man vergessen hat,
Paul: dass man mal in Restaurants geraucht hat und das gar nicht mehr vermisst hat und so.
Paul: Das war ja damals auch alles schon so weg. Ja, ich finde auch sehr interessant.
Paul: Und du hast jetzt das urbane Leben so ein bisschen beschrieben,
Paul: wie es aussieht oder das Wohnen.
Paul: Wie hat sich denn das mit der Bodenfrage auch auf andere Gesellschaftsbereiche noch so ausgewirkt?
Sascha: Und ja, die Tatsache, dass wir diese Nutzung trennen, hat insbesondere dazu
Sascha: geführt, dass die Lebensmittelpreise nicht immer weiter gestiegen sind.
Sascha: Denn was wir ja in der Vergangenheit gar nicht so richtig im Blick hatten,
Sascha: ist, dass der landwirtschaftliche Boden auch immer teurer geworden ist und immer
Sascha: weniger Menschen oder Investoren gehörte.
Sascha: Und die niedrigeren Preise haben dafür gesorgt, dass die biologische Landwirtschaft
Sascha: erstarken konnte, die einfach nicht so viel aus dem Boden an Rendite rausknautschen konnte.
Sascha: Und deswegen haben wir heute eben einen deutlich höheren Anteil an nachhaltig
Sascha: erzeugten Nahrungsmitteln, die auch mehr Arbeit erfordern, sodass der ländliche
Sascha: Raum wieder belebter ist.
Sascha: Es haben Leute wieder Lust auf dem Land zu wohnen, weil es sich nicht immer
Sascha: weiter entleert hat. Wir haben den Trend umgekehrt, dass das Wohnen im ländlichen
Sascha: Raum auch wieder attraktiv ist, weil es da überhaupt Arbeit gibt und sinnstiftende Arbeit gibt.
Sascha: Ja, das sind schon wichtige Dinge, die wir erreicht haben, was gleichzeitig
Sascha: auch zu einer Verbesserung des Klimas geführt hat, weil die Böden mehr Wasser
Sascha: halten und mehr verdunsten,
Sascha: sodass sogar das Stadtklima davon profitiert, weil das Umland kühler geblieben ist.
Sascha: So kommen ganz viele Dinge heute zusammen.
Paul: Das klingt irgendwie, als wären die Leute auch gesünder jetzt hier in 2050,
Paul: weil die Bedingungen einfach bessere sind.
Paul: Besseres Essen, Klima hat sich verändert, weniger Feinstaub in der Luft,
Paul: Lärmbelastung ist gesunken, Stress ist möglicherweise gesunken,
Paul: weil nicht mehr so viel Geld aufgebracht werden muss für Miete.
Paul: Das soziale Miteinander stärkt ja auch die Abwehrkräfte.
Sascha: Absolut, genau. Die Leute arbeiten immer noch, weil Menschen gerne tätig sind.
Sascha: Und wie du schon sagtest, die Leute kommen mit dem, was sie verdienen,
Sascha: finden sie eine Wohnung in der Stadt und sind nicht an den Rand gedrängt worden,
Sascha: konnten teilweise wieder zurückziehen.
Sascha: Wir haben es aber auch geschafft, die Quartiere draußen gemischt dazu machen,
Sascha: die weiter draußen sind, weil wir dafür gesorgt haben, dass die Erdgeschosse
Sascha: dort genutzt werden, sodass auch nicht alle immer in die Stadt strömen müssen,
Sascha: sondern dass es sich auch gut an den Rändern lebt.
Sascha: Wir haben dort einiges nachverdichten können, weil wir mit der neuen Bodenordnung,
Sascha: die wir jetzt haben, dafür sorgen konnten, dass die Sachen nicht so zementiert bleiben.
Sascha: Wo mal zwei Einfamilienhäuser standen, stehen heute oft sechs Wohnungen mit
Sascha: immer noch viel Grünfläche oder teilweise sogar mehr, weil wir die Fläche besser ausnutzen.
Sascha: Die Leute finden das, was sie vor Ort brauchen, sodass es ihnen dort gut geht,
Sascha: und brauchen nicht ständig woanders hinfahren, damit sie sich wohlfühlen.
Sascha: So hat sich vieles verbessert.
Daniel: Wie sind wir denn da hingekommen? Was ist denn passiert? Also ist da vor ungefähr
Daniel: 30 Jahren oder so ein Kompass neu ausgerichtet worden?
Sascha: Ja, die Parteien haben sich parteiübergreifend darauf verständigt,
Sascha: dass es keine Marginalkorrektur braucht und eine Einzelverhandlung,
Sascha: sondern eine konsistente Bodenpolitik,
Sascha: die alle Instrumente, die der Kommune zur Verfügung stehen, ausnutzen.
Sascha: Das fing damit an, dass man in der Stadtgesellschaft das Thema anders adressiert hat.
Sascha: Also dass man einfach gesagt hat, Leute, wir wollen unsere Stadt zukunftsfähig gestalten.
Sascha: Dazu brauchen wir eure Unterstützung.
Sascha: Wir tun das, was wir können und ihr müsst mithelfen.
Sascha: Man hat eine städtische Botenstiftung gegründet, in die insbesondere wohlhabende
Sascha: Menschen Teile ihres Erbes reingegeben haben, sodass Boden für die Stadtgesellschaft
Sascha: wieder als Verfügungsmasse überhaupt verfügbar wurde,
Sascha: sodass diese Grundstücke mit Zielen, die für die Stadt gut sind,
Sascha: an Projekte vergeben werden konnten.
Sascha: Daraus sind ganz viele junge Genossenschaften entstanden, aber auch etablierte.
Sascha: Investoren haben dann ihre Projekte anders ausgerichtet und sich stärker auf
Sascha: das konzentriert, was die Stadt hat,
Sascha: statt auf eine Maximierung von Renditen und dadurch sind komplett neue und anders
Sascha: geartete Quartiere entstanden und auch die bestehenden Quartiere haben sich verändert.
Paul: Nur ganz kurz zum Verständnis, diese städtische Bodenstiftung,
Paul: von der du gerade gesprochen hast, ist aber jetzt, also weil du,
Paul: als wir noch in der vergangenen, also in der 2026 waren, dich ja auch so ein
Paul: bisschen kritisch zum Thema Stiftung geäußert hattest. Das ist aber was anderes, ne?
Sascha: Genau, das ist dann eine andere, man sagt immer Governance. Also diese Bodenstiftung wird anders gemanagt.
Sascha: Da sitzt nicht ein Stifter drin, der sagt, das ist mein Stifterwille und das
Sascha: soll geschehen, sondern die hat ein Kuratorium, das immer wieder auch neu besetzt
Sascha: wird aus Vertretern von Politik,
Sascha: allgemeiner Öffentlichkeit und Nutzern, die immer wieder neu aushandeln,
Sascha: welche Nutzung die Stadt denn braucht.
Sascha: Also das Gemeinwohl wird für jeden Ort nicht einfach definiert und deklariert,
Sascha: sondern wird für jeden Ort neu ausgehandelt und das ist dann die Grundlage dafür,
Sascha: wie der Boden an jemanden weitergegeben wird.
Sascha: Eben aber nicht als Eigentum, sondern als Besitz auf Zeit im Erbbaurecht.
Sascha: Mit den ganzen pfiffigen Absicherungsmöglichkeiten, die es im Erbbaurecht gibt,
Sascha: um dafür zu sorgen, dass der Nutzer das auch macht.
Sascha: Und er hatte auch da Spaß dran, weil er damit eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz
Sascha: hat und mit seinem geschäftlichen Tun, das er dann immer noch darauf betreibt,
Sascha: sich wohlfühlen kann, dass er nicht nur für sich was Gutes tut,
Sascha: sondern auch der Gesellschaft dient.
Paul: Das resoniert bestimmt ja auch zurück jetzt. Also diese Kehrtwende,
Paul: von der du gerade erzählt hast, dass sie stattgefunden hat, dass sich die Parteien
Paul: so zusammengerauft haben, war dann ja auch eigentlich fast eine Zäsur,
Paul: wirklich hin sozusagen wieder zu einer stärkeren Demokratisierung, stelle ich mir vor.
Paul: Also nicht nur auf der politischen Ebene, sondern die dann auch nachhaltig dadurch
Paul: wirkt, dass eben einfach diese Form von größerem sozialen Ausgleich eigentlich
Paul: dazu führt, dass die Demokratie wieder gestärkt wurde.
Sascha: Genau, denn irgendwann fingen auch die, die sich eigentlich auf der Sonnenseite
Sascha: des Lebens wähnen durften, fühlten sich unkomfortabel, weil der öffentliche
Sascha: Raum immer schlechter auszuhalten war,
Sascha: weil man sich eigentlich immer stärker in die eigenen vier Wände zurückziehen
Sascha: musste, um sich wohlzufühlen.
Sascha: Und das wurde eben zusehends zum Problem.
Sascha: Und dann stellte sich die Frage eben nicht mehr, ob ich mich von den Problemen
Sascha: fernhalten kann, sondern wie kann ich die Stadt gestalten, dass ich überall wieder sein möchte.
Paul: Hmm.
Daniel: Also hat jeder auch begonnen, sozusagen nochmal anders Verantwortung zu übernehmen?
Sascha: Genau, Verantwortung zu übernehmen oder einfach auch sich als Gestalter der Stadt zu begreifen.
Sascha: Das ist ja was Schönes. Wir wollten das damals und wollen heute ja was beitragen zu der Gesellschaft.
Paul: Aber ja, also nicht nur der Stadt, nicht nur als Gestalter der Stadt,
Paul: sondern ja auch, und das fand ich eben gerade so interessant,
Paul: als Gestalter des ländlichen Raums.
Paul: Das ist ja nicht nur ein städtisches Phänomen, was wir hier gerade beschreiben
Paul: oder was wir sehen, wenn wir aus unserer Zeitmaschine rausgucken.
Sascha: Ja, absolut. Also die Rahmenbedingungen haben sich verändert,
Sascha: die Art des Arbeitens hat sich verändert.
Sascha: Früher musste man in die Stadt ziehen, das hat den Druck erhöht,
Sascha: heute muss man das nicht mehr,
Sascha: weil zum einen es wieder mehr Arbeitsangebote im ländlichen Raum gibt,
Sascha: weil aber auch viele Arbeiten, die früher an einem Ort stattfinden,
Sascha: müssen heute nicht mehr an einem Ort stattfinden, also wo man nicht mehr hinfahren
Sascha: muss oder nur noch ein oder zweimal die Woche.
Sascha: Und dadurch haben sich viele Rahmenbedingungen geändert, das wurde dann wieder attraktiv.
Sascha: Gleichzeitig haben aber auch die ländlichen Räume erkannt, dass man eben,
Sascha: um das Klima zu schützen, den Flächenverbrauch reduzieren muss und haben auch
Sascha: angefangen, dort anders zu bauen.
Sascha: Also haben nicht weiter landwirtschaftlichen Boden in Bauland umgewandelt,
Sascha: sondern die bestehenden Flächen besser genutzt und dort attraktive kleinere,
Sascha: Kleinere, sicherlich anders als in der Stadt aussehende,
Sascha: aber immer noch deutlich kompaktere Wohnquartiere geschaffen,
Sascha: als sie vor 30 Jahren da waren.
Daniel: Also wurde tatsächlich die Verteilungsfrage gestellt?
Sascha: Wir haben die Verteilungsfrage ein Stück weit überlegt.
Sascha: Anders beantwortet und haben ein neues Gleichgewicht geschaffen,
Sascha: das für alle Sinn ergibt, weil die, die was gegeben haben, dafür sehr viel Qualität bekommen haben.
Sascha: Nämlich erstmal natürlich ein Gefühl zu was Gutem beigetragen zu haben,
Sascha: aber eben auch außerhalb der eigenen Wände einen attraktiven öffentlichen Raum,
Sascha: in dem man sich gerne aufhalten mag.
Sascha: Und das Leben nicht daraus bestand, von einer Insel zur nächsten Insel zu fahren
Sascha: und das dazwischen möglichst auszublenden, sondern dem dazwischen auch eine Qualität zu geben.
Paul: Wie steht es denn um Freiräume? Also jetzt haben wir über Wohnen und Arbeiten gesprochen.
Paul: Was ist denn mit Projekten, die sich jetzt sozusagen dort nicht verorten?
Paul: Also allen möglichen anderen.
Sascha: Soziokulturelle Notzungen aller Art. Wir haben da ja die Flächen teilweise neu
Sascha: aufgeteilt werden konnten,
Sascha: auch gewisse Geschäftsmodelle nicht mehr funktionierten, sind auch einfach Flächen
Sascha: brach gefallen für Menschen, die Ideen hatten, die keinen großen kommerziellen
Sascha: Profit bringen konnten,
Sascha: Raum gegeben haben, sich auszuprobieren und neue Dinge zu erfinden.
Sascha: Die aber eine hohe Attraktivität für die Bewohner der Stadtteile hatten.
Sascha: Also so konnten halt neue kulturelle Räume erschlossen werden,
Sascha: die niederschwellig genutzt werden können.
Paul: Klingt sehr schön.
Sascha: Ist ja auch schön, wie es geworden ist.
Paul: Ja, also sieht toll aus. Wir können leider nicht hierbleiben.
Paul: Oder gibt es noch irgendwas, was du hier siehst und ganz doll Nein.
Sascha: Ich glaube, wir haben einen guten Abend. Wir haben es 2026 richtig gemacht,
Sascha: wenn wir in dieser Zukunft angekommen sind.
Paul: Super, dann lass uns doch mal dahin zurückreisen.
Paul: Harter Aufschlag auf dem Boden der Realität.
Daniel: Wie immer harter Aufschlag, aber Tascha, was würdest du denn jetzt jemandem
Daniel: sagen, der irgendwie sagt, kommt mal jetzt raus aus eurem Wolkenkuckucksheim.
Daniel: Du hast doch eine Vision, du solltest zum Arzt gehen. Das ist ja dieser berühmte
Daniel: Satz von Helmut Schmidt, den ich wirklich ganz schrecklich finde.
Daniel: Also nicht Helmut Schmidt, sondern diesen Satz.
Daniel: Was entgegnet man so jemandem? Wenn man aus so einer, wir sagen ja,
Daniel: wir träumen in diesem Podcast professionell.
Sascha: Schönes Bild.
Daniel: Ja, und ich finde immer, wenn man in die Zukunft fliegt, fährt,
Daniel: sich dahin begibt, dann hört sich das immer so wirklich großartig an.
Daniel: Und gleichzeitig schwingt aber in meinem Kopf immer so mit, es gibt tausend
Daniel: Stimmen da draußen, die sagen, was soll dieses Wolkenkuckusheim?
Daniel: Es macht doch gar keinen Sinn, über sowas nachzudenken. Da werden wir es sowieso
Daniel: nie hinschaffen. Was entgegnet man so jemandem?
Sascha: Ich würde jetzt erstmal vermuten, dass niemand sich eingestehen möchte,
Sascha: dass Zukunft nicht gestaltbar ist.
Sascha: Und insofern glaube ich, dass wir alle im Herzen tragen, dass wir uns eine solche
Sascha: Zukunft vorstellen können wollen.
Sascha: Wolkenkuckucksheim, ja, jetzt tue ich mich mit einer Antwort,
Sascha: wie ihr merkt, etwas schwer.
Daniel: Also kein Problem. Ich mich auch.
Paul: Vielleicht anders gefragt, also ich finde den Verweis ja schon total gut darauf,
Paul: dass sich eigentlich alle möglicherweise darauf einigen können,
Paul: dass Zukunft gestaltbar ist und dass man sie sich deswegen auch so vorstellen
Paul: kann, wie wir das jetzt gerade gemacht haben.
Paul: Was wären denn jetzt sozusagen ganz konkrete Schritte aus deiner Perspektive,
Paul: damit das dann auch Wirklichkeit wird?
Daniel: Darauf wollte ich eigentlich hinaus.
Sascha: Was für mich völlig klar ist, dass wir eine Änderung in der Haltung, im Mindset brauchen.
Sascha: Deswegen, ob das ein kleiner Schritt ist oder ein großer, muss jeder für sich entscheiden.
Sascha: Wir haben in dem Podcast an verschiedenen Ecken darüber geredet,
Sascha: dass wir uns festgebissen haben in gewissen Blicken darauf, was Eigentum ist
Sascha: und unser Verhältnis dazu.
Sascha: Der kleine und große Schritt ist, an dieser Schraube zu drehen.
Sascha: Sein Verhältnis dazu zu überdenken und zu verstehen, dass die Zukunft als Fortschreibung
Sascha: dieser Vergangenheit einfach nicht funktionieren wird.
Sascha: Also vielleicht ist es die kleine tägliche Übung, nicht mehr dann doch bewundern,
Sascha: zu denen aufzuschauen, die großes Vermögen angehäuft haben und nie zu hinterfragen,
Sascha: wo dieses Vermögen herkommt, sondern die weiße Yacht und das dicke Haus imposant
Sascha: zu finden, sondern sich davon zu verabschieden und mehr zu den Leuten zu schauen,
Sascha: sich an denen zu orientieren, die was fürs Gemeinwohl getan haben.
Sascha: Das wäre die kleine Alltagsübung und das spiegelt sich halt als kleine Alltagshandlung darin wieder,
Sascha: wie wir uns in Diskussionen verhalten, wie wir auf den politischen Raum einwirken,
Sascha: im Sinne von, welche Wahlentscheidungen wir treffen.
Sascha: Welchem Argument wir applaudieren,
Sascha: Das sind alles kleine Schritte und es ist, glaube ich, einfach die Notwendigkeit,
Sascha: zu so einer Alltagspraxis zu kommen,
Sascha: indem man immer wieder sich hinterfragt,
Sascha: was ist nicht nur das, was ich für mich zusammenraffen kann,
Sascha: sondern was ist ein gutes Verhältnis zwischen dem, was ich brauche und dem,
Sascha: was die Menschen um mich herum brauchen.
Paul: Also du prädierst für eine schöne Übung an sich selbst.
Paul: Gibt es noch einen größeren Schritt, den du gerade im Tun hast?
Sascha: Der große Schritt wäre wirklich, sich aktiv und kämpferisch dafür einzusetzen.
Sascha: Es gibt ja diesen alten Spruch aus der Umweltbewegung, wenn viele kleine Menschen
Sascha: viele kleine Dinge tun, dann wird sich morgen die Welt verändern.
Sascha: Da gibt es verschiedene Varianten.
Sascha: Der große Schritt ist einzusehen, dass diese kleinen Dinge nicht mehr reichen.
Sascha: Das ist eine Erzählung, die wir seit Jahrzehnten pflegen und Thilo Bode,
Sascha: den viele vielleicht noch als Greenpeace-Geschäftsführer oder Foodwatch-Gründer kennen,
Sascha: hat einem Artikel, der gerade vor ein paar Wochen erschienen ist,
Sascha: auf die Zahnlosigkeit der Zivilgesellschaft verwiesen.
Sascha: Denn wenn wir wirklich eine Zukunft wollen, die so aussieht wie die,
Sascha: die wir gerade in unserer Utopie so ein bisschen umrissen haben,
Sascha: dann braucht es einfach mehr Kampfgeist und wir haben einfach sehr viele.
Sascha: Die Tatsache ist, dass es uns heute sehr gut geht und das macht uns auch sehr
Sascha: gemütlich, aber diese Gemütlichkeit wird für eine gute Zukunft nicht reichen.
Sascha: Insofern ist der große Schritt zu sagen, raus aus der Komfortzone im Sinne von
Sascha: sich mit besten Freunden gegenseitig zu bestätigen, was das Richtige wäre,
Sascha: sondern rausgehen und dafür streiten und es tun.
Paul: Starke Worte. Sascha, zu den kleinen, wichtigen Schritten.
Paul: Gibt es denn noch was Konkretes, an dem du gerade arbeitest,
Paul: wo du sagst, da werde ich aktiv?
Sascha: Ich habe mir natürlich über viele Jahre Gedanken gemacht oder mache sie mir
Sascha: nach wie vor, weil das sich nicht abschließen lässt.
Sascha: Wie kann denn eine gute Zukunft aussehen und wie kann die von Menschen gestaltet werden?
Sascha: Und aus der Chance, dass wir mit dem Kohleausstiegsbeschluss sechs Dörfer haben,
Sascha: die nicht mehr abgebaggert werden und ein Dorf sich entschieden hat,
Sascha: einen besonderen Weg zu gehen. Der Ort heißt Bürgerwald.
Sascha: Es hieß mal Morschenig-Alt und ist als Kampfzone des Widerstands gegen den Braunkohletagebau
Sascha: in die weltweiten Medien geraten.
Sascha: Dort versuche ich, ein Gemeinschaftsprojekt zu gründen, das letztendlich all
Sascha: diese Ideen umsetzt, die wir hier umrissen haben.
Sascha: Eine intentionale Gemeinschaft von 150 Erwachsenen plus Kindern,
Sascha: die sich selbst einen Rahmen geben,
Sascha: den wir mit gutes Leben innerhalb der planetaren Grenzen umschreiben.
Sascha: Soll heißen, Menschen haben Bedürfnisse, die sollen befriedigt werden,
Sascha: aber nicht im Widerspruch zu dem, was die Erde kann.
Sascha: Und wir hatten ja vor wenigen Tagen den Erderschöpfungstag,
Sascha: der einfach markiert, dass wir in Deutschland fast drei Planeten brauchen mit
Sascha: unserem Lebensstil und wir sind davon überzeugt, dass man Leben auch so glücksbringend
Sascha: und erfüllend gestalten kann,
Sascha: ohne ständig mehr vom Kuchentablett zu nehmen, als einem zusteht.
Paul: Und wie nennt ihr euch?
Sascha: Das Projekt heißt Morgenort, wird eine Genossenschaft werden und wir suchen
Sascha: Menschen, die sagen, ja,
Sascha: ich weiß, dass mein Lebensstil nicht im Einklang mit den planetaren Grenzen ist.
Sascha: Ich kann das morgen nicht erreichen, aber übermorgen will ich so leben,
Sascha: dass das zusammenpasst.
Sascha: Und ich habe jetzt Lust, diese einmalige Chance zu nutzen, um einen solchen
Sascha: Ort zu entwickeln, denn solche Chancen gibt es selten.
Daniel: Das ist ja fast die Zukunft, aus der wir gerade kommen, wahrscheinlich,
Daniel: wenn ihr in der Endausbaustufe des Morgenortes, oder?
Sascha: Absolut, ja. Das ist ein Teil der Zukunft.
Sascha: Oder das ist für mich der überzeugendste Teil der Zukunft,
Sascha: weil wir haben ja sozusagen naturwissenschaftliche Anforderungen,
Sascha: was das Klima angeht, aber wir haben vor allem ganz viele soziale Dinge, die wir klären müssen.
Sascha: Und das bedeutet, dass wir eine solidarischere Ökonomie aus meiner Sicht brauchen.
Sascha: Und das lässt sich einfach sinnvoll nicht zwischen 80 Millionen Menschen verhandeln,
Sascha: sondern immer in kleineren Kreisen.
Sascha: Und deswegen braucht es ein Projekt, das groß genug ist, um Kraft zu haben und
Sascha: klein genug, damit Menschen in den Austausch kommen können und ausverhandeln können.
Daniel: Und was macht ihr da konkret in diesem Morgenort?
Sascha: Das wird ein Wohn-, Lebens- und Arbeitsprojekt werden.
Sascha: Das heißt, wir werden unterschiedlichste Wohnformen haben, die flächensparend sind.
Sascha: Also statt der 48 Quadratmeter, die wir pro Kopf verbrauchen,
Sascha: wollen wir deutlich unter 35 Quadratmetern landen.
Sascha: Wir werden ökologisch bauen, wir werden Formen der solidarischen Ökonomie pflegen.
Sascha: Das bedeutet, dass wir Kosten nicht nur nach jeder Zeit gleich viel teilen,
Sascha: sondern auch nach der Leistungsfähigkeit der Menschen, die dort wohnen,
Sascha: uns gewisse Kosten teilen werden.
Sascha: Wir wollen Unternehmen integrieren, die zum Rezyklieren und Bauen passen.
Sascha: Eine solidarische Landwirtschaft gehört für uns dazu, Bildungsangebote gehören dazu und viel Dialog.
Sascha: Wir werden nur ungefähr ein Zehntel des Dorfes sein nach den Vorstellungen der Mutterkommune.
Sascha: Und wir wollen aber eben auch mit den Menschen in der Nachbarschaft in einem
Sascha: guten Austausch stehen und sie inspirieren, einen Teil dieses Weges mitzugehen.
Daniel: Und das wird, das musst du nochmal ganz kurz sagen, das wird sozusagen gegründet
Daniel: in einem Ort, der die Kampfzone gegen den.
Sascha: Genau, also es ist wirklich nur ein Kilometer vom Hambi, der es in die Weltpresse
Sascha: geschafft hat, entfernt ist und die Kommune hat einen sehr mutigen Grundsatzbeschluss
Sascha: gefasst, dass sie dort einen Ort schaffen will,
Sascha: der sehr, sehr viele Nachhaltigkeitsaspekte erfüllt im Sinne von Verkehrsarmut,
Sascha: im Sinne von nachhaltiger Energieversorgung.
Sascha: Auch beschlossen, die Grundstücke nur im Erbbaurecht zu vergeben,
Sascha: was wirklich einmalig ist unter all den, also es gibt ja sechs Dörfer,
Sascha: die nicht abgebaggert werden.
Sascha: Fünf werden kleinteilig verkauft. Nur dieser Ort bleibt in Hand der Kommunen
Sascha: und wird im Erbbaurecht vergeben werden nach dem jetzigen Beschlussstand.
Sascha: Und das eröffnet die einmalige Chance, auch den ländlichen Raum in der Nähe
Sascha: von Köln nochmal neu zu denken.
Daniel: Das heißt, diese Kommune hat sich selbst einen neuen Kompass gegeben und versucht,
Daniel: das dann jetzt durchzuziehen.
Sascha: Ja, ich bin ja auch Segler und der Kompass ist einfach das wichtigste Instrument.
Sascha: Wenn man keinen Kompass hat, ist man verloren.
Sascha: Und manche, was ist denn der Plural von Kompass?
Daniel: Kompi.
Sascha: Die sind halt durch falsche Anreizsysteme fehlgeleitet worden und es braucht
Sascha: einfach einen neuen Kompass und der sollte eben in Richtung eines neuen gesellschaftlichen
Sascha: Ausgleichs gehen, der für alle funktionieren kann.
Daniel: Finde ich spannend, weil du natürlich beweist, dass Veränderung möglich ist.
Sascha: Wir sind fest entschlossen, den Beweis anzutreten.
Paul: Das finde ich sehr inspirierend. Wir haben also nicht nur Übungen an sich selbst,
Paul: die wir machen können und ein abstraktes Aktivwerden, sondern hier zeigst du
Paul: auch ein ganz konkretes Bild.
Paul: Und ich finde es sehr inspirierend. Ich bin mir sicher, wir werden es weiter
Paul: beobachten, wie es bei euch weitergeht.
Paul: Und vielleicht hat ja der und die ein oder andere Zuhörerin hier von uns auch
Paul: jetzt Lust bekommen, da mal reinzuschauen.
Paul: Habt ihr eine Internetseite?
Sascha: Wir haben eine ganz rudimentäre Internetseite, weil es uns momentan nicht um
Sascha: die Breitenwerbung geht, sondern vor allem darum, Menschen einzubinden,
Sascha: die sich als PionierInnen sehen, die wirklich Zugpferde sind.
Sascha: Unter morgenort.org oder kontaktatmorgenort.org sind wir jederzeit erreichbar
Sascha: und freuen uns über ambitionierte MitstreiterInnen.
Paul: In diesem Sinne, geht raus, übt an euch selbst und werdet aktiv.
Daniel: Das ist jetzt ein kämpferischer Aufruf.
Paul: Ja, finde ich. Scheint auch notwendig zu sein.
Daniel: Scheint auf jeden Fall notwendig zu sein, ja, definitiv. Lieber Sascha,
Daniel: wir danken dir herzlich für dieses Gespräch, für die Einblicke in das Thema,
Daniel: das dich seit Jahrzehnten geradezu umtreibt, den Boten.
Daniel: Ich hätte nicht gedacht, dass man so lange über dieses Thema so interessant
Daniel: und spannend sprechen kann. Ich danke dir herzlich, dass du bei uns warst.
Paul: Ja, vielen, vielen Dank.
Sascha: Danke euch beiden für die Gelegenheit.
Paul: Best Case Szenario ist ein Podcast von Tomorrowness und wird produziert von
Paul: uns, Daniel Scheuch und Paul Bachmann bei TBA The Beauty Aside.
Paul: Sounddesign und Titelmusik kommen von Robert Keilber. Best Case Szenario erscheint
Paul: einmal im Monat auf den gängigen Plattformen.
Paul: Für mehr Infos besucht uns auf tomorrowness.org slash best-case-szenario oder
Paul: schaut in die Shownotes.
Paul: Auch da haben wir nochmal alle wichtigen Infos zur Folge und unseren Gästen verlinkt.
Paul: Wir bedanken uns fürs Zuhören und freuen uns, wenn ihr uns abonniert und teilt
Paul: und eine gute Bewertung hinterlasst.
Paul: Das ist eine Riesenunterstützung und es tut echt gut, eure Wertschätzung zu
Paul: spüren. Bis zum nächsten Mal.